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Antalya: Die Geschichte einer zerbrochenen Liebe

Von am 30. Oktober 2015

„Hoş geldiniz,“ begrüßt er mich mit seinem freundlichen Schnurbartlächeln. „Nasılsın?“ Er möchte wissen, wie es mir geht. Obwohl ich schon fast ein Jahr mit einem Türken zusammen bin, kann ich die Frage leider nicht beantworten. Ich muss gestehen, ich habe kaum Türkisch gelernt.

Jetzt, wo ich zum ersten Mal dem Vater meines Freundes in Antalya gegenüberstehe, sind die wenigen Sätze, die ich auswendig gelernt habe, wie ausradiert. In den darauffolgenden Tagen beschränkt sich unsere Kommunikation auf zustimmendes Nicken und Lächeln.

Es ist Februar in Antalya. Auf einigen Gipfeln der Berge, die die Stadt so schön umrahmen, liegt Schnee. Die Badestrände sind menschenleer, vom touristischen Ansturm der Sommermonate keine Spur. Es ist angenehm warm, tagsüber scheint die Sonne. Nur nachts wird es bitterkalt.

Antalya

Ich verbringe eine schöne Zeit mit meinem Freund in Antalya. Wir wohnen bei seinem Vater, besuchen Freunde, schlendern durch die Altstadt Kaleici, sitzen teetrinkend in der Sonne, rauchen Shisha und essen Köfte. Abends sitzen wir in dicken Decken eingekuschelt am Lagerfeuer, trinken heißen Sahlep oder kühles Effes.

Wir reden viel, wir schmieden Zukunftspläne, wir lachen und wir heulen. Mal sind wir glücklich, oft streiten wir heftig. Die Beziehung ist längst am Arsch. Leider weiß ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht. Vielleicht will es auch einfach nur nicht wahrhaben?!

Viel zu tiefe Gefühle sind im Spiel, zu hohe Erwartungen, die nicht erfüllt werden können, zu viele Lügen, auf denen alles aufgebaut ist. Es ist vorhersehbar, dass unser Kartenhaus irgendwann zusammenbricht…

Antalya

Drei Jahre später

All diese Erinnerungen, gute sowie schlechte, kommen hoch, als ich heute, fast drei Jahre später, wieder durch Antalya laufe, dieses Mal alleine. Lange Zeit konnte ich keinen Tag verstreichen lassen ohne an meinen Exfreund und an die gemeinsame Zeit zu denken. Heute sind die Gefühle längst verglüht, denn es ist wahr: Zeit heilt alle Wunden.

Die Liebe ist verpufft, die Wut, der Hass, die Enttäuschung ebenfalls. Hier in Antalya, wo damals alles angefangen hat, spüre ich, dass er mir völlig egal geworden ist, dass ich endlich wieder frei bin. Ein herrliches Gefühl.

Antalya, es ist schön wieder hier zu sein!

Antalya

In Gedanken tief in der Vergangenheit versunken, schlendere ich durch die Basarstraßen des Old Bazar. „Hello beautiful lady, nice handbags, nice watches. Wanna buy?“ Die aufdringlichen Händler nerven mich. Als ich mit meinem türkischen Freund damals hier entlang gelaufen bin, ließen sie uns in Ruhe, denn er war einer von ihnen. Jetzt, wo ich alleine durch die Gassen spaziere, versuchen sie mir gefälschte Handtaschen und anderen unbrauchbaren Ramsch anzudrehen.

Wenn sie mich nicht ständig so blöd anquatschen würden, dann würde ich sogar stehenbleiben, mir die schönen Lederarmbändchen anschauen und vielleicht auch etwas kaufen. Aber so nicht! „No, thank you“, entgegne ich jedes Mal ein wenig genervter.

Durch die Gassen des alten Basars gelange ich zum Yachthafen. Hier saßen wir damals auf einer Mauer, tranken Bier, aßen salziges Popcorn und redeten einen ganzen Abend lang über Gott und die Welt. Wir redeten tatsächlich viel über Gott, beziehungsweise über Allah, denn mein Exfreund ist Muslim. Dass ich an gar keinen Gott glaube, war schon damals ein Problem für ihn.

