Monthly Juli 2021
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MONTHLY 07|2021 – Flutkatastrophe & Weltschmerz

Von
31. Juli 2021

Was war das denn bitte? Ein Juli ohne Sommer? So zumindest würde ich die vergangenen vier Wochen in der Zusammenfassung beschreiben. Hier bei uns in der Eifel ließ sich die Sonne kaum blicken.

Jetzt im Nachhinein lassen meine Fotos zwar anderes vermuten, aber das auch nur, weil wir die wenigen Sonnenmomente immer gleich ausgenutzt und die Kamera immer im richtigen Moment ausgepackt haben.

Aber so wirklich tolle Sommertage, an denen wir morgens schon mit Sonnenschein frühstücken und nachts die Matratze auf der Dachterrasse ausbreiten, um unter dem Sternenhimmel zu schlafen, gab es im Juli nicht ein einziges Mal.

Stattdessen vier Wochen lang graue Wolken, Gewitter und Dauerregen. Nicht selten fielen die Temperaturen in der Nacht sogar unter zehn Grad, sodass wir den Kamin anfeuern mussten. Ich kramte meine Wollsocken aus der Schublade und hatte nicht selten beim täglichen Abendspaziergang eine warme Herbstjacke an. Im Juli!

Das Wetter drückt mir zur Zeit sehr aufs Gemüt. Dabei fällt es mir schwer, sowas laut auszusprechen bzw. niederzuschreiben, denn immerhin geht es uns gut. Wenn ich mir im Vergleich dazu anschaue, was das Wetter nur wenige Kilometer von unserer Haustür entfernt angerichtet hat, könnte ich noch immer losheulen.

Flutkatastrophe

Am 14. Juli 2021 wurde das gesamte Ahrtal sowie Teile von NRW von einer gigantischen Flutwelle zerstört. Die Zahl der Toten liegt mittlerweile bei über 100. Etliche Menschen gelten nach wie vor als vermisst. Innerhalb von Minuten spülten die Wassermassen Straßen, Autobahnbrücken und ganze Landstriche weg.

Restaurants, Geschäfte, Schulen, Krankenhäuser, Tankstellen, Banken und Wohnhäuser stürzten in sich zusammen. Es gibt sie nicht mehr. Einfach weg.

Tagelang waren Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Rettungswege waren blockiert. Teilweise sitzen sie noch heute, zwei Wochen nach der Naturkatastrophe, ohne fließendes Wasser, ohne Strom und ohne Nahrung in ihren Häusern und warten auf Hilfe.

Flukatastrophe im Ahrtal

Die Hilfsbereitschaft von Privatmenschen und Firmen aus ganz Deutschland war von der ersten Minute unglaublich groß. Tausende von freiwilligen Helfer*innen reisten und reisen noch immer ins Ahrtal, um anzupacken, um Schlamm aus den Häusern zu schaufeln und den Menschen, die alles verloren haben, beizustehen.

Auch wir waren aktiv, haben vom ersten Tag an in der Sammelstelle am Nürburgring Sachspenden sortiert und kistenweise Hilfsmittel für Betroffene verladen. Ich hoffe sehr, dass die Sachen dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden und trotzdem fühle ich mich hilflos, denn mich lässt dieses Gefühl nicht los, dass dies erst der Anfang einer großen Klimakrise ist, die da auf uns zurollt.

Was mich außerdem wütend und traurig macht, ist die Tatsache, dass von der Regierung bisher reichlich wenig im Ahrtal ankam. In den Medien wird es teilweise komplett anders dargestellt, aber wenn man selbst mit Betroffenen spricht, hört man hier eigentlich nur, dass bisher keine Spendengelder ausgezahlt wurden und die Menschen mit ihrem Leid komplett alleine gelassen werden.

Ohne freiwillige Helfer*innen, die alles aus eigener Tasche finanzieren, gäbe es bis heute nicht mal Verpflegung im Ahrtal. Das ist doch der pure Wahnsinn!

Flut Bad Münstereifel
Ahrtal Flut

Weltschmerz

Abgesehen von der Flutkatastrophe habe ich zur Zeit mit großem Weltschmerz zu kämpfen und kann mich im Moment nur schwer selbst aus diesem Loch ziehen. Überschwemmungen, Waldbrände, Tierleid, Terrorismus, Hungersnöte, Klimawandel, Rassismus, Corona. Die Liste ist unendlich.

