Refugio Alpe San Romerio Schweiz Brusio
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Alpe San Romerio: Magischer Kraftort für Sinn- und Ruhesuchende

Von am 6. August 2017

Die Alpe San Romerio ist ein kleines Paradies auf Erden, dessen Einfachheit, Ursprünglichkeit und Magie mich auf meiner letzten Reise durch die Schweiz so sehr gepackt hat, dass ich dir mehr von diesem wunderschönen Ort erzählen und meine Geschichte mit dir teilen möchte.

Über eine der spektakulärsten Serpentinenstraßen, die ich jemals gefahren bin, geht es im Postauto von Bruiso steil nach oben in die Berge. Unter uns liegt das Tal Valposchiavo in einer grauen, nebelverhangenen Suppe. Unaufhörlich prasselt der Regen auf die Frontscheibe und verschleiert die Sicht.

Nur langsam kommt das Auto auf dem schmalen Asphaltstreifen voran, der sich in zahlreichen Kurven durch die Landschaft windet. Immer wieder müssen wir anhalten und ein Stück zurücksetzen, um die nächste Serpentine zu meistern. Spätestens als uns ein entgegenkommender Bus zur Seite drängt und sich unsere Reifen dem Abhang nähern, hält sich eine Mitfahrerin die Augen zu.

Die letzten 30 Minuten zur Hütte legen wir zu Fuß zurück. Von dem matschigen, steilen Trampelpfad, erblicken wir bereits das charismatische Kirchlein San Romerio, das auf einer hervorstehenden Felswand über dem Tal thront.

Buongiorno Einfachheit!

Völlig durchnässt erreichen wir die Alpe, ein Areal, das aus zwei Steinhäusern sowie dem Kirchlein San Romerio besteht. Auf den Fensterbänken reift hausgemachter Grappa in Glasflaschen, bunte Sonnenschirme stehen zusammengeklappt im Regen und die Tafel, auf der „selbstgebackener Apfel-Rhabarber Kuchen“ in Kreide geschrieben steht, lässt uns das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Unsere durchgeweichte Kleidung legen wir ab, bevor wir in die muckelige Hütte schlüpfen und uns an heißer Schokolade wärmen. Fortdauernd trommeln dicke Regentropfen auf die Biertische, die vor dem Haus stehen. Schweigend beobachte ich, wie das Wasser die Fensterscheibe entlang rinnt und die Wiese in eine riesige Pfütze verwandelt. Das Bild vor meinen Augen wird trüb und verschwommen. Es lässt mich schläfrig werden. Ab und an schließe ich erschöpft die Augen und drifte in eine andere Welt ab.

Alpe San Romerio Schweiz

In sehr kurzen Momenten reißt der Himmel auf und eine spektakuläre Berglandschaft kommen zum Vorschein, doch ehe wir die Wanderschuhe geschnürt und nach draußen gelaufen sind, hat sich die Wolkendecke bereits wieder zugezogen. Auch die kleine Kirche San Romerio, die majestätisch am Abgrund steht, wird von dichtem Nebel umhüllt und zeigt sich nur selten.

Sie wurde bereits im Jahre 1055 als Pilgerstätte genutzt. Die Abgeschiedenheit, die Ruhe sowie drei geomantische Kraftlinien, die die Kirche kreuzen, machen den Ort zu einem Kraftort, dessen magische Energie diejenigen zu spüren bekommen, die sich darauf einlassen. Vor allem Sinn- und Ruhesuchende finden in San Romerio Zeit zum Abschalten und um ihre Batterien aufzuladen.

Refugio Alpe San Romerio Schweiz Brusio

Mensch & Natur im Einklang

Nach dem Abendessen lernen wir Gino Bongulielmi kennen. Der großgewachsene, dunkelhaarige Mann bewirtschaftet das Gasthaus, das seit 1829 in Familienhand ist. Draußen dämmert es bereits, als Gino uns zu einem abendlichen Spaziergang überredet. „Kommt mit, ich möchte euch meine Alpe zeigen!“

Gemeinsam laufen wir zum Yoga Plateau, das sich oberhalb der Hütte, inmitten unberührter Landschaft, befindet. „Von diesem Punkt siehst du nichts, was von Menschenhand geschaffen wurde. Hier bist du alleine mit der Natur. Ist das nicht wundervoll?“ Selbst die Spitze des Kirchleins ist vom Yoga Plateau nicht zu sehen.

Alpe San Romerio Schweiz

Mit glänzenden Augen erzählt Gino von der Einfachheit, davon, dass das Leben viel zu hektisch geworden ist und viele Menschen die Verbindung zur Natur verloren haben. Immer schneller dreht sich unsere Welt, in der niemand mehr Zeit zu haben scheint. „Das Wichtigste im Leben ist doch, dankbar zu sein für das, was wir haben“ sagt er mit sanfter, beruhigender Stimme und blickt hinunter ins Tal. In der Ferne leuchten die Lichter von Bruiso und auch das italienische Tirano kann man von hier schon erkennen.

