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Von neuen Lebensplänen und der verfluchtesten Heimreise ever

Von
25. Februar 2015

Sieben Uhr in der Früh. Etwas wehmütig und völlig übermüdet stehe ich mit meiner Familie in der Eingangshalle des Suvarnabhumi International Airports in Bangkok und friere. Draußen sind es angenehme 30 Grad, hier drinnen gefühlte minus zehn.

Der eiskalte Wind der Klimaanlage bläst mir um die Ohren und ich spüre wie eine Gänsehaut über meinen Körper fährt. Beinahe habe ich vergessen, wie sich Kälte eigentlich anfühlt. Das letzte Mal gefroren habe ich im klimatisierten Skytrain in Bangkok.

Während wir uns die Füße in der Warteschlange vor dem Check-in Schalter platt stehen, schweifen meine Gedanken ab und ich lasse die vergangenen drei Monate Revue passieren: Den eisigen Winter habe ich (wie in jedem Jahr) mal wieder perfekt umgangen. Zwei Monate war ich mit dem Kreuzfahrtschiff im Orient unterwegs und bin anschließend einen Monat lang durch Thailand gereist. Gerade habe ich mich wieder an meine tägliche Dosis frische Kokosnuss gewöhnt, an die chilligen Stunden am Strand, die entspannten Thaimassagen, die traumhaften Sonnenuntergänge und die scharfen Thaicurries.

Eigentlich könnte es ewig so weitergehen.

Railay Thailand

Ein neuer Lebensabschnitt

Doch nun stehe ich hier mit gemischten Gefühlen und muss zurück ins kalte Deutschland. Etwas mulmig ist mir zumute, denn ab Morgen beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ehrlich gesagt könnte ich mich gerade vor Aufregung übergeben, denn ich habe Angst. Angst vor der Kälte, die auf mich wartet und Angst davor, mein geliebtes Nomadenleben der letzten drei Jahre aufzugeben.

Eine laute Gruppe von Japanern, die sich gegenseitig mit ihrem Gepäck fotografieren und dabei mitsamt Peacezeichen in die Kamera strahlen, reißt mich aus meinem Gedankenkarussell und katapultiert mich zurück in die Gegenwart.

Wie lange stehen wir hier eigentlich schon?

Air India

1,5 Stunden stehen wir bereits am Check-in Schalter und warten auf unsere Bordkarten. Wir haben eindeutig die längste Warteschlange von allen erwischt.

Nach einem gründlichen Security Check und der Passkontrolle blinkt unsere Boarding Anzeige bereits rot. LAST CALL steht auf dem Schild. Wir rennen mit unserem Handgepäck zum Gate. Die letzten Passagiere steigen gerade ein. Eigentlich hatten wir vor, auf dem Flughafen gemütlich zu frühstücken. Dafür waren wir extra mehr als zwei Stunden vor Abflug vor Ort und hatten uns thailändische Baht aufgehoben. Nun reicht die Zeit nicht mal mehr für einen Kaffee.

Von Bangkok nach Delhi

Beim Betreten des Flugzeuges riecht es nach indischem Curry, die Sitze haben einen safranfarbenen Bezug und die Stewardessen tragen bunte, hübsche Saris. Ansonsten sieht die Maschine ziemlich verranzt aus, aber das muss ja nichts heißen.

Mit einer halben Stunde Verspätung hebt der Flieger ab. Auf den Bildschirmen vor uns, können wir Filme und Musik aus dem Entertainment Programm wählen. Es gibt sogar Weltkarten, die die aktuelle Flugstrecke anzeigen. Auf unseren Screens wird allerdings die Strecke Mumbai-Bangkok anstatt Bangkok-Delhi dargestellt, aber macht ja nichts.

Nach die Stewardessen das Frühstück, bestehend aus indischem Ceylon Tee mit Milchpulver und Wiener Würstchen mit Ketchup, serviert haben, verstecken sie sich für die restlichen drei Stunden hinter ihrem Vorhang und lassen sich nicht mehr in der Kabine blicken. Es gibt nicht mal ein Glas Wasser für die Passagiere. Na wenigstens genieße ich die Aussicht auf die wunderschöne Wolkenlandschaft unter mir.

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Im Landeanflug auf Delhi sehe ich typische indische Slums, Fußballplätze, eine sandige Landschaft und heruntergekommene Blechhütten neben teuren Villen mit Pool. Dies ist meine erste Berühung mit Indien, einem Land, das mich schon seitdem ich denken kann fasziniert.

You always wear turban?

Mit knurrendem Magen und ausgetrocknetem Mund, verlassen wir die Maschine und freuen uns auf einen zweistündigen Zwischenstop in Delhi. Doch zu früh gefreut: Wir schaffen es gerade mal zur Toilette zu rennen. Die restliche Zeit verbringen wir in der Warteschlange des Security Checks.

Wir lassen extrem strenge Sicherheitskontrollen über uns ergehen, unsere Bordkarten werden von circa zehn verschiedenen Menschen kontrolliert und immer und immer wieder abgestempelt. Das Handgepäck wird gescannt und auseinandergenommen. Auch wir werden mehrmals gescannt und hinter einem dunklen Vorhang abgetastet.

Bei der 11. Passkontrolle (!!!) schaut mich der indische Mann in Uniform an und fragt: “You always wear turban?” Er meint mein Haarband. Genervt nehme ich meinen Pass und laufe Richtung Gate. Wieder bleibt keine Zeit für einen Kaffee, denn das Boarding ist bereits im vollen Gange.

