Brüssel
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Ein Wochenende in Brüssel

Von am 26. Februar 2016

Brüssel, Hauptstadt für mehr als 500 Millionen Europäer und die Stadt, die in europäischen Nachrichten vermutlich am häufigsten erwähnt wird, war für mich immer nur ein langweiliges Verwaltungszentrum, der Ort, an dem der EU-Gipfel, das Nato-Treffen sowie viele andere wichtige Dinge stattfinden, von denen ich wenig Ahnung habe. Ehrlich gesagt habe ich mich nie wirklich mit Brüssel beschäftigt. Das soll sich auf einem Kurztrip ändern.

Brüssel

Aus der Ferne erblicke ich die kunstvoll gestaltete Spitze des Rathausturmes zwischen den Dächern der Innenstadt hervorlugen. Ihre goldene Figur, die den Erzengel Michael darstellen soll, funkelt vor einem babyblauen Himmel in der Sonne. Das nenne ich mal ein Begrüßungsbild.

Salut Bruxelles, ma belle!

Das erste Ziel meiner ausgiebigen Entdeckungstour ist der Grand Place oder Grote Markt, wie der große, rechteckige Platz mitten im historischen Herzen von Brüssel, auf holländisch genannt wird.

Auf dem Grand Place wimmelt es von Menschen und Pferdekutschen. Obwohl es ein kalter Februartag ist, schlecken die Touristen Eis, flanieren mit riesigen Einkaufstüten über den Platz und schießen Fotos vor den prächtigen, barocken Häusern, deren Fassaden mit fantasievollen Giebeln, Figuren und ganz viel Gold aufwendig verziert wurden.

Schon alleine die Sonnenstrahlen sorgen für Frühlingsgefühle!

Brüssel Grand Place

Grand Place Brüssel

Brüssel Grand Place

Gemütlich spaziere ich durch die kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt, vorbei an hübsch dekorierten Schaufenstern belgischer Chocolatiers, an einladenden Cafés, romantischen Plätzen und prächtigen Kirchen wie der Cathédrale des Saint Michel et Gudule.

Der süße Duft von frischem Waffelteig und warmer Schokolade liegt in der Luft. Wie soll man da bitteschön widerstehen? Richtig. Gar nicht! Folglich lande ich in einer der zahlreichen Waffelbuden, in denen belgische Waffeln aus weichem, gezuckerten Eierteig verkauft werden. 

Pur gibt es die Spezialität schon für einen Euro. In der Deluxe-Variante sind sie auch mit Erdbeeren und Bananen, Sirup, Erdnussbutter, Nutella, einer Tonne Schlagsahne oder eben ganz typisch mit belgischer Schokolade zu haben.

Brüssel

Brüssel Schokolade

Belgische Waffeln

Belgische Waffel

Brüssel gefällt mir schon nach wenigen Stunden. Aber das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, denn wie soll man eine Stadt nicht mögen, in der Pralinen und Schokolade zur Lebenskultur gehören?

Die warmherzigen Menschen, die angenehme Größe der Stadt (für eine Hauptstadt recht klein) sowie die perfekte Mischung aus Frankreich und Holland liefern die restlichen Überzeugungsargumente. Brüssel verkörpert für mich französischen Großstadtflair gepaart mit einer guten Priese niederländischem Provinzcharme. Einfach herrlich!

Diese Synthese macht sich auch in der Sprache bemerkbar, denn Brüssel ist nicht nur multikulturell, sondern sogar ganz offiziell eine zweisprachige Stadt. Die Einheimischen sprechen niederländisch und/oder französisch. Daher ist jeder Straßenname, jedes Hinweisschild und jede Aufschrift in beiden Sprachen zu lesen. Die Rue de la Montagne heißt eben auch Bergstraat. So einfach ist das!

Brüssel

Zugegeben, dauert es nicht lange bis ich mich im Gewirr der kleinen, verwinkelten Gassen verlaufen habe. Es gibt einfach so viel zu sehen! Dass ich mit dem Orientierungssinn eines Gartenschlauches ausgestattet bin, hat damit nichts zu tun. Okay, vielleicht ein bisschen. Aber mal ehrlich, ständig geht es bergauf und bergab. Wie soll man da den Überblick behalten?

