sommer-in-berlin
Alle Berichte Berlinliebe Deutschland EUROPA

Sommer in Berlin – Liebe zum Abschied

Von 21. September 2016

Okay, zugegebenermaßen hatte er anfangs gewaltige Startschwierigkeiten und wollte so gar nicht aus den Puschen kommen. Die lang ersehnte, wochenlang andauernde Hitzewelle, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne, blieb aus und auch an einen brütendheißen Tag am Badesee oder an eine schlaflose Nacht in durchgeschwitzten Laken war in den ersten drei Sommermonaten in diesem Jahr nicht zu denken.

Stattdessen schlüpfte ich zum ersten Mal in meinem Leben mitten im August mit Wollsocken an den Füßen und einer heißen Tasse Tee unter die dicke Bettdecke und fror. Ich hatte schon fast mit ihm abgeschlossen und wäre beinahe in vorweihnachtliche Stimmung oder in eine schwere Depression verfallen.

Doch dann kam er plötzlich, heimlich, still und leise um die Ecke geschlichen und bescherte mir eine zauberschöne, wenn auch sehr kurze, Zeit: Der Sommer in Berlin!

sommer-in-berlin

Endlich schien die Sonne aus Leibeskräften, die Temperaturen sprengten die 30-Grad-Marke und mein Lebensmittelpunkt wurde kurzerhand nach draußen verlagert, so wie ich es am liebsten mag. Meine Herzensstadt verwandelte sich in einen farbenfrohen Traum, in dem es nach Freiheit roch, in dem die Menschen glücklich waren und mir mit einem Lächeln im Gesicht begegneten.

Die vielen Parks und Grünflächen füllten sich. Es wurde gepicknickt, gegrillt, gesungen, getanzt und gelacht. Touristen und Einheimische strömten in Scharen in den Mauerpark, wo Livemusiker wie Sam King mit ihren Gitarren für gute Laune sorgten.

sommer-in-berlin-mauerpark

Auch ich tanzte auf Festivals bis zum Morgengrauen und legte mich zum Sonnenaufgang im Schlafsack an den See. Ich schlenderte über die Flohmärkte, lag mit einem guten Buch in der Sonne, döste unter den Bäumen im Treptower Park und schaute gedankenverloren den Tretbooten auf der Spree zu.

Ich radelte mit meinem Fahrrad durch die Straßen, entdeckte neue schnuckelige Cafés, lief durch warmen Sommerregen und kürte Mango-Joghurt zu meiner neuen Lieblingseissorte. Ich ging barfuß über die Wiesen, trank Aperol-Spritz auf den Berliner Dachterrassen und bewunderte zahlreiche Sonnenuntergänge auf der Oberbaumbrücke, am Teufelsberg oder am Kanal.

sommer-in-berlin

In diesem Sommer zog ich von meiner finsteren Erdgeschoss-Wohngemeinschaft in Lichtenberg in eine wunderschöne, lichtdurchflutete Wohnung im dritten Stock, mit Blick auf den idyllischen Landwehrkanal. Obwohl ich die ersten Wochen in meiner neuen, renovierungsbedürftigen Bude auf einer ollen Matratze auf dem Boden schlief, war ich überglücklich, denn ich ließ die Balkontür Tag und Nacht offenstehen, ließ den warmen Wind durch die Räume wehen und schaute abends von meinem Balkon aus in den Sternenhimmel.

Morgens kitzelten mich die ersten warmen Sonnenstrahlen des Tages wach und zauberten mir ein Lächeln ins Gesicht, noch bevor ich die Augen öffnete. Ich aß Wassermelone und Erdbeeren zum Frühstück.

sommer-in-berlin-treptower-park

Ich verbrachte viel Zeit mit Herzmenschen, segelte mit einem Holzboot über die Havel, unternahm herrliche Ausflüge zum Müggelsee und genoß die Einsamkeit auf der Stralauer Halbinsel in Friedrichshain, einem wunderbar ruhigen Ort mit Dorfcharakter.

sommer-in-berlin

Hachja, der Sommer in Berlin war wie eine kleine Romanze, eine heiße Affäre, kurz und abenteuerlich, aber mit viel Kribbeln im Bauch. Was von ihm bleibt, sind zwar keine Bikinistreifen und kein braungebranntes Gesicht, aber dafür ein Rausch von Glücksgefühlen, ein Sack voller frischer Lebensenergie und zauberhafte Erinnerungen, an die ich gerne zurückdenke.

sommer-in-berlin-sonnenuntergang-alex

Nun sitze ich auf meinem Balkon, sauge die letzte warme Brise des Tages ein und versuche dieses leichte Lebensgefühl in meinem Kopf abzuspeichern. Während ich den letzten Sommer-Sonnenuntergang mit Blick auf den Landwehrkanal genieße, spüre ich, wie mich eine unangenehme Kälte umgibt.

