Stille Retreat im Schwarzwald: Was 5 Tage Schweigen mit mir gemacht haben

Stille Retreat Bad Antogast Art of Living im Schwarzwald
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Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller dreht. Ohrenbetäubender Lärm und ständige Reizüberflutung umgeben uns so selbstverständlich, wie die Luft, die wir atmen. Wir checken Nachrichten im Minutentakt, scrollen unbewusst durch unsere Feeds, lassen uns rund um die Uhr berieseln und merken dabei gar nicht, wie sehr uns das zermürbt.

Wir hetzen von einem Termin zum nächsten, essen vor dem Bildschirm und haben ständig das Gefühl, funktionieren zu müssen. Das Tempo ist so hoch, als würden wir mit 300 Stundenkilometern über die Autobahn fetzen, während rechts und links das Leben an uns vorbeizieht. Den Kontakt zu uns selbst haben wir dabei längst verloren.

Du findest dich in diesem Alltagsstrudel wieder? Dann ist ein Stille Retreat in Bad Antogast vielleicht genau das Richtige für dich. In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen aus dem Meditationszentrum Art of Living und erzähle dir, was fünf Tage Schweigen, Meditation und Yoga im Schwarzwald mit mir gemacht haben.

Was ist ein Stille Retreat?

Wer beim Begriff „Stille Retreat“ an einen entspannten Wellnessurlaub denkt, bei dem man mit einem Glas Prosecco im Whirlpool chillt und zwischendurch eine Massage genießt, liegt falsch. Beim Stille Retreat in Bad Antogast geht es um etwas viel Tiefgreifenderes. 

Es geht darum, mal nicht funktionieren zu müssen und stattdessen komplett abzuschalten. Es geht darum, den Geist zur Ruhe zu bringen, mit dir selbst alleine zu sein und deine eigene Stimme wiederzufinden, die im lauten Alltag so leise geworden ist, dass du sie kaum noch wahrnimmst. Ein Stille Retreat ist die vielleicht ehrlichste Auszeit, die du dir gönnen kannst, weil sie nicht nur deinen Körper entspannt, sondern dem Lärm in deinem Kopf den Stecker zieht. 

Meine Erfahrungen beim Stille Retreat in Bad Antogast

1. Ich möchte schreien

Irgendwo zwischen Stuttgart und Offenburg geht gar nichts mehr. Die Bahn hat bereits drei Stunden Verspätung und meine Geduld hängt an einem seidenen Faden. In dem brechend vollen Abteil, in dem ich sitze, wird ein Hörspiel des menschlichen Wahnsinns aufgeführt. Ein Kleinkind schreit seit Stunden vergeblich um die Aufmerksamkeit seiner Mutter, die in ihr Smartphone versunken ist und es nicht zu bemerken scheint.

Daneben brüllt ein Mann im Anzug irgendwelche Quartalszahlen so lautstark ins Telefon, dass alle Mitreisenden unfreiwillig an seinem Meeting teilnehmen. Eine Gruppe Teenager spielt sich währenddessen gegenseitig TikTok Videos vor. Haben die keine Kopfhörer?

Wie hält man diesen Lärm bloß aus?

Die Luft ist stickig und riecht nach Döner. Ich möchte schreien. Stattdessen schließe ich die Augen. Wenn das hier meine letzte Begegnung mit der zivilisierten Welt ist, bevor ich fünf Tage schweige, dann ist es vielleicht genau die richtige Einstimmung auf mein Stille Retreat.

2. Ankunft im Meditationszentrum Art of Living in Bad Antogast

Als ich erschöpft in Oppenau auf den Bahnsteig trete, wartet bereits der Art of Living Shuttle auf mich. Die Straße wird schmaler und kurviger, die Tannen rücken dichter zusammen, die letzten Häuser verschwinden hinter den Bäumen und der Lärm verstummt. Das Maisachtal öffnet sich und ich spüre, wie sich meine Anspannung löst. Nach etwa fünf Kilometern erreichen wir das Meditationszentrum Bad Antogast.

Vor über 650 Jahren zum ersten Mal urkundlich erwähnt, gehörte Bad Antogast einst zu den besten Heilbädern des Schwarzwaldes. Die Antoniusquelle, die dem Bad ihren Namen gab, wurde bereits 1519 erschlossen. Gäste aus Europa, Russland und Amerika kamen im Gefolge der gekrönten Häupter, unter anderem des russischen Zaren Alexander II.

Heute wird hier meditiert, denn seit über 30 Jahren ist Bad Antogast das europäische Zentrum der Art of Living Foundation. Der besondere Charme und diese eigentümlich schöne Mischung aus vergangener Noblesse und spiritueller Schlichtheit ist noch immer zu spüren.

Ich beziehe mein einfach eingerichtetes Einzelzimmer. Kein Fernseher, kein Schnickschnack, keine Ablenkung. Nur mein Bett, ein Tisch, Fenster mit Blick ins Grüne und wunderbare Ruhe. Am Abend lerne ich die anderen 16 Teilnehmer sowie die Kursleiterin des Stille Retreats kennen.

Einzelzimmer beim Stille Retreat in Bad Antogast Art of Living
Mein Zimmer in Bad Antogast

3. Vorbereitung auf die Stille im Art of Living Zentrum

In den ersten anderthalb Tagen dürfen wir noch sprechen, denn bevor wir in die Stille gehen, müssen wir die Werkzeuge kennen, die uns durch sie begleiten werden. Wir lernen die Grundlagen der Meditation sowie die Sudarshan Kriya, eine kraftvolle Atemtechnik, die das Nervensystem beruhigt und Stress lösen soll.