Ich stecke den Stadtplan in die Tasche und lasse mich treiben. Keinen Plan zu haben ist sowieso die beste Strategie, um eine fremde Stadt kennenzulernen.

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Manneken Pis

Mehr oder weniger zufällig stehe ich plötzlich in der Gasse des ach so berühmten Manneken Pis. Aus irgendeinem Grund steht diese Sehenswürdigkeit auf der Musst-See-Liste eines jeden Brüssel Besuchers. So auch auf meiner.

Mein Eindruck? Ganz schön unspektakulär!

Unzählige Menschen drängen sich mit ihren Fotoapparaten vor das Gitter, hinter dem die winzige Brunnenfigur zu sehen ist. Locker flockig richtet der nackte, kleine Mann seinen Strahl in das Bronzebecken.

Manneken Pis? Abgehakt.

Manneken Pis

Galéries Royales St Hubert

Luxushandtaschen, Rolex Uhren, Edelparfüms, schicke Herrenanzüge und teure Lackschuhe. All das bekommt man in der glasüberdachten Einkaufspassage Galéries Royales St Hubert, die vor mehr als 150 Jahren eine der größten überdachten Shoppingmeilen in ganz Europa war.

Mit großen Augen schlendere ich an den Schaufenstern vorbei und kann, abgesehen von denen mit belgischer Schokolade leider so gar nichts anfangen mit all den Luxusgegenständen, die kein Mensch braucht.

Brüssel

Brüssel

Mein Highlight in der Einkaufspassage ist die Buchhandlung Tropismes, in der ich all die schönen, französischen Bücher schon alleine ihrer melodisch klingenden Titel wegen kaufen möchte.

Ich verliere mich in den Bücherregalen, beobachte die Menschen und küre die Buchhandlung zu dem perfekten Ort, um meinen Traummann kennenzulernen. Vielleicht ist er ja Franzose? Oder ein französisch-sprechender Belgier? Oh, wie fantastisch wäre das!

Obwohl, unterhalten könnten wir uns dann nicht, denn ich hätte keinen blassen Schimmer wovon er sprechen würde. Hätte ich im Französischunterricht doch mal besser aufgepasst. Mist!

Bevor ich in meiner Traumwelt ganz und gar davon trifte, kaufe ich schöne Postkarten und beschließe eine französische Sprachschule zu besuchen. Irgendwann mal…

Brüssel

Brüssel

Kulturelles Erbe aus der Papiertüte

Wusstest du, dass Pommes, obwohl sie laut englischer Bezeichnung French Fries genannt werden, keinesfalls aus Frankreich und auch nicht, wie vielleicht anzunehmen, aus Amerika stammen? Es waren die Belgier, die als Erste auf die Idee kamen, Kartoffelstäbchen ins heiße Fett zu werfen.

Daraus entwickelte sich eine wahre Kunst, denn Fritten gehören neben Pralinen und Bier zum kulturellen Erbe Belgiens. Entscheidend für den Geschmack ist anscheinend der Garvorgang. In Belgien baden die Pommes nämlich nicht einmal, sondern zweimal im Fettbad.

Nachdem ich die hundertste Baraque á frites passiert habe (so heißen die kleinen Frittenbuden, die an jeder Straßenecke zu finden sind), gebe auch ich mich geschlagen und bestelle eine Portion. Typisch belgisch werden sie in einer Papiertüte to go serviert.

Eine Plastikschale wäre hierzulande eine Todsünde, wie ich mir sagen lasse, denn diese würde die Fritten weder warmhalten noch das überschüssige Fett aufsaugen. In Belgien soll es sogar eine Vereinigung zur Verteidigung der Papiertüten geben.

Brüssel Pommes

Brüssel – Heimat von Tim und Struppi

Nicht nur Fritten werden in Brüssel gehypted, sondern auch Lucky Luke, Tim und Struppi, die Schlümpfe und Marsupilami. Sie alle sind Geschöpfe belgischer Comiczeichner und zieren die Hauswände der Innenstadt, besonders gut zu sehen in der Rue Marché au Charbon. Nicht umsonst wird Brüssel auch die Comic Hauptstadt genannt.

