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Tortuguero Nationalpark: Einer der magischsten Momente meines Lebens

Von am 18. Dezember 2016

Langsam wandert die Riesenschildkröte ins tosende Meer zurück, das unter dem nächtlichen Sternenhimmel silber-blau leuchtet. Am Horizont zucken grelle Blitze. Ein Gänsehaut-Schauer läuft mir über den Rücken. Dies ist einer der magischsten Momente meines Lebens!

Aber beginnen wir von vorne.

Am frühen Morgen verlassen wir San José, die Hauptstadt Costa Ricas, der die meisten Reisenden schnell den Rücken zukehren. Endlich geht es in die Natur, schließlich ist Costa Rica für eine üppige Vegetation und exotische Tierwelt bekannt. Im Reisebus fahren wir Richtung Nordosten. Unser Ziel ist der 300 kmgroße Tortuguero Nationalpark an der Karibikküste.

Autos gibt es hier keine, denn der Nationalpark besteht aus einem riesigen Kanal- und Lagunensystem, das ausschließlich per Kajak oder Boot erkundet werden kann.

Am Parkeingang steigen wir in ein Motorboot um, das uns mitsamt Gepäck zu unserer genialen Unterkunft bringt, eine  Dschungelhütte mitten im Regenwald. Schon die Anfahrt über das dunkelbraune Wasser, vorbei am leuchtenden Grün des Urwaldes, ist ein echtes Highlight.

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Der Amazonas von Zentralamerika

Gleich am Nachmittag beginnt unser Programm: Eine Bootstour durch die Kanäle des Tortuguero Nationalparks, der wegen seiner für Costa Rica einzigartigen Landschaft, oft auch als Amazonas von Zentralamerika bezeichnet wird. Auf schmalen Wasserwegen gleitet unser Boot durch den immer feuchten Regenwald, der sich wie eine Bilderbuchkulisse präsentiert.

Während der Fahrt entdecken wir Kaimane, die friedlich auf den Steinen am Ufer dösen oder sich im braunen Blättersumpf tarnen, sonnenbadende Schildkröten, die ihren Kopf nach uns recken und giftgrüne Leguane, die nur schwer von ihrer Umgebung zu unterscheiden sind.

Auch exotische Vögel, freche Affen und niedliche Faultiere kommen aus ihren Verstecken, als wir den Motor ausschalten und uns in aller Stille duch den Tortuguero Nationalpark bewegen.

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Einer der magischsten Momente meines Lebens

Es ist kühler geworden im Tortuguero Nationalpark. Zeit für einen nächtlichen Ausflug zum Strand. Als wir am Abend über das dunkle Wasser in die schwarze Nacht hineinfahren, hebe ich meinen Blick Richtung Himmelszelt. Tausende von Sternen leuchten auf uns herab. Plötzlich fällt eine Sternschnuppe herunter und erhellt den Himmel mit einem magischen Schweif. Sofort schließe ich die Augen und spreche meinen größten Herzenswunsch in Gedanken aus.

Am anderen Ufer des Kanals angelangt, verlassen wir das Boot und laufen in völliger Dunkelheit durch den Wald zum Strand. Nicht mal der Mond leuchtet am Firmament.

Jedes Jahr von Juli bis Oktober kommen prachtvolle Grüne Meeresschildkröten hierher, um ihre Eier am Strand abzulegen. Ein faszinierendes Schauspiel, nach dem der Tortuguero Nationalpark benannt wurde, denn la tortuga bedeutet übersetzt  „Platz, an den die Schildkröten kommen“.

Um die Tiere nicht aufzuscheuchen, warten wir, in kleine Gruppen eingeteilt, mit unserem Guide auf ein Signal des Parkrangers, der per Funk meldet, wenn eine Schildkröte am Strand gesichtet wird. Bevor wir das Schutzgebiet betreten dürfen, werden noch einmal die Regeln erklärt: Keine Taschenlampen, keine Handylichter und keine Kameras, denn das würde die Tiere stören. Und immer hinter dem Guide bleiben, der uns mit einer Infrarotlampe dürftig den Weg leutet. Dann kann es losgehen.

