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Australiens Outback – Ein Roadtrip zum Ayers Rock

Von am 15. Mai 2015

Australiens Outback ist eines der spektakulärsten Teile des roten Kontinents. Was mich am meisten am Herzen Australiens, dem Red Center, fasziniert, sind die endlosen Weiten, die Einsamkeit,  die beeindruckenden Naturwunder wie der Ayers Rock (Uluru), die dramatische Landschaft und die einzigartigen Farben. Komm mit, ich zeigs dir! Ich nehme dich mit auf einen Roadtrip durch Australiens Outback.

Australien

Während meines Studiums auf Bali, wird Nyepi gefeiert, der balinesische Tag der Stille. Für die Uni Grund genug, uns eine freie Woche zu schenken. Ferien, die ich bis auf die letzte Sekunde ausnutzen möchte. Gemeinsam mit einem Freund plane ich einen Roadtrip durchs australische Outback, von Darwin zum Ayers Rock und zurück.

Nur mit Handgepäck ausgerüstet und dementsprechend schlecht gar nicht auf unseren Roadtrip vorbereitet fliegen wir von Denpasar nach Darwin. Da stehen wir also wie die letzten Hippies in Flip Flops am Flughafen und sind ziemlich ratlos. Unser einziges Ziel: Ayers Rock! Einen Plan haben wir nicht. Einen Mietwagen ebenfalls nicht, wie sich nach wenigen Minuten herausstellt.

Keiner der Rental Services, weder am Airport noch in der Stadt, will uns ein preislich halbwegs akzeptables Auto mit unbegrenzten Kilometern geben, denn im Northern Territory ist das anscheinend nicht üblich. Als es dunkel wird, haben wir immer noch keinen Mietwagen und somit auch keine Schlafmöglichkeit. Die Geschäfte schließen und wir stehen auf der Straße. Gezwungenermaßen entscheiden wir uns, eine Nacht in Darwin zu bleiben und am nächsten Morgen Richtung Süden aufzubrechen.

Doch auch die Hostelsuche gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn die australischen Preise hauen uns vom Hocker und wir müssen den Kulturschock nach fast 3 Monaten Bali erst einmal verkraften. Selbst Internet kostet 2 Dollar pro halbe Stunde!

Völlig entnervt finden wir ein ranziges Hostel in der Mitchel Street, der Backpacker Straße Darwins. Wir zahlen 30 Dollar pro Person für ein Zimmer, das weitaus dreckiger ist als alle, die ich auf Bali je gesehen habe und trotzdem kostet es das Zehnfache.

Merke: Ein Cappuccino im McDonalds in Darwin kostet genauso viel wie eine Übernachtung in einem Strandbungalow inklusive Pancake Frühstück auf Bali! What the fuck?!

Am nächsten Morgen steht das Glück auf unserer Seite. Wir finden einen Mietwagen ohne begrenzte Kilometer für 760 Dollar. Wir kaufen Wasser und Lebensmittel im Supermarkt und unser Roadtrip kann endlich beginnen. 2.000 Kilometer australisches Outback liegen vor uns!

Stuart Highway

Am ersten Tag fahren wir die weiteste Strecke. Wir merken schnell, dass der komplette Weg bis nach Alice Springs lediglich über den Stuart Highway führt. Er ist die wichtigste Überlandstraße, die Darwin im Norden mit Adelaide im Süden verbindet.

Der erste Teil des Stuart Highways ist ziemlich eintönig. Das Landschaftsbild ändert sich im 500-Kilometer-Takt, mal gibts mehr und mal weniger Termietenhügel und das wars auch schon. Unsere Highlights sind kurze Stops an einsamen Tankstellen und der Fahrtwind, der uns bei sengender Hitze ein wenig Abkühlung ins Auto bläst.

Australien Stuart Highway

Am Straßenrand liegen tote Kängurus, die von Road Trains weggeschleudert werden. Auch wir machen unsere erste Begegnung mit einem dieser Schwertransporter, der mit Vollspeed auf uns zu brettert und uns beinahe von der Straße drängt.

Road Trains versorgen abgelegene Ortschaften im australischen Outback mit allem Nötigen und sind bis zum Anschlag beladen. Sie sind nicht nur breit und schwer, sondern mit ihren bis zu 4 Anhängern auch extrem lang und werden beim Überholen oft unterschätzt.

Australien

Abgesehen von Road Trains, kommen uns kaum Fahrzeuge entgegen. Oft fahren wir mehrere Stunden in völliger Einsamkeit durchs Northern Territory, was auch als „The Never Never“ bezeichnet wird. Es ist das am wenigsten besiedelte Bundesland Australiens.