Antalya

Ich sitze auf der Mauer, genau wie damals, blicke auf den romantischen Yachthafen mit den vielen kleinen und großen Booten, die darauf warten in See zu stechen. Das Meer glitzert in der Sonne. Im Hintergrund das herrliche Bergpanorama, die Ausläufe des Lykischen Taurusgebirges. Ich bin glücklich.

Antalya

Auf dem Felsplateau, 20 Meter über der Bucht, in der sich der Yachthafen befindet, liegt die bezaubernde Altstadt Kaleici, die oft als die Schönste der Türkei bezeichnet wird.

Durch die verwinkelten Sträßchen hindurch, passiere ich restaurierte osmanische Holzhäuser, entdecke schnuckelige Cafés, zugewachsene Innenhöfe und schattige Teegärten, die zum Verweilen einladen. In dem ganz nach meinem Geschmack eingerichteten Çay-Tea’s Lunchroom & Deco Home bestelle ich türkischen Tee und frischen, selbstgemachten Ayran, der auf einem liebevoll hergerichteten Holztablett serviert wird.

Antalya

Antalya

Bunte Regenschirme vor strahlend blauem Himmel

Mein kleiner Altstadtbummel führt mich in die berühmte Regenschirm-Straße von Antalya, in der ich noch nie zuvor gewesen bin. Auf etlichen Bildern habe ich diese Straße schon bewundert und wollte unbedingt selber einmal unter den bunten Schirmen stehen. Jetzt bin ich endlich hier, doch ehrlich gesagt, bin ich etwas enttäuscht, denn ich hatte mir die Straße irgendwie idyllischer vorgestellt. In Wirklichkeit ist sie die touristischste von allen.

Ein 0815-Restaurant mit bunten Plastikstühlen reiht sich neben das andere. Vor jedem der Restaurants steht ein Kellner, der seine Speisekarte in allen möglichen Sprachen anpreist und versucht, mich an einen der vielen freien Tische zu locken. Nein danke, ich möchte nicht.

Nichtsdestotrotz sehen die bunten Regenschirme, die über die Straße gespannt wurden, ziemlich cool aus, besonders vor einem strahlend blauem Himmel wie heute. Die Idee gefällt mir.

Antalya Türkei Regenschirm Straße

In einem ehemaligen türkischen Hamam, welches heute als Souvenirshop dient, kaufe ich ein handgewebtes Hamamtuch und Räucherstäbchen. Hier lassen mich die Verkäufer zum Glück in Ruhe. Sehr sympathisch!

Zum Schluss laufe ich durch die große Haupteinkaufsmeile Antalyas, aber nicht etwa zum Shoppen, sondern um nach den Simitverkäufern Ausschau zu halten, die mit ihren gläsernen Wagen durch die Straßen ziehen und Sesamkringel mit Schmierkäse verkaufen.

Mein Tag in Antalya endet am Atatürk Platz, auf dem ein Denkmal zu Ehren Atatürks, dem Vater der modernen Türkei, errichtet wurde. Vom Platz aus habe ich einen tollen Ausblick auf die Häuser der Altstadt mit ihren roten Ziegeldächern.

Antalya

Es wird bereits dunkel. Der Mond schiebt sich wie ein großer, weißer Ballon neben das Minarett der Yivli Minare Moschee, welches das Stadtbild dominiert. Zum Abschluss sorgen die lauten Rufe des Muezzin, der die Gläubigen in regelmäßigen Abständen zum Gebet ruft, mal wieder für einen Gänsehautmoment.

Gute Nacht Antalya! Du hast mir heute sehr gut getan!

