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Ein Ausflug in den Norden der Eifel

Von
4. April 2016

Weil gemeinsame Zeit nicht nur sehr selten, sondern auch unbezahlbar ist, unternehmen wir heute einen Familienausflug in den wunderschönen Norden der Eifel.

Die Eifel, das ist der nordwestliche Teil des Rheinischen Schiefergebirges, der zwischen Aachen, Koblenz und Trier liegt. Ein Gebirge im Westen von Deutschland, das ich seit meiner Geburt meine Heimat nenne und dessen Schönheit für mich zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist.

Erst nachdem ich vor einigen Jahren von meiner ersten 7-monatigen Asienreise zurückkehrte, lernte ich meine Heimat noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen. Ich lernte sie zu schätzen und zu lieben. Reisen lässt einen eben doch nicht nur über den Tellerrand hinaus in die Welt blicken, sondern öffnet einem ebenso die Augen für die eigene Heimat.

Heutzutage nutze ich fast jeden Besuch bei meinen Eltern dazu, die Eifel zu erkunden. Den Norden und Süden kenne ich bisher kaum.

Unseren ersten Stop auf dem Weg Richtung Norden legen wir hungerbedingt im 70 Kilometer entfernten Euskirchen ein. Eine Stadt, die auf den ersten Blick ziemlich hässlich erscheint und es auf den zweiten Blick auch tatsächlich ist. (Falls sich jetzt jemand auf die Füße getreten fühlt, tut es mir leid. Ich möchte nicht voreilig über Euskirchen urteilen, denn ich habe nicht viel von der Stadt gesehen. Vielleicht (ich hoffe es) gibt es auch schöne Ecken. Gerne lasse ich mich beim nächsten Besuch davon überzeugen)! Immerhin landen wir zufällig im Gasthof “Alte Posthalterei”, wo man uns extrem leckere Suppen, Salate und Pasta serviert. Sehr zu empfehlen.

Zülpicher See

Frisch gestärkt setzen wir unsere gemütliche Butterfahrt fort und gelangen zum Zülpicher See, der ein Paradies für Wassersportler zu sein scheint.

Hier fand 2014 die Landesgartenschau Zülpich statt. Auch heute muss man für den Gartenschaupark am See noch Eintritt zahlen. Aber es lohnt sich.

Eifel Zülpich

Wir spazieren am Seeufer entlang, erfreuen uns an den aufwendig angelegten Gärten und den Überbleibseln der Gartenschau. Am Steg liegt eine ganze Reihe von blau-weißen Tretbooten, die gespannt auf Besucher warten. Lange kann es nicht mehr dauern, bis dass uns die Sonne endlich wieder mit ihrer glücklichmachenden Wärme verwöhnt und die ersten Menschen zum Zülpicher See strömen, um im Beach-Club zu chillen und Tretboot zu fahren.

Der Frühling kommt bald! Das lassen die Temperaturen am heutigen Tag zwar weniger hoffen, die Strändkörbe und die blühenden Weidenkätzchen aber dafür umso mehr.

Zülpicher See

Nationalpark Eifel & der Rursee

Unser nächstes Ziel ist der Rursee, ein malerischer Stausee, der zum Nationalpark Eifel gehört und durch das Aufstauen der Rur entsteht. In der Nähe von Nideggen, einem kleinen Städtchen auf einer Bergkuppe oberhalb des Sees, entdecken wir den Beach Club Eifel.

Getreu dem Motto “Wenn ich den See sehe, brauche ich kein Meer mehr” wirbt das verglaste Restaurant für seinen tollen Ausblick auf den Rursee. Mit einem Liegestuhl unterm Hintern, einem Aperol-Spritz in der Hand und Sonnenstrahlen im Gesicht, würde ich mich hier tatsächlich wie im Süden fühlen. Leider ist der Beach Club heute geschlossen.

Rursee Eifel

Rursee Eifel

Auf der Suche nach dem perfekten Ausblick düsen wir die Serpentinenstraßen rauf und runter. Immer wieder halten wir dort, wo es uns gefällt, spazieren ein Stückchen am Ufer entlang und genießen unseren freien Tag.