Viele kahle Hausfassaden sind mit den bunten Bildergeschichten geschmückt, rund 50 Stück sollen es sein. Für alle, die sich intensiver mit den Wandzeichnungen beschäftigen möchten, gibt es einen Comic Rundgang, dessen Route man in den Touristenbüros erhält, sowie ein Comic Museum in der Rue des Sables.

Brüssel Comic

Brüssel Comic

Comics sind in Belgien übrigens eine äußerst ernstzunehmende Kunstform und das hat einen einfachen Grund: In Belgien gibt es nämlich drei offizielle Landessprachen: Französisch, Niederländisch und Deutsch. Kommunizieren mit Bildern ist also um einiges einfacher.

In einer Broschüre über die Comic-Kunst in Brüssel erfahre ich, dass über 400 Comic-Zeichner für belgische Verlage arbeiten, die jährlich 30 Millionen Hefte veröffentlichen. Wahnsinn oder?

Brüssel Comic

Mont des Arts, der Kunstberg

Etwas oberhalb der Stadt liegt der Mont des Arts, der Kunstberg. Durch den gepflegten Garten hindurch, und über eine Treppen geht es nach oben.  Von hier genieße ich einen perfekten Ausblick auf Brüssel. Der Rathausturm mal wieder im Mittelpunkt.

Brüssel Kunstberg

Brüssel Kunstberg

Brüssel

Nach einem aufregenden ersten Tag in Brüssel, spaziere ich über die Brücke am Palais de Justice zu meiner Unterkunft. Während die Abendsonne die Stadt in ein zauberhaftes Licht taucht, laufe ich die Chaussee de Charleroi entlang. Wie romantisch schon alleine der Straßenname klingt.

Und nicht nur das. Ich passiere etliche romantische Häuser im Jugendstil, denn das ibis Styles Brussels Centre Stéphanie, in dem Accor Hotels mich für diesen Kurztrip untergebracht hat, befindet sich im angesagten Saint-Gilles Viertel, das schon alleine seiner hübschen Fassaden wegen sehenswert ist.

Das Hotel selber überzeugt durch seine ruhige Lage und die dennoch kurze Distanz zum Zentrum, durch die modern eingerichteten Zimmer sowie das warmherzige Personal, das auf wirklich jede meiner Fragen rund um Brüssel eine passende Antwort parat hat.

Brüssel

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Brüssel im Dornröschenschlaf

Der nächste Morgen beginnt extrem früh. Als ich die Vorhänge meines Hotelzimmers euphorisch und voller Vorfreude auf einen weiteren Tag in Brüssel aufreiße, werde ich von der tristen Realität zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Ein grauer, wolkenverhangener Himmel und Nieselregen sprechen nicht gerade dafür mein kuscheliges Bett zu verlassen.

Ich lasse mir meine gute Laune trotzdem nicht vermiesen, packe mich dick ein und stürze mich ins Stadtleben, schließlich habe ich heute viel vor. Von Leben kann allerdings noch keine Rede sein, denn während ich im Morgengrauen durch die verlassen Straßen laufe, scheint Brüssel noch im Dornröschenschlaf zu liegen.

Vom Palais de Justice habe ich einen tollen Ausblick auf die in mystischen Nebel gehüllte Stadt. Ich halte einen Moment inne und atme die kühle Morgenluft tief ein. Schon alleine für diesen Moment hat es sich gelohnt aufzustehen!

Mit dem Aufzug fahre ich vom Justizpalast hinunter zum Viertel Les Marolles. Dass ich so früh auf den Beinen bin, hat nämlich neben meiner To-Do-Liste noch einen weiteren Grund: Der Flohmarkt am Place du Jeu de Balle.

Brüssel

Der Marollen-Flohmarkt – Mein Herz schlägt höher

Seit über 130 Jahren findet im Arbeiterviertel Les Marolles jeden Tag ein Flohmarkt statt, der angeblich sogar an Weihnachten, Silvester und Neujahr geöffnet haben soll. Abgesehen von den Händlern und mir ist jedoch kaum ein Mensch auf den Beinen.