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9 Kommentare
  1. Antworten

    Moni

    2. November 2015

    Hallo :)

    wirklich toll geschrieben, ich könnte deine ‚Geschichten‘ stundenlang lesen – ohne das mir langweilig wird. Durch deine schönen Bilder dazu bekommt man direkt Lust los zu reisen!
    Für mich geht’s im März das erste mal nach Thailand – 5 Tage Bangkok 10 Tage Koh Samui. Ich hoffe die Zeit geht schnell vorbei, damit mein Fernweh erstmal Ruhe gibt. ;)
    Und, Hut ab – einfach ‚auszusteigen‘ und die Welt zu bereisen. Gehört doch schon etwas Mut dazu.
    Im Moment wäre ich noch nicht bereit dafür, aber wer weiß, vielleicht irgendwann mal. ;)

    Also, mach weiter so,
    Liebe Grüße :)

    • Antworten

      julialassner

      3. November 2015

      Danke liebe Moni, ich freue mich sehr über deine Worte!
      Thailand wird dir bestimmt super gefallen.
      Bangkok ist eine unglaublich abwechslungsreiche Stadt.
      Alles Liebe und eine tolle Reise wünsche ich dir!
      Julia

  2. Antworten

    Neni

    3. November 2015

    Ich muss ja sagen, dass ich Antalya liebe. Mir wurde so gut wie gar nichts aufgeschwatzt und alles war ruhig und ausgeglichen.

    Und ich muss sagen, der Beitrag ist super geschrieben. Der Anfang hat mich umgehauen :)

    • Antworten

      julialassner

      3. November 2015

      Ich danke dir für deine lieben Worte :)
      Mich haben die Händler in den Basarstraßen leider ziemlich genervt.
      Aber trotzdem ist Antalya wundervoll!

  3. Antworten

    Türkische-Riviera-Urlaub.de

    4. November 2015

    Hallo Julia,

    ein schöner Beitrag. Es ist einmal nicht einer der typischen Sommermonate und Hauptsaison Artikel aus Antalya.

    Ich mag Antalyas Altstadt für einen kleinen Bummel durch die Gassen auch recht gerne. Besonders die Restaurants und Cafes am Hafen sind am Abend genial.

    Bei mir läuft übrigens gerade eine Blogparade zum Thema „Reisen in die Türkei“. Vielleicht magst du mitmachen.

    Es gibt inzwischen viele Beiträge über die verschiedensten Teile der Türkei. Istanbul, Kappadokien, etc.

    schau mal vorbei!

    http://www.tuerkische-riviera-urlaub.de/reisen-in-die-tuerkei-blogparade-start/

    Liebe Grüße,

    Thomas

  4. Antworten

    Marion

    7. November 2015

    Ja der Bericht geht unter die Haut,Sie haben ein ganz anderes Denken und Fühlen wie wir,wunderschön geschrieben.Danke

    • Antworten

      julialassner

      7. November 2015

      Vielen Dank und alles Liebe,
      Julia

  5. Antworten

    Annie

    16. Dezember 2015

    Liebe Julia,

    toller Artikel. Ich mag deinen Schreibstil so gerne. Du schaffst es wirklich den Leser mit auf deine Reise zunehmen. Ich habe mich gerade so gefühlt, als wäre ich selbst durch die Straßen Antalyas geschlendert.
    Vielen Dank dafür:-*

    Hoffe wir sehen uns bald mal wieder, vielleicht ja in Singapur :-D

    Alles Liebe, Annie

    • Antworten

      julialassner

      17. Dezember 2015

      Danke liebe Annie! Freue mich sehr über dein Kompliment!
      Hoffe auch, dass wir uns sehr bald wiedersehen.
      Bin vom 23.12. bis 26.12. wieder in Singapur.
      Alles Liebe, Julia

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Julia Lassner
Dubai

Hi, ich bin Julia, eine Weltreisende, die ihrem Herzen folgt. 50 Länder habe ich bisher bereist und jedes einzelne hat mich gelehrt, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Auf globusliebe.com zeige ich dir die schönsten Flecken unserer wundervollen Erde. Sei dabei und erlebe den Zauber des Reisens ♡

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