Rursee Eifel

Wir fahren durch etliche kleine Dörfer, die entweder für ihre eifeltypische Bauweise oder für ihre Heckenlandschaft berühmt sind und ich entdecke immer mehr Orte, die sofort auf meiner Deutschland Bucket List landen, weil ich sie gerne im Sommer noch einmal besuchen möchte.

Erst als wir den Rursee in seiner außergewöhnlich geschwungenen Form aus der Ferne betrachten, wird mir bewusst, wie traumhaft schön die Gegend rund um den Nationalpark Eifel ist. Ich kann es nicht fassen, dass ich hier noch nie gewesen bin.

Der Nationalpark Eifel umfasst eine Fläche von 10.700 Hektar und bietet rund 240 Kilometer Wanderwege. Einer von ihnen ist der Fernwanderweg Eifelsteig, den ich irgendwann unbedingt mal gehen möchte.

Nationalpark Eifel

Monschau

Am Abend kommen wir in Monschau an. Der Himmel ist weiß und es beginnt bereits zu dämmern. Wie schnell die Zeit doch vergeht, wenn man schöne Dinge unternimmt. Wir parken das Auto und schlendern zu Fuß zum historischen Stadtkern von Monschau.

Die Altstadt mit ihren urigen Gassen und den gut erhaltenen Fachwerkhäusern aus dem 17. Jahrhundert ist einzigartig und zählt zu den schönsten in ganz Deutschland.

Monschau

2008 war ich schon einmal in Monschau. Damals steckte ich mitten in meiner Ausbildung zur Medienkauffrau in einem Zeitungsverlag. Zu Lernzwecken verbrachte ich einige Tage in der riesigen Druckerei von Weiss Druck.

Damals lernte ich alles Mögliche über Druckmaschinen und hegte kurzzeitig sogar den Wunsch eine Karriere als Drucker einzuschlagen. Der Wunsch entpuppte sich als Hirngespinst und wurde relativ schnell wieder verworfen. Naja, wie dem auch sei, viel Zeit zur Stadterkundung blieb damals leider nicht.

Ein Jammer, denn Monschau ist es wirklich wert zu bleiben. Ich liebe die Häuser und die Atmosphäre. Wenn du schon einmal in Monschau warst, wirst du wissen, was ich meine.

Monschau

Fröstelnd spazieren wir durch die hübschen Gassen. Die Altstadt wirkt wie ausgestorben. Wanderer und Tagestouristen scheinen sich längst in ihre warmen, kuscheligen Betten verzogen zu haben. Die meisten Restaurants haben bereits geschlossen. Lediglich die Pizzeria ist zu später Stunde noch bereit, uns eine Pizza in den Steinofen zu schieben.

Monschau Eifel

Nach dem Abendessen überkommt uns die Idee, ein Hotelzimmer zu mieten und spontan in Monschau zu übernachten. “Was ist mit dem Leben im Hier und Jetzt?”, fragt mein Papa. Wie recht er damit hat!

Nach wenigen Sekunden des Zögerns entscheiden wir uns dann doch dazu, die knapp 2-stündige Heimreise in der Dunkelheit anzutreten. Schließlich müssen wir Morgen alle sehr früh raus, haben Termine und so weiter… Die Liste der Ausreden ist lang. Doch wenn wir ehrlich sind, bereuen wir unseren Entschluss schon jetzt. Wir hätten einfach bleiben sollen.

Dieser Tag hat mir mal wieder gezeigt, wie wertvoll Familientage sind, dass man nicht immer weit reisen muss, um schöne Sachen zu entdecken und wie wunderschön die Eifel ist.

Warst du schon mal in der Eifel? Was hat dir besonders gut gefallen? Verrate es mir in einem Kommentar!