Nach 1.000 Kilometern trifft uns die erste Dunkelheit ziemlich unvorbereitet. Wir suchen einen geeigneten Platz zum Schlafen, haben aber weder Decken, Kissen noch eine Campingausrüstung dabei. In der ersten Nacht penne ich im Kofferraum und decke mich mit einem Handtuch zu. Schon nach wenigen Stunden friere ich. Ich habe einen Nacken aus Stahl und spüre jede einzelne Rippe. Was tut man nicht alles für ein Abenteuer, nicht wahr?

Devil’s Marbles

Als wir um kurz vor sechs aufwachen, merken wir, in welch einer geilen Umgebung wir geparkt und übernachtet hatten. Um uns herum roter Sand! Wir sind mitten im Red Center. Das ist Australien. Der rote Kontinent! Was wir sehen, entschädigt für die grausame Nacht im Kofferraum.

Vor uns liegen des Teufels Murmeln, die Devil’s Marbles. Die runden Felsbrocken aus rotem Granit wurden über Jahrtausende von Wind, Sand und Regen erodiert und so in ihre heutige Form gebracht. Ziemlich beeindruckend!

Die Aborigines halten sie übrigens für die Eier der Regenbogenschlange aus der Traumzeit. Die Devil’s Marbles sind ein bedeutender und spiritueller Ort für die Ureinwohner Australiens.

Australien

Back to the roots

Unseren Tagesrhythmus passen wir der Sonne an, das Duschen gewöhnen wir uns gezwungenermaßen ab. Während der kompletten Zeit leben wir ohne Strom, Internet, Handyempfang und jeglichen Schnickschnack.  Wir waschen uns auf Raststätten oder im Freien.

Australien Outback

Manchmal genießen wir das große Glück einen Rastplatz mit Gasgrill zu finden. Da wir null Equipment dabei haben, leihen wir ein Feuerzeug bei anderen Reisenden, um unsere Würstchen auf den Grill zu hauen. Zum Wenden benutzen wir den Autoschlüssel. Was Besseres haben wir leider nicht. Später nehmen wir Plastikbesteck aus Tankstellen mit, was das „Kochen“ enorm erleichtert.

Nervenkitzel auf 4 Rädern

Weiter und weiter krachen wir den Stuart Highway entlang. Das Benzin wird teurer und die Landschaft spektakulärer je weiter wir in die rote Wüste kommen. Vom Nervenkitzel verführt, begeben wir uns auf eine 100 Kilometer lange unsealed road (unbefestigte Straße), die nur für Fahrzeuge mit Allradantrieb erlaubt ist.

Unser kleines Autochen zählt definitiv nicht dazu und ja, wir wurden auch ausdrücklich darauf hingewiesen, auf keinen Fall unbefestigte Straßen zu fahren, aber der Reiz des Verbotenen siegt.

Die unsealed Road besteht aus rotem Sand, riesigen Schlaglöchern und Steinen. Bei jedem Schlag fühlt es sich an, als zerbricht das Auto in seine Einzelteile. Wir wirbeln so viel Staub auf, dass wir die Straße kaum noch erkennen können. Die Fenster müssen deshalb geschlossen bleiben, was bei gefühlten 100 Grad im Schatten extrem schwer fällt.

Plötzlich stehen wir vor einer riesigen Wasserlache. Die Straße ist von einer braunen Brühe überschwemmt und wir können weder abschätzen, wie tief das Wasser ist, geschweige denn, ob wir durchfahren können. Aber was sollen wir tun? Umkehren und die fast 100 Kilometer zurück fahren? Jetzt bekomme auch ich so langsam Muffensausen.

Was passiert, wenn wir steckenbleiben? Hier mitten im australischen Outback, wo uns tagelang kein Auto begegnet. Wer würde uns denn hier finden? Würden wir überhaupt überleben in dieser sengenden Hitze? Haben wir überhaupt noch genug Wasser? Tausend Gedanken schießen durch meinen Kopf.

Wir entscheiden uns für die Variante Augen zu und durch und rasen durch die braune Brühe. Heilfroh kommen wir nach wenigen Kilometern endlich zurück auf den Stuart Highway.

Australien_Alice Springs

Who the fuck is Alice?

Als wir uns der Wüstenstadt Alice Springs nähern, wird schnell klar, dass dies kein paradiesischer Ort ist. Mit 24.000 Einwohnern ist Alice Springs die einzige größere Stadt im Zentrum Australiens und mindestens 1.500 Kilometer von allen anderen großen Städten entfernt. Viel zu sehen gibt es hier nicht.