Uralte Spiegel, goldene Bilderrahmen, buntes Oma-Teegeschirr, mit Blümchenmuster verzierte Vasen, Schallplatten, Bücher, Schwaz-Weiß-Fotos, eine nostalgische Schreibmaschine und ein sepia-farbener Retro Globus lassen mein Herz höher schlagen.

Der Flohmarkt ist ein Paradies für Trödelliebhaber wie mich. Am liebsten möchte ich einen ganzen Hausstand kaufen. Leider bin ich nur mit Handgepäck unterwegs. So eine Scheiße!

Trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen ein, zwei, okay vier Dinge zu kaufen. Eine alte Teekanne und drei hübsche Teller landen, behutsam in Zeitungspapier eingewickelt, in meinem Rucksack.

Brüssel Marollen

Brüssel Marollen

Peck 47 – Das vielleicht beste Frühstück in Brüssel

Glücklich schlendere ich mit meiner Beute Richtung Grand Place. Nicht weit davon entfernt, in der Rue Marché aux Poulets, habe ich am Tag zuvor das stylische Café Peck 47 entdeckt, in dem ich heute frühstücken möchte. Mein Magen knurrt bereits.

Was hier auf den Tisch kommt, sieht nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch so. Meine Frühstücks-Empfehlung: Knusprig getoastetes Brot mit frischen Pilzen und grünem Pesto, dazu Café au Lait und ein hellgrüner Kale-Coconut-Vanilla-Smoothie.

Auf meinem Brotbrettchen steht außerdem ein Glas mit köstlicher, warmer Kürbissuppe, zumindest meine ich das rauszuschmecken. Da es keinen Löffel dazu gibt, tunke ich das Brot hinein. Ich denke, das macht man hier so :)

Brüssel Peck47

Peck47 Brüssel

Palais Royal – Der Palast in Grau

Frisch gestärkt, die Kapuze meiner Jacke bis tief ins Gesicht gezogen, mache ich mich auf den Weg zum Palais Royal, dem Königlichen Palast oder auf holländisch auch liebevoll Koniklijk Paleis genannt. Im Sommer, wenn die vielen Blumen und Bäume in dem riesigen Park vor dem Palast blühen, ist dies bestimmt ein schöner Ort für ein Picknick mit den Liebsten oder ein gutes Buch im Schatten.

Im Februar wirken die kahlen Äste vor dem betongrauen Himmel etwas trostlos und auch der mächtige Palast-Klotz erscheint bei Nieselregen wenig reizvoll. Ich muss wohl im Sommer noch einmal nach Brüssel kommen, zumal der Palast während der Sommermonate, wenn die königliche Familie im Urlaub ist, sogar kostenlos von innen besichtigt werden kann.

Grand Sablon – Ich muss wiederkommen!

Was nicht nur meine Laune augenblicklich aufbessert, sondern auch mein Hippieherz hüpfen lässt, ist der Antiquitätenmarkt am Grand Sablon. Zwischen altem Silberbesteck, Kronleuchtern, Tischwäsche, Schmuck und allerhand Kunst und Trödel entdecke ich einen super geilen Ledersessel, den ich sofort mit nach Hause nehmen möchte.

Da ich davon ausgehe, dass die Flughafen-Mitarbeiter beim Check-in nicht annähernd so begeistert von dem Schmuckstück wären, wie ich es bin, lasse ich es bleiben und nehme mir feste vor, beim nächsten Mal mit einem übergroßen Lastwagen nach Brüssel zu kommen.

Brüssel Antiquitäten

Notre Dame du Sablon

Das wahre Schmuckstück des Grand Sablon ist allerdings nicht der Antiquitätenmarkt, der an jedem Wochenende stattfindet, sondern die unübersehbare gotische Kirche Notre Dame du Sablon.

Obwohl sich bei mir, jedes Mal wenn ich eine christliche Kirche betrete, ein schwer beschreibbares, beklemmendes Gefühl einstellt, bin ich total begeistert von den hohen Fenstern, den Säulen und der Orgel. Ein kurzer Innenbesuch lohnt sich.