Nach einer kurzen Wanderung durch den Sand, taucht im rötlichen Schummerlicht ein metergroßer Koloss auf. „Grüne Meeresschildkröten werden bis zu 800 Kilo schwer“, erklärt unser Guide. Mit ihren Hinterflossen gräbt sie eine Grube und legt bis zu 150 tischtennisballgroße Eier hinein. „Während der Geburt befindet sie sich in einem Trancezustand“, fährt der Guide fort. „Nur dies macht es möglich, das Tier aus sicherer Entfernung zu beobachten“.

Sprachlos stehe ich am Strand und sehe dabei zu, wie eine riesige Schildkröte neues Leben zur Welt bringt. Welch ein Wunder! „Ihre natürlichen Feinde sind Tigerhaie und Jaguare,“ erklärt der Guide. Jaguare? Ja, auch die gibt es hier im Dschungel von Costa Rica, der hinter uns kreischt und zirpt.

Unterstrichen wird die Geräuschkulisse von der tosenden Brandung des Meeres, das in dieser Nacht auf eine magische Weise silber-blau leuchtet. Mit nackten Füßen stehe ich im Sand und spüre, wie mich eine unglaubliche Erdenergie umgibt. Über mir leuchten die Sterne, immer wieder fallen Sternschnuppen vom Himmel und in der Ferne tobt ein Gewitter.

Mehrere Stunden verbringen wir am Strand und sehen den Schildkröten beim Gebären zu. Noch viel magischer finde ich allerdings den Moment, in dem sie ins Wasser zurückkehren und dabei eine breite Spur im Sand hinterlassen. Grelle Blitze erhellen für Millisekunden den schwarzen Horizont und lassen mich für einen Moment erstarren. Wie angewurzelt bleibe ich stehen und bemerke, wie ich einen dicken Kloß im Hals runterschlucke.

Was sich nach einem kitschigen Traum anhört, wird in dieser Nacht Wirklichkeit. Dies ist einer der magischsten Momente meines Lebens!

Fotos zu diesem einzigartigen Erlebnis kann ich dir, lieber Leser, leider nicht bieten, denn um die Schildkröten in ihrem natürlichen Lebensraum nicht zu stören, ist das Fotografieren am gesamten Strand verboten. Meine Erinnerungen an dieses magische Erlebnis trage ich tief in meinem Herzen und das ist schön so.

Dschungel Expedition mit Guide

Am nächsten Morgen werden wir vom Geschrei der Brüllaffen geweckt. Immerhin schlafen wir mitten im Dschungel. Höchste Zeit diesen auf einer geführten Wanderung zu erkunden. Der gut ausgebaute Weg beginnt gleich an unserer Lodge. Wir könnten ihn auch alleine gehen, doch ohne das Fernglas und die geübten Augen und Ohren eines Guides würden wir die meisten Tiere wohl gar nicht entdecken, denn sie sind nicht immer leicht ausfindig zu machen.

Schon nach wenigen Metern erspäht er ein Faultier, das hoch oben in einer Baumkrone hängt und schläft, was sonst? Völlig fasziniert von den satten Farben des Dschungels, den riesigen Baumwurzeln, Lianen und leuchtend bunten Pflanzen, lausche ich den Worten des Guides: „Eine Sache lernt man im Dschungel sofort: Es ist nie still.“ Er hält inne, um zu lauschen. Jauchzende Affen, quietschende Vögel und das konstant laute Zirpen der Insekten umgeben uns. Es ist Wahnsinn wieviel Leben in diesem Dschungel steckt!

Immer wieder zeigt unser Guide scheinbar ins Nichts. Erst nach langem Suchen entdecken auch wir eine wunderschöne Riesenspinne im Geäst der Bäume, einen gut getarnten Leguan zwischen den Blättern oder einen Morpho, den schillernd blauen Schmetterling, der angeblich Wünsche erfüllt.