Alice Springs

Kings Canyon

Am nächsten Morgen erreichen wir den spektakulären Kings Canyon, die größte Schlucht Australiens. Um 6 Uhr starten wir den Kings Canyon Rim Walk, einen 6 Kilometer langen Rundweg, der uns nach einem sehr steilen und anstrengenden Anstieg einmal um den Canyonrand herumführt. Nicht nur die riesigen Felswände, sondern auch die Farben sind unglaublich beeindruckend.

Australien
Kings Canyon

Kings Canyon

Als nächstes kreuzen wir Mount Conner, den viele mit dem Uluru verwechseln. Auch ich muss zweimal hinschauen, um mich zu vergewissern, dass wir noch nicht unser großes Ziel, den Ayers Rock, vor Augen haben. Hättest du es gewusst?

Australien Conner

Ayers Rock (Uluru)

Je näher wir dem Herzen Australiens kommen, desto heißer wird es. Bei fast 40 Grad ist es heute besonders unerträglich. Während der Autofahrt fallen mir ständig die Augen zu. Die Hitze laugt mich aus. Ich bin völlig fertig.

Nach insgesamt 2.000 Kilometern kommen wir im Uluru-Kata-Tjuta National Park in Yulara an. Mit schweren Beinen schleichen wir durchs Visitor Center, sind aber zu müde, um uns etwas anzuschauen, geschweige denn durchzulesen. Wir erkundigen uns lediglich nach den Sonnenaufgangs- und –untergangszeiten und schmeißen und auf eine Bank, denn das Visitor Center hat eine Klimaanlage und dementsprechend angenehme Temperaturen.

Am späten Nachmittag erreichen wir endlich unserer langersehntes Ziel, den 550 Millionen Jahre alten Ayers Rock oder Uluru, wie ihn die Einheimischen nennen. Ich kann es kaum glauben. Hier stehe ich nun also mitten in der zentralaustralischen Wüste, im Herzen Australiens und bestaune die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit des roten Kontinents.

Australien_Ayers Rock

An diesem Abend erleben wir einen unglaublich schönen Sonnenuntergang am Ayers Rock, womit für mich ein Traum meiner Bucket List in Erfüllung geht. Die Sonne verschwindet nicht hinter dem Uluru, sondern strahlt ihn an. Es ist unbeschreiblich, denn er leuchtet für circa 50 Sekunden in einem richtig krass übertriebenen Rot.

Australien

Und als wäre der Sonnenuntergang noch nicht genug, bestaunen wir in dieser Wüstennacht den unglaublichsten Sternenhimmel, den ich jemals gesehen habe. Millionen von hellen Sternen und Milchstraßen leuchten an einem glasklaren Himmel. Ich bin völlig verzaubert.

Nur wenige Stunden später führt die Natur dann ihr drittes Schauspiel auf und wir erleben einen wunderschönen Sonnenaufgang am Uluru. Ist das noch zu toppen?

Australien Uluru

Anschließend gehen wir in brütender Hitze den 10,5 Kilometer langen Uluru Walk, einmal um den Ayers Rock herum. Wir passieren Höhlen und Felsmalereien, die auf eine jahrhunderte alte Geschichte schließen lassen.

An einer gekennzeichneten Strecke ist der 348 Meter hohe Uluru sogar begehbar. Die Aborigines sehen das allerdings gar nicht gerne und bringen dies auch mit ‚Don’t climb Uluru‘ Schildern deutlich zum Ausdruck. Für sie ist der Ayers Rock heilig. Wer also den Glauben der Aborigines respektiert, sollte sich zweimal überlegen, ob es unbedingt nötig ist hinaufzuklettern.

Abgesehen davon, ist der Uluru-Aufstieg nicht ganz ungefährlich. In der Vergangenheit gab es bereits schlimme Unfälle mit Schwerverletzten und Toten.

Ayers Rock_Uluru

Was ebenfalls gut zu wissen ist: Das Mitnehmen von Sand und Gestein ist strikt verboten und kann mit saftigen Strafen enden. Nach dem Glauben der Aboriginis muss nämlich alles dort enden, wo es begonnen hat. Wenn Naturalien vom Uluru entfernt werden, können die Geister keine Ruhe finden, sagen sie.

Briefe im Cultural Centre zeugen von Menschen aus aller Welt, die ihre unerlaubt mitgenommenen Steine aus Reue wieder zurückgesendet haben. Einige berichten, dass ihr Mitbringel ihnen Unglück gebracht habe.