Der erste Hauch von Herbst weht bereits durch die Stadt und es wird Zeit sich von einem grandiosen Sommer in Berlin zu verabschieden. Von nun an wird es mit jedem Tag ungemütlicher in Deutschland. Für mich bedeutet das, wie jedes Jahr um diese Zeit, die Zelte abzubrechen und ins Warme zu flüchten, dem Sommer hinterherzureisen.

Mein nächstes großes Abenteuer ruft: Costa Rica, ich komme!


Wo hast du den seltsamen Spätsommer in diesem Jahr verbracht? Warst du vielleicht auch in Berlin oder schlägt dein Herz für eine andere Großstadt? Erzähle mir deine Sommergeschichte!

Ich freue mich auf deinen Kommentar.

TAGS
7 Kommentare
  1. Antworten

    Melli

    21. September 2016

    Berlin ist im Sommer echt toll, ist schon viel zu lange her, dass ich mal im Sommer dort war
    ich hab vom wirklichen Sommer dieses Jahr nur wenig mitbekommen, die paar warmen Tage im Rheinland waren aber wirklich schön, die letzten zwei Wochen wo es hier nochmal so richtig war wurde habe ich aber verpasst, weil ich in Island unterwegs war, da war von Sommer nicht viel zu spüren :)
    lg

    • Antworten

      Julia

      21. September 2016

      Hallo Melli,
      danke für deinen Kommentar. Auch wenn die letzten Wochen in Berlin wirklich schön waren, finde ich Island jetzt nicht unbedingt eine schlechte Alternative zum Sommer in Deutschland :) Du hast alles richtig gemacht würde ich sagen!
      Alles Liebe, Julia

  2. Antworten

    Julia

    22. September 2016

    Sehr schön geschrieben, jetzt bin ich melancholisch. Mit dem Sommer in Berlin habe ich persönlich ein Hühnchen zu rupfen. Ich habe mir extra den ganzen Juli und August Berlinzeit verschrieben und dann? Regen, kalt, doof. Meine Sommer-To-Do-Liste ist so jungfräulich wie sie im Frühjahr war, als ich sie geschrieben hab. Kaum bin ich für zwei Wochen in der Pfalz kommt er, der Hochsommer. Zum Glück aber auch im Südwesten. Aber ein bisschen versöhnt bin ich: Statt krassem Wechsel von Hochsommer auf Fastwinter gibt es eine sanfte Entwöhnung mit viel Sonne, trotz früher Dunkelheit und kühlen Abenden. Den Spätsommer gehe ich dann mal noch in Andalusien genießen ;)
    LG, Julia aus der Fastnachbarschaft

    • Antworten

      Julia

      23. September 2016

      Liebe Julia,
      Juli und August waren wirklich doof in Berlin. Deshalb bin ich ja auch
      schon fast in eine Schlechtwetter-Depression verfallen :)
      Dass der Sommer vor meiner Abreise nach Costa Rica noch mal so richtig
      Gas gegeben hat, war umso schöner und ich habe die Zeit so richtig genossen.
      Wünsche dir eine wundervolle Zeit in Andalusien!!
      Alles Liebe,
      Julia

  3. Antworten

    arne

    3. Oktober 2016

    Ich freu mich ja immer, wenn die unsägliche Hitze vorbei ist, die Blätter wieder rot und gelb werden und das Thermometer um die 20° stehen bleibt. Daher kam mir dieser Berliner Sommer eigentlich entgegen und ich konnte ihn tatsächlich auch mal draußen genießen anstatt mich vorm Ventilator im Schatten zu verschanzen.

  4. Antworten

    Brigitte

    11. Oktober 2016

    Ach, ein Sommer in Berlin ist herrlich. Ich war das letzte Mal zum Weihnachtsmarkt dort, also sollte ich doch im nächsten Jahr wieder zur warmen Jahreszeit fahren. Übrigens: Tolle Bilder!!

    • Antworten

      Julia

      14. Oktober 2016

      Vielen Dank liebe Brigitte!
      Im Winter hält es mich leider nicht in Berlin, aber in den Sommermonaten
      kann ich mir keinen besseren Ort vorstellen ;)
      Alles Liebe, Julia

Schreibe einen Kommentar

Julia Lassner
Griechenland

Hi, ich bin Julia, eine Weltreisende, die ihrem Herzen folgt. 52 Länder habe ich bisher bereist und jedes einzelne hat mich gelehrt, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Auf globusliebe.com zeige ich dir die schönsten Flecken unserer wundervollen Erde. Sei dabei und erlebe den Zauber des Reisens ♡

Mein Geschenk an dich ♡
INDIEN ♡
COSTA RICA ♡
ORIENT ♡
Beste Kreditkarte auf Reisen

SÜDAFRIKA ♡
MEINE KAMERA ♡

REISEVIDEOS ♡