Brüssel Notre Dame

Brüssel Notre Dame

Brüssel Notre Dame

Hallo Merkel, ich stehe vor dem Europa Parlament!

Wenn ich schon mal in der Hauptstadt Europas bin, dann darf ein Besuch des Europäischen Parlaments natürlich nicht fehlen. Auf zum Europaviertel!

Viel Beton und noch mehr Glas, in dem sich der dunkle Wolkenhimmel spiegelt. Ganz schön gewaltig dieser hochmoderne Gebäudekomplex, in dem unsere EU-Gesetze verabschiedet werden. Bisher kannte ich das Parlament, vor dem die Fahnen der 28 Mitgliedsstaaten wehen, nur aus den Nachrichten.

Irgendwie ein verrücktes Gefühl, hier zu stehen, wo doch gestern der EU-Gipfel stattfand, bei dem die Staats- und Regierungschefs wie wild über die Flüchtlingskrise sowie über den eventuellen Austritt Großbritanniens aus der EU diskutierten. Hallo Miss Merkel, schauen Sie doch mal aus dem Fenster! Ich stehe hier unten und winke.

Brüssel Europa Parlament

Brüssel Europa Parlament

Brüssel Europa Parlament

Maison Antoine – Die besten Fritten in Brüssel

Hinter dem Europäischen Parlament liegt der Leopoldpark, in dem junge Mütter ihre Kinderwagen spazieren fahren. Viel los ist bei dem Schmierwetter allerdings nicht. An einem kleinen See vorbei, gelange ich zum Place Jourdan.

Bereits von weitem kriecht mir der Geruch von Fritteusenfett in die Nase. Kein Wunder, denn bei der Pommesbude Maison Antoine wird frittiert, was das Zeug hält. Hier soll es die besten Pommes in ganz Brüssel, wenn nicht sogar in ganz Europa geben. Die New York Times krönte Maison Antoine sogar zur besten Friterie der Welt.

Und hat nicht Angela Merkel erst gestern während des EU-Gipfels (in der Verhandlungspause versteht sich) hier eine Portion Pommes bestellt? Das Selfie mit dem Verkäufer ging per Twitter um die ganze Welt.

Maison Antoine Brüssel

Als ich die Bude erreiche, haben sich bereits drei lange Menschenschlangen vor den Ausgabe-Fenstern gebildet. Sie alle wollen nur das eine: Pommes! Ich stelle mich brav hinten an und warte etwa 40 Minuten (!!!) darauf, meine Bestellung aufgeben zu dürfen. 

Der Verkäufer, der das Merkel Selfie geschossen hat, ist leider nicht anwesend, aber dafür eine nette, blonde Dame, die meine heißen Fritten gekonnt in dickes Papier einwickelt, ordentlich Salz drüber streut und mir die Tüte überreicht.

Unter den gefühlt 30 verschiedenen Saucen, zwischen denen ich wählen kann, entscheide ich mich für die typisch belgische Andalouse Sauce aus Tomate und leicht scharfer Paprika. Bei Maison Antoine gibt es die Saucen übrigens á part, also in einem kleinen Extraschälchen anstatt obendrauf.

Und wie schmecken die besten Fritten der Welt nun? Megaaaaaaa! :)

Maison Antoine

Obwohl ich völlig durchgefroren und nass bin, setze ich meine Erkundungstour fort. Mein nächstes Ziel ist der prachtvolle Triumphbogen im Parc du Cinquantenaire, dem Jubelpark. Dort angekommen, habe ich bereits 12 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Dementsprechend schmerzen meine Füße.

Der Jubelpark ist schön. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Menschen bei sommerlichen Temperaturen gerne hierher kommen, um im grünen Gras zu liegen. Heute ist allerdings alles etwas grau.