Olgas / Kata Tjuta

Nur knapp 30 Kilometer vom Ayers Rock entfernt, liegen die Kata Tjuta, die auch unter dem Namen Olgas bekannt sind. Sie bestehen aus 36 kuppelförmigen, roten Felsen und sind ebenfalls sehr sehenswert!

Australien Olgas

Kata Tjuta

Natürlich endet unsere abenteuerliche Reise durchs australische Outback hier noch nicht, denn schließlich haben wir noch einen langen Rückweg vor uns und wollen den Nitmiluk-, Kakadu- und Litchfield-Nationalpark im Norden besuchen. Da dies meinen Post sprengen würde, musst du dich noch ein wenig gedulden.

Du planst einen Roadtrip durchs australische Outback? Hier sind meine Tipps:

  • Zu allererst soll gesagt sein: Wenn du nur zum Ayers Rock willst, flieg nicht mit dem Flugzeug hin, sondern miete dir ein Auto und fahre durchs Outback! Es lohnt sich, denn meiner Meinung nach, ist es ein großartiges Gefühl, das große Ganze zu sehen und nicht „nur“ nach Alice Springs zu fliegen, eine Sehenswürdigkeit abzuhaken und weiterzureisen.
  • Miete dein Auto vorher und zwar hier. Es macht Sinn sich ein Allradfahrzeug zu holen, da viele Sehenswürdigkeiten nur über Schotterpisten erreichbar sind, bei denen normale Autos keinen Versicherungsschutz haben.
  • Offiziell ist wild camping in Australien verboten und wird mit saftigen Bußgeldern bestraft. Ich spreche aus Erfahrung. Im Northern Territory ist das allerdings nicht der Fall. Hier ist die Gegend so einsam und verlassen, dass kein Ranger vorbei kommt und man ruhigen Gewissens im Auto schlafen kann. Zumindest in der Nebensaison.
  • Bevor du einen Roadtrip durchs Outback planst, solltest du dir die Klimazonen anschauen. In der Regenzeit (November bis März) kommt es nämlich oft zu monsunartigen Regenfällen. Wir waren in der Regenzeit dort und sind an der heißen, schwülen Luft fast zugrunde gegangen.
  • Australien ist ein teures Land. Besonders wenn du gerade aus Asien kommst, solltest du dich auf einen kleinen Kulturschock vorbereiten. 2 Kugeln Eis kosten hier mal locker 4.50 Dollar. Am späten Abend gibt es ordentliche Rabatte in den großen Supermärkten. Alle Lebensmittel, die sich nicht halten, werden reduziert. Beste Zeit also um Einzukaufen!
  • Trinkwasser sollte man im Outback natürlich immer ausreichend dabei haben. An fast allen Rastplätzen und Sehenswürdigkeiten kann man seine eigenen Wasserflaschen an sogenannten drinking water stations kostenlos auffüllen.
  • Auf Australien-info.de sowie auf AustraliasOutback.de gibts jede Menge gute Tipps, Routenvorschläge und hilfreiche Infos zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten.
  • Und zum Schluss noch ein paar sehr gute Bücher, die ich dir gerne empfehlen möchte:

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6 Kommentare
  1. Antworten

    Marie-Louise Renard

    20. Mai 2015

    Ich bin seit 35 Jahren Australier. Wir sehen immer wieder wie bloede Deutsche Touristen sind. Heiss oder nicht, es wuerde uns nicht in Traum einfallen ohne dicke Schuhe und Socken, aber schon garnicht in thongs oder barfuss, irgendwo in bush rumzulaufen. Ich mache das noch nicht einmal in meinem Garten. Das Schluesselwort ist hier: SCHLANGEN !
    Und wie oft habe ich bloede Deutsche in water holes schwimmen sehen, 2m neben dem Schild CROCODILES.
    Bloedheit muss bestraft werden.

    • Antworten

      julialassner

      20. Mai 2015

      Hallo Marie-Louise,
      da gebe ich dir zu 100% recht! Wer sowas macht ist wirklich selber Schuld!
      Ich würde nicht barfuß im Busch rumlaufen und auch nicht in Water holes
      springen. Irgendwo hört das Abenteuer auch auf und man muss sein Gehirn
      einschalten!
      Liebe Grüße,
      Julia

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Julia Lassner
Dubai

Hi, ich bin Julia, eine Weltreisende, die ihrem Herzen folgt. 50 Länder habe ich bisher bereist und jedes einzelne hat mich gelehrt, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Auf globusliebe.com zeige ich dir die schönsten Flecken unserer wundervollen Erde. Sei dabei und erlebe den Zauber des Reisens ♡

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