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Das Dörfchen Tortuguero

Am Nachmittag fahren wir mit dem Boot zum gegenüberliegenden Dörfchen Tortuguero, welches auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Hauptkanal des Nationalparks und dem Karibischen Meer liegt und ebenfalls nur per Boot oder Propellermaschine zu erreichen ist.

An einfachen Häusern mit Wellblechdächern und einer knallbunten Schule vorbei, schlendern wir durch die Straßen und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Frisch gewaschene Wäsche baumelt an der Leine, Einheimische verkaufen selbstgemachten Schmuck, eisgekühlte Kokosnüsse und Eiscreme, während die Alten vor ihren Häusern im Schatten sitzen und Schach spielen. In Tortuguero scheint die Zeit stillzustehen.

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In unserer letzten Nacht im Tortuguero Nationalpark prasselt ein heftiger Monsunregen auf das Dach unserer Dschungelhütte. Um uns herum zirpt und kreischt es. Ich liege noch einen Moment wach im Bett und versuche das Erlebte zu verarbeiten. Unendlich dankbar schlafe ich ein.

Hier findest du weitere Beiträge aus Costa Rica:

Auftakt Costa Rica: Trotz Vulkanausbruch ins Abenteuer

Costa Rica Rundreise: Meine absoluten Highlights

Puerto Viejo: Pura Vida an Costa Ricas Karibikküste

Die schönsten Dschungelhütten und Hotels in Costa Rica

Warst du auch schon im Tortuguero Nationalpark und hattest das große Glück den Riesenschidkröten beim Eierlegen zuzuschauen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!


Herzlichen Dank an Shoestring für die Unterstützung bei dieser großartigen Reise.

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4 Kommentare
  1. Antworten

    Katja

    18. Dezember 2016

    Vielen Dank für diesen wunderschönen Artikel! :) Da kommen Erinnerungen an unsere Reise nach Costa Rica im März 2015 hoch! Leider hatten wir aufgrund der Jahreszeit nicht das Glück Schildkröten bei der Eiablage beobachten zu können. Aber auch so haben wir die traumhafte Natur des Tortuguero NP voll & ganz genossen!

  2. Antworten

    Svenja

    18. Dezember 2016

    Hey :-) Erstmal, ich finde deinen Blog total schön aufgearbeitet. Nicht zu voll , nicht zu leer, sehr übersichtlich, aber auch nicht langweilig. Sehr schön gestaltet einfach! :-)

    Danke für den tollen Beitrag und die „Kurzreise“ durch die tollen Bilderimpressionen! Finde es immer spannend wohin andere Reisen und wie sie diese Reisen empfinden. sehr inspirierender Beitrag! :-)

    Liebe Grüße Svenja

  3. Antworten

    Jana ~ zuFussunterwegs

    18. Dezember 2016

    Hi Julia,

    danke für diesen schönen Bericht über Tortuguero. Gerade vor zwei Wochen war ich ebenfalls dort und habe mich in dieses Fleckchen Erde sofort verliebt.

    Traumhaft die Strände, die Lage zwischen Ozean und Lagune, die vielen Tiere, das geruhsame Örtchen, die Langsamkeit des Lebens. Tortuguero ist mein Place to be in Costa Rica.

    Hier habe ich zum ersten Mal ein sich seeehr langsam bewegendes Faultier gesehen, ein Erlebnis für sich.

    Es gibt auch eine deutsche Biologin im Ort, die Touren anbietet und sehr hilfsbereit ist. Empfehlenswert!

    Fussige liebe Grüsse, Jana

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Julia Lassner
Deutschland

Hi, ich bin Julia, eine Weltreisende, die ihrem Herzen folgt. 50 Länder habe ich bisher bereist und jedes einzelne hat mich gelehrt, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Auf globusliebe.com zeige ich dir die schönsten Flecken unserer wundervollen Erde. Sei dabei und erlebe den Zauber des Reisens ♡

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