Mittlerweile ist es stockdunkel. Eine friedliche Stille umgibt uns. „Erst recht in der Nacht ist dieser Ort einmalig. Wenn du die Geräusche der Natur hörst, hier ein Knacken, da ein Zucken, dann musst du die Augen schließen und einfach nur sein. Oder du schaust dir den wahnsinnigen Sternenhimmel an, der hier oben, ohne die Luftverschmutzung, ganz wundervoll leuchtet.“

Seit 30 Jahren lebt Gino auf der Alpe San Romerio und das zum größten Teil autark. Trinkwasser wird aus einer natürlichen Quelle bezogen, Strom wird mittels einer Turbine selbst erzeugt. Auf umweltbelastende Energieformen wird weitestgehend verzichtet. Sogar der Kühlschrank ist ganz natürlich: Ein aus Stein selbst gebauter Kuppelbau, in dessen Innenraum frisches Erntegut im Dunkeln lagert. Die Kühlung entsteht durch das 5 Grad kalte Quellwasser, das durch das Gewölbe fließt.

Dinge mit den Händen erschaffen, das ist es, was Gino mag. Die kleine Gastwirtschaft wirft genug Geld ab, um zu überleben. Reich ist der hübsche Mann nicht, dafür aber reich an Eindrücken und reich an Natur, wie er selbst sagt. „Meine Vision ist es, Mensch und Natur wieder in Einklang zu bringen.“

Sonnenaufgang in San Romerio

Um 5.30 Uhr reißt der Wecker mich aus meiner Traumwelt. Wie ein Baby habe ich in meinem hölzernen Stockbett geschlafen und von der Einfachheit des Lebens geträumt.

Im Morgengrauen marschieren wir über den Köhlerweg zum Aussichtspunkt, der oberhalb der Hütte liegt. Über weichen Waldboden, Tannennadeln und zartes Moos geht es immer weiter bergauf. Meine Lungen füllen sich mit kühler Bergluft, mein Herz schlägt schneller.

Oben angekommen, reißt die Wolkendecke ein wenig auf. Der blaue Himmel kommt in Fetzen zum Vorschein. Wir blicken auf die Schweizer und Italienischen Alpen, deren schneebedeckte Spitzen von der Sonne angestrahlt werden. Wie ein Tsunami rollen die Nebelschleier über die Gipfel. Das Tal wird sichtbar und auch das Kirchlein und die Alpe San Romerio kann man von hier oben wunderbar erkennen.

Das magische Naturschauspiel dauert nur wenige Minuten. Gebannt sehen wir dabei zu, wie sich die nächste Schwade über die Szenerie schiebt und das gesamte Tal in ein weißes Kleid hüllt. Wer braucht da noch einen Fernseher?

Alpe San Romerio Schweiz

Infos zur Alpe San Romerio

  • Lage: Die Alpe San Romerio liegt im Süden des Schweizer Kantons Graubünden, auf einer natürlichen Hangterrasse über dem Lago di Poschiavo. Das gemütliche Gasthaus ist umgeben von Wiesen, Weiden und Wäldern und bietet eine einzigartige Aussicht vom Berninapass bis ins Veltlin. Da die Alpe in einer natürlichen Mulde liegt, herrscht ein mediterranes Klima inmitten der Alpenwelt.
  • Anreise: Wer Graubünden per Zug bereist, steigt in Brusio aus. Von hier fährst du im (vorher reservierten) Postauto nach Viano, wo die zweistündige Wanderung zur Berghütte beginnt. Alternativ kannst du dich auch bis zum Parkplatz Piaz bringen lassen. Von Piaz sind es nur noch 20-30 Minuten zu Fuß.
  • Öffnungszeiten: Die Berghütte wird von Anfang Mai bis Ende Oktober bewirtschaftet.
  • Einkehren: Im Gasthaus erwarten dich regionale Speisen und Getränke, hausgemachte Teigwaren, Salate und Kräuter aus eigenem Anbau sowie Veltliner Weine und selbst gebrautes Bier aus dem Tal.
  • Übernachten: Wer eine oder mehrere Nächte in der herrlichen Ruhe von San Romerio verbingen möchte, auf den warten urgemütliche Zwei- und Dreibettzimmer mit Gemeinschaftsbad sowie ein Schlafsaal mit 16 Einzelbetten. Am Morgen gibt es ein kleines Frühstücksbuffet für einen guten Start in den Tag.
  • Wanderwege: Die Alpe San Romerio ist der ideale Ausgangspunkt für Bergwanderungen, denn hier kreuzen sich die beiden Fernwanderrouten Via Alpina (von Monaco nach Trieste) und Via Valtellina (von Österreich durch die Schweiz nach Italien). Auf dem alten Schmugglerweg, dem Sentiro dei Contrabbandieri, erreichst du das italienische Örtchen Baruffini. Bis in die 70er Jahre wurden auf dieser Strecke Kaffee und Zigaretten aus der Schweiz in das italienische Veltlin geschmuggelt.
  • Weitere Infos zur Alpe, Preise und Reservierungen findest du hier.

 

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Vielen Dank an Schweiz Tourismus und Graubünden Ferien für die Unterstützung.

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2 Kommentare
  1. Antworten

    Franz Wallenta

    7. August 2017

    Dankeschön für den tollen Artikel, werde dieses schöne Gebiet sicherlich besuchen, einfach wunderschön.

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Julia Lassner
Deutschland

Hi, ich bin Julia, eine Weltreisende, die ihrem Herzen folgt. 51 Länder habe ich bisher bereist und jedes einzelne hat mich gelehrt, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Auf globusliebe.com zeige ich dir die schönsten Flecken unserer wundervollen Erde. Sei dabei und erlebe den Zauber des Reisens ♡

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