Jede Sekunde passiert so viel Schreckliches auf dieser Welt, dass ich manchmal gerne einfach die Augen davor verschließen möchte. Zum Glück wird mir in solchen Momenten aber auch immer wieder bewusst, wie wundervoll unser Planet und wie heilsam die Natur ist, welch herzensgute, emphatische Menschen ich in meinem Familien- und Freundeskreis habe und wieviel Positives tagtäglich passiert.

Ich erinnere mich daran, dass ich glücklich sein darf und trotzdem finde ich es wichtig, das Leid nicht komplett auszublenden. Hinsehen, mitleiden und mitfühlen ist menschlich. Es gehört zum Leben dazu.

Was ebenfalls wichtig ist: Jetzt schon an die Bundestagswahl im September zu denken! Meiner Meinung nach wird es allerhöchste Zeit für einen politischen Wandel und vor allem Zeit für eine Regierung, die den Klimawandel endlich ernst nimmt, damit Naturkatastrophen wie die Flut im Ahrtal sich in der Zukunft nicht häufen.

Reisen im Juli

Zum Glück gibt es vom Juli nicht nur Negatives zu berichten. Ganz im Gegenteil, denn wir durften endlich wieder unterwegs sein und das tun, wofür wir brennen. Wie ich im Juni Monthly bereits erzählt habe, waren wir zehn Tage lang im wunderschönen Südtirol, um drei Vitalpina Hotels kennenzulernen: Das Naturhotel Rainer im Jaufental, das Hotel Golserhof im Meraner Land und das ArtNatur Dolomites am Fuße der Seiser Alm.

Kurz darauf waren wir mit einem Hymer Wohnmobil in der Region rund um Stuttgart unterwegs, haben viele verschiedene Stellplätze getestet und euch jede Menge Ausflugstipps mitgebracht. Falls ihr mal mit dem Camper in Baden-Württemberg unterwegs seid, schaut euch auf jeden Fall vorher meinen Beitrag an. Es lohnt sich!

Gleich im Anschluss ging es noch ein paar Tage ins idyllische Remstal. Die Gegend ist als Wanderparadies bekannt. Auch hierfür haben wir euch eine ganze Menge Tipps mitgebracht – unter anderem ein Besuch der Weleda Heilpflanzengärten.

Wohnmobilstellplätze Region Stuttgart
Weleda Remstal Calendula

Dachterrasse

Obwohl der Juli überwiegend Kälte und Regen brachte und die Pflanzen ganz schön gelitten haben, ist die Erntezeit nun in vollem Gange. Täglich ernten wir Gurken, Tomaten, Paprika und Zucchini. Dazu Unmengen an frischen Kräutern wie Rosmarin, Salbei, Thymian, Zitronenverbene, Basilikum, Petersilie, Schnittlauch, Koriander und Minze.

Wir probieren ständig neue Gerichte aus, legen, kochen und frieren ein, binden Kräuterstäuße zum Trocknen, füllen die Tee- und Gewürzvorräte auf, setzen Likör an, stellen Badezusätze, Körperöl und Räucherwerk her.

Mein Selbstversorgerherz hüpft in diesen Tagen vor Freude, denn ich liebe den Gedanken, dass wir unsere eigene Ernte haltbar machen und noch lange davon zehren können. Ich liebe es, die Pflanzen auf der Dachterrasse wachsen zu sehen, mich um sie zu kümmern und zu wissen, dass sie keine Pestizide enthalten.

Tomaten Monthly Juli 2021
Kräuter Juli 2021

Vorfreude auf den August

Im August stehen ausnahmsweise nur zwei kleine Produktionsreisen auf dem Plan. Es geht einmal ins Ortner’s Resort im bayerischen Bad Füssing und später ist noch ein Roadtrip entlang an der Moselschieferstraße geplant. Alle anderen Aufträge mussten wir aufgrund des riesengroßen Herzensprojektes, das zur Zeit absolute Priorität hat, absagen. Arbeitsintensiv wird der August also auf jeden Fall.

Ansonsten wünsche ich mir, dass der Sommer zurück kommt und wir wenigstens ein paar schöne warme Tage erleben. Ich freue mich außerdem schon sehr auf die Sternschnuppennächte Mitte des Monats. Drückt uns die Daumen, dass wir dann draußen schlafen können.

Bis bald, eure Julia

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Hey, ich bin Julia,

Reisebloggerin, Fotografin und Buchautorin. Am glücklichsten bin ich draußen in der Natur, beim Wandern, mit frischer Luft in den Lungen, Sonne im Gesicht und meiner Kamera im Gepäck. Auf globusliebe.com findest du Inspiration und Tipps rund um verantwortungsvolles Reisen und einen nachhaltigen Lebensstil.

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