Von Delhi nach Frankfurt

Wir betreten den Flieger. Ich bin hundemüde und schlummere sofort ein. Als ich eine Stunde später aufwache und aus dem Fenster schaue, sehe ich einen winkenden Fluglotsen neben meinem Fenster. Ich blicke auf die Landebahn und bin völlig verwirrt. Sind wir etwa schon da? Nein, wir sind noch nicht mal gestartet, denn wir warten noch auf sechs fehlende Passagiere. Zwei von ihnen erscheinen irgendwann, die anderen nicht. Wir heben ab.

Nach sieben Flugstunden landen wir in Deutschland. Es ist es bitterkalt, kälter noch als am Flughafen in Bangkok. Nur dass dieses Mal keine Klimaanlage daran Schuld ist, sondern das deutsche Miesewetter.

Leider sind wir wieder im Zeitstress, denn in wenigen Minuten fährt unsere Bahn, die uns vom Flughafen nach Hause bringen soll. Wir rennen mit unseren Backpacks zu Gleis sieben. Zwei Minuten haben wir noch. Als wir am Gleis stehen und verdutzt auf die Tafel schauen, steht dort “Zug fährt heute auf Gleis drei.” Uns bleibt eine Minute.

Gleis drei befindet sich auf der anderen Seite des Gebäudes. Mit unseren Backpacks auf dem Buckel rennen wir wie die Irren. Natürlich kommen wir zu spät. Der Zug ist weg. Ach, was ich rede ich da? Ich hatte ganz vergessen, dass wir mit der Deutschen Bahn fahren. “Zug circa 20 Minuten Verspätung” steht auf der Anzeigetafel. Das ist das erste Mal, dass ich mich über die Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn freue.

Da sitzen wir also, vor Kälte bibbernd, auf einer Bank an Gleis drei und warten auf unseren ICE, ohne Jacken und mit Flip Flops an den Füßen. Willkommen in Deutschland!

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8 Kommentare
  1. Antworten

    Sabrina

    26. Februar 2015

    Oh man Julia, was für ein chaotischer Heimweg! Richtig gut geschrieben ;)
    Schön, dass du so viele tolle Erinnerungen mitnehmen konntest. Die werden dich sicher eine Weile durch das kalte Wetter hier in Deutschland tragen. Und dann geht’s doch bestimmt schon bald wieder weiter, oder?
    Liebe Grüße,
    Sabrina

    • Antworten

      Julia

      26. Februar 2015

      Hallo Sabrina,
      danke für dein Feedback! Ich hoffe, der Frühling lässt nicht mehr allzu lange auf sich warten, denn sonst bin ich schneller wieder weg als geplant :)
      Liebe Grüße,
      Julia

  2. Antworten

    Melina

    31. März 2015

    So true!!!!!!!!!! :) Mir kommen die Tränen vor Lachen. Ich hätte die spektakuläre Heimreise nicht besser in Worte fassen können. Du hast es wirklich auf den Punkt gebracht. Super Artikel!

    • Antworten

      Julia

      1. April 2015

      Diese Heimreise war auch wirklich der Knaller. Mir wird jetzt noch schlecht, wenn ich an das Frühstück im Flugzeug denke.

  3. Antworten

    Mandy

    10. März 2016

    Liebe Julia,

    für dich war es bestimmt eine der schlimmsten (Heim-)Reisen, aber dafür hast du eine sehr lustige Geschichte zu erzählen. Ich musste das ein oder andere Mal wirklich lachen.
    Danke für deine amüsante Geschichte!

    Liebe Grüße
    Mandy

    • Antworten

      Julia

      13. März 2016

      Hallo Mandy,
      diese Heimreise war wirklich zum Schreien :)
      Im Nachhinein kann ich zum Glück darüber lachen und würde
      wahrscheinlich wieder in ein Flugzeug von AirIndia steigen.
      Liebe Grüße aus Berlin,
      Julia

  4. Antworten

    Kathi

    5. Juni 2016

    Haha ich musste gerade so schmunzeln. Bin ich froh, dass wir nicht mit Air India nach Indien geflogen sind, sondern mit Austrian Airlines (die aber mittlerweile die Verbindung nach Wien eingestellt haben – verdammt). Scheint ein Erlebnis zu sein, mit Air India haha!
    Liebste Grüße und eine Umarmung aus Wien,
    Kathi

    • Antworten

      Julia

      6. Juni 2016

      Liebste Kathi,
      was ich damals erlebt habe, war wirklich der Oberknaller. Es kamen einfach
      so viele unglückliche Umstände zusammen, dass die Heimreise ein komplettes
      Desaster war. Trotzdem würde ich mittlerweile wieder mit Air India fliegen,
      schon alleine um der Airline noch eine Chance zu geben, mich eventuell doch
      noch zu überzeugen. Es kann ja wohl nicht immer alles so dermaßen schief
      laufen oder? ;)
      Alles Liebe und eine Umarmung zurück aus Berlin,
      Julia

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Hey, ich bin Julia,

Reisebloggerin, Fotografin und Buchautorin. Am glücklichsten bin ich draußen in der Natur, beim Wandern, mit frischer Luft in den Lungen, Sonne im Gesicht und meiner Kamera im Gepäck. Auf globusliebe.com findest du Inspiration und Tipps rund um verantwortungsvolles Reisen und einen nachhaltigen Lebensstil.

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