Brüssel Triumphbogen

Brüssel Jubelpark

Mittlerweile ist es später Nachmittag. Das Atomium, das Wahrzeichen von Brüssel, wäre der letzte Sightseeing Punkt auf meiner Liste gewesen. In Anbetracht des Schmuddelwetters und der Tatsache, dass ich ja als Kind schon mal mit meinen Eltern im Atomium war, beschließe ich, diesen Punkt zu streichen und auf meinen nächsten Brüsselbesuch zu vertagen.

Die Sicht auf die Stadt wäre ohnehin scheiße gewesen, vertröste ich mich und fahre mit der Metro von der Schuman Station zurück zu meinem Hotel, wo mein kuscheliges, warmes Bett bereits auf mich wartet.

Brüssel Hotel

Viel Zeit zum gemütlichen Chillen in Wollsocken bleibt mir allerdings nicht, denn ein typisch belgisches Abendessen im Le Chou de Bruxelles steht noch auf dem Programm.

Gerne würde ich dir jetzt etwas über Moules-frites (frische Miesmuscheln im Weinsud), Caricoles (Seeschnecken im Häuschen) oder über Croquettes de crevettes (Krabbenkroketten) erzählen, die in Belgien zu den Gourmet-Spezialitäten zählen und mir jeder rät unbedingt zu probieren.

Aber da ich kein Seafood esse, kann ich über dieses Thema keine großen Reden schwingen. Stattdessen kann ich bestätigen, dass belgische Käsekroketten eine gute Alternative sind.

Während alle anderen Gäste ein übergroßes Lätzchen um den Hals tragen, um sich nicht mit dem Sud ihrer Muscheln vollzukleckern, bestelle ich zur völligen Verwunderung des Kellners, eine Portion Spaghetti mit übertrieben viel Knoblauch, frischen Tomaten und Parmesan. Nicht typisch belgisch, aber sehr lecker!

Vollgefressen, hundemüde und glücklich falle ich nach diesem langen Tag ins Bett. Ach Brüssel, du bist so eine tolle Stadt! Ich würde meinen Kurztrip glatt noch um eine Woche verlängern.

Leider geht es schon Morgen Früh zurück nach Berlin, mit einem Rucksack, vollgestopft mit altem Blümchen-Porzellan und mindestens drei Kilo mehr auf den Hüften.

Au revoir Brüssel, mon amour, ich werde wiederkommen!


Vielen Dank an Accor Hotels für die Einladung nach Brüssel. 

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14 Kommentare
  1. Antworten

    Ariane

    28. Februar 2016

    Danke für die vielen tollen Tipps – besonders diese Buchhandlung sieht ja traumhaft aus! Brüssel steht schon ganz lang auf meiner Liste, oder vielmehr „belgische Pommes essen in Brüssel“ ;) Ich kannte ja mal einen Belgier, der mir ganz viel über diese Tradition erzählt hat. Zum Beispiel, dass man die Pommes gerne mit Senf isst – aus dem Grund, weil Senf früher, anders als Mayo oder Ketchup, nichts extra kostete. Auch, wenn das heute nicht mehr so ist, bestellen viele ältere Leute Pommes immer mit Senf, aus Gewohnheit sozusagen :)

    • Antworten

      Julia

      28. Februar 2016

      Hallo Ariane,
      Brüssel ist wirklich eine wunderbare Stadt! Solltest du unbedingt besuchen.
      Wenn ich das nächste Mal dort bin, dann halte ich Ausschau nach Pommes mit Senf :) Ansonsten ist die typische Andalouse Sauce auch sehr zu empfehlen.
      Viele Grüße,
      Julia

  2. Antworten

    Kathi

    28. Februar 2016

    Hallo liebe Julia,
    was für schöne Fotos! Ich war vor Jaaaahren mal in Brüssel (wenn ich so drüber nachdenke, ist das bald 10 unfassbar lange Jahre her). Jedenfalls hat mich die Stadt damals ehrlich gesagt nicht sooooo begeistert. Aber wenn ich mir deine Fotos ansehe und deinen Bericht lese, dann würde es mich tatsächlich wieder einmal interessieren. Wär ja vielleicht ein hübsches Ziel für den Frühling :-)
    Alles Liebe,
    Kathi