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9 Kommentare
  1. Antworten

    Kathi

    4. April 2016

    Wie schön! Das wär mal cool gewesen, wenn ihr einfach geblieben wärt! :D
    Liebe Grüße,
    Kathi

    • Antworten

      Julia

      5. April 2016

      Hallo Kathi,
      es wäre wirklich cool gewesen einfach zu bleiben.
      Aber der Tag war auch so wunderschön :)
      Alles Liebe aus Berlin,
      Julia

  2. Antworten

    Anna

    4. April 2016

    Hihi, ich darf genau diesen Teil der Nordeifel meine Heimat nennen – in Monschau bin ich aufgewachsen :) Sehr schöner Bericht!

    • Antworten

      Julia

      5. April 2016

      Danke liebe Anna!
      Monschau ist wirklich eine großartige Stadt.
      Ich möchte gerne im Sommer noch einmal hin.
      Hast du noch weitere Tipps für mich? :)
      Alles Liebe aus Berlin,
      Julia

  3. Antworten

    Martina

    11. April 2016

    Hallo Julia,

    toll über die Eifel zu lesen! Wir waren früher oft in Cochem an der Mosel, denn im Nachbarort haben meine Großeltern gelebt. Seit sie tot sind wollte ich nicht mehr in ihren Ort fahren, ich mag das Haus nicht mehr ansehen, den schiefen Kirchturm will ich nicht mehr sehen…. Aber: der große Rest der Eifel sollte besucht werden! Vor allem fand ich die Maare als Kind toll.
    LG
    Martina

    • Antworten

      Julia

      18. April 2016

      Liebe Martina,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Cochem und die Moseldörfer sind wirklich ein ganz wunderbares
      Fleckchen Erde. Ich liebe es durch die Weinberge zu wandern und
      auf die Mosel zu blicken. Es wird Zeit mal wieder hinzufahren!
      Alles Liebe aus Berlin,
      Julia

  4. Antworten

    Claudia Veu Casovic

    12. April 2016

    Es war einmal vor 50 Jahren , oh wie war es doch schoen in der Eifel aufzuwachsen . Manchmal gehe ich in Gedanken die Waldwege entlang der Nette spazieren. Der Wald ist satt gruen und dicht und dunkel , ich vermute Wildschweine im Dickicht , die Lichtungen sind sonnig , es riecht nach Waldmeisterkraut und ich sehe Pfifferlinge und Steinpilze im Moos . Am Bach hoere ich Wasseramseln schrillen , Eisvoegel flitzen vorbei.
    Weit hinten steht ein Schaefer mit seiner Herde auf dem Huegel, die Huetehunde sind voll im Einsatz .Ein alterTracktor pfluegt auf dem Feld. Im Dorf schmunzele ich ueber die “echten ” Dorf-frauen , die mit Gummistiefeln und Schuerzen vorm Haus rumlaufen,
    ich habe die vielen Dialekte unsere Gegend kaum verstanden , jedes Dorf seine eigene Sprache , ich mochte die Kirmeszelte die zum Samstags Tanz einluden , den Maibaum am Dorfplatz , die Junggesellenfeste , Dorfkneipen und Fussballspiele .
    Es war schoen dort gross zu warden , es war einmal , aber in Erinnerung schwebe ich oft.
    Danke liebe Eifel , hoffentlich hat sich nichts geaendert , Claudia , Denver – Colorado

    • Antworten

      Julia

      18. April 2016

      Liebe Claudia,
      ich danke dir für diesen wunderschönen Text. Er ist so toll geschrieben,
      dass ich genau nachempfinden kann, wie du durch die Wälder gestreift bist.
      Hoffe wir sehen uns ganz bald wieder!
      Ganz viel Liebe aus Berlin,
      Deine Julia

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Hey, ich bin Julia,

Reisebloggerin, Fotografin und Buchautorin. Am glücklichsten bin ich draußen in der Natur, beim Wandern, mit frischer Luft in den Lungen, Sonne im Gesicht und meiner Kamera im Gepäck. Auf globusliebe.com findest du Inspiration und Tipps rund um verantwortungsvolles Reisen und einen nachhaltigen Lebensstil.

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