    • Antworten

      Julia

      28. Februar 2016

      Hallo Kathi,
      Brüssel ist wirklich eine zuckersüße und sehr sehenswerte Stadt. Ich wäre gerne noch länger geblieben, um all die schönen Ecken zu entdecken, die es noch gibt. Im Frühling, wenn man endlich wieder draußen sitzen und in der Sonne Kaffee trinken kann, ist es bestimmt noch besser. Perfekt also für einen Kurztrip im Frühling :)
      Alles Liebe,
      Julia

  3. Antworten

    Melli

    28. Februar 2016

    nach deinem Artikel ist mir jetzt klar, dass ich Brüssel vollkommen unterschätzt habe, bisher dachte ich immer es wäre eher lanweilig und außer dem Atomium und dem Europaparlament gäbe es nicht viel zu sehen, jetzt steht Brüssel auf jeden Fall auf der Liste für mögliche Städtetripps, am Besten wenn Flohmarkt ist, sowas liebe ich nämlich auch total
    lg

    • Antworten

      Julia

      28. Februar 2016

      Hallo Melli,
      mir ging es genauso. Ich dachte immer Brüssel wäre nur
      so eine Verwaltungsstadt. Dabei gibt es so unendlich viele
      schöne Ecken zu entdecken!
      Alles Liebe,
      Julia

  4. Antworten

    Marion

    28. Februar 2016

    Liebe Julia,
    was für ein wunderschöner Bericht über Brüssel – ich muss da unbedingt bald mal für ein paar Tage hin!
    Bisher war ich immer nur im benachbarten Leuven, verbunden mit einem Festivalbesuch von Rock Werchter :-) Leuven ist auch super schön, kann ich also nur empfehlen. Und dieses Jahr werde ich noch ein paar Tage an der belgischen Küste einbauen.
    Liebe Grüße,
    Marion

    • Antworten

      Julia

      29. Februar 2016

      Hi Marion,
      Brüssel ist wirklich eine Reise wert. Ich hätte sogar
      gerne noch ein paar Tage mehr in der Stadt gehabt, um
      das Atomium und noch ein paar andere Stadtteile zu
      besuchen, die ich nicht mehr geschafft habe.
      Naja, beim nächsten Mal…
      Viele Grüße, Julia

  5. Antworten

    Michael

    11. März 2016

    Selten einen so schönen Reisebericht gelesen. Vielen Dank dafür. Das macht unglaublich Lust auf diese Stadt, die auch wir heute besuchen werden. Ich freu mich jetzt noch mehr darauf!!

    Lg Michael

    • Antworten

      Julia

      13. März 2016

      Hallo Michael,
      ich danke dir für dein Kompliment und wünsche dir eine tolle Zeit in Brüssel. Vergiss nicht die Waffeln und belgische Pommes zu probieren. Und belgische Schokolade natürlich auch :)
      Alles Liebe,
      Julia

  6. Antworten

    Mats

    4. März 2017

    Hey,
    ich bin gerade in Brüssel und dein Bericht hat mir sehr geholfen mich noch besser zurecht zu finden! Brüssel ist wirklich schön nur leider habe auch ich nicht das beste Wetter, was aber nichts macht. „Es gibt nur falsche Kleidung, kein falsches Wetter“ hat mein Lehrer früher immer gesagt.

    Toll geschriebener Bericht, ich werde mir mal die anderen Werke angucken.

    Grüße,
    Mats

    • Antworten

      Julia

      4. März 2017

      Hallo Mats,
      vielen lieben Dank für dein Feedback! Ich freue mich sehr, dass dir mein
      kleiner Guide weiterhelfen konnte. Hoffe du hast die belgischen Waffeln
      bei deiner Erkundungstour nicht ausgelassen?! :)
      Wünsche dir weiterhin ganz viel Spaß!
      Alles Liebe, Julia

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Julia Lassner
Deutschland

Hi, ich bin Julia, eine Weltreisende, die ihrem Herzen folgt. 50 Länder habe ich bisher bereist und jedes einzelne hat mich gelehrt, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Auf globusliebe.com zeige ich dir die schönsten Flecken unserer wundervollen Erde. Sei dabei und erlebe den Zauber des Reisens ♡

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