Außerdem hören wir spannende Vorträge über die unterschiedlichen Zustände des Geistes, über Chakren, das Ego, den Atem und lernen Techniken, um uns aus nervigen Gedankenspiralen zu lösen.

Am zweiten Abend ist es dann endlich soweit: Die Kursleiterin leitet die Stille ein. Ab nun dürfen wir drei volle Tage nicht sprechen und auch alles andere, was den Geist beschäftigt, ist tabu. Das bedeutet keine Bücher, keine Musik, keine Podcasts oder sonstige Ablenkung. Die Smartphones werden ausgeschaltet.

Art of Living Meditationszentrum Bad Antogast

4. Wie sieht ein Tag im Stille Retreat aus? 

Die darauffolgenden Tage beginnen um sieben Uhr auf der Yogamatte. Während draußen noch der Morgennebel über den Wiesen liegt, wecken wir unsere Körper mit sanften, wohltuenden Bewegungen auf. Anschließend praktizieren wir kraftvolle Atemtechniken, wie Bhastrika und Sudarshan Kriya.

Um 8.15 Uhr gibt es ein köstliches ayurvedisches Frühstück: Warmer Haferbrei mit Gewürzen, gedünstetem Obst und Nüssen. Das ist nahrhaft und regt das Verdauungsfeuer Agni an. Wir sitzen dabei an langen Tischen, jeder schweigend für sich alleine und essen langsam und bewusst. Wann habe ich das zuletzt getan?

Nach einer freien Stunde treffen wir uns wieder im Meditationssaal. Wir versinken in der Stille, üben uns in Meditation, beobachten den Atem und versuchen, den Geist zur Ruhe zu bringen, was sich leichter anhört als es ist. Der Rest des Tages wechselt zwischen Yoga, Mahlzeiten, Meditationen, Übungen und Vorträgen, bis ich gegen 21 Uhr erschöpft ins Bett falle.

In den Pausen spaziere ich durch die Natur und versuche die Landschaft bewusst wahrzunehmen. Ich lausche dem Zwitschern der Vögel und dem leisen Plätschern der Maisach. Anstatt das Handy aus der Hosentasche zu ziehen und zwischendurch schnell die Emails zu checken, wie ich es sonst immer tue, schweift mein Blick über die sanften Hügellandschaft des Schwarzwaldes.

Tagesablauf im Stille Retreat Bad Antogast Art of Living
ayurvedisches Essen im Stille Retreat in Bad Antogast

5. Meditation beim Stille Retreat - Der springende Affe im Kopf

Meine schwierigste Lektion beim Stille Retreat ist nicht das Schweigen an sich, sondern viel mehr mein Geist und die Tatsache, wie erschreckend wenig Kontrolle ich über ihn habe.

Auf meinem Meditationshocker* kniend soll ich meinen Atem beobachten und die Gedanken wie Wolken vorbeiziehen lassen. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Stattdessen springt mein Geist wie ein hyperaktiver Affe von Ast zu Ast und ich denke an die absurdesten Dinge. Erst ploppt die Einkaufsliste auf, dann die unbeantworteten Emails, dann eine private Sorge, die seit Monaten an mir nagt. Und ehe ich mich versehe, entwickle ich in Gedanken ein vollständiges Marketingkonzept für einen Auftrag, der nächste Woche seine Deadline hat.

Mein Geist springt wild zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her. Nur im Hier und Jetzt zu sein will mir einfach nicht so richtig gelingen. Zumindest nicht länger als ein paar Minuten. Immerhin.

Und doch passieren in diesen Stunden im Stille Retreat in Bad Antogast Dinge, die ich nicht erwartet hatte. Mitten in einer Atemübung steigt eine heftige Wut in mir auf, bei einer geführten Meditation fließen plötzlich die Tränen, bei einer anderen muss ich lachen. Emotionen und Gefühle, die im lärmenden Alltag keinen Platz hatten, wollen hier endlich angeschaut werden.

Art of Living Meditationszentrum Bad Antogast
Wissenssätze Stille Retreat Bad Antogast Schwarzwald

6. Seva - Spülen als spirituelle Übung

Zum durchgetakteten Tagesablauf im Stille Retreat gehört auch der sogenannte Seva, der selbstlose Dienst an der Gemeinschaft. Jeden Abend nach dem Essen werde ich zum 30-minütigen Spülen in der Küche eingeteilt. Widerstand macht sich breit. Ich habe für dieses Retreat Geld bezahlt und jetzt soll ich auch noch spülen?

Als ich dann mit drei anderen Teilnehmerinnen in der Küche stehe und riesige Schüsseln ins Schaumbad tunke, werde ich überraschend ruhig. Um mich herum klappern Gläser und Teller, scheppern Töpfe, rauscht die Spülmaschine. Es ist laut und auch ein bisschen chaotisch, aber genau das macht es zur eigentlichen Übung, denn inmitten dieses Trubels bei sich zu bleiben ist noch einmal etwas völlig anderes als im stillen Meditationssaal.

Plötzlich treffen sich unsere Blicke und wir lachen aus tiefstem Herzen. Es ist absurd und gleichzeitig wunderschön, wie viel wir uns sagen können, ohne auch nur einen Laut von uns zu geben. Am Ende sind die abendlichen Spüldienste eines meiner Highlights des gesamten Stille Retreats. Wer hätte das gedacht?

7. Was die Stille wirklich bedeutet

Das Schönste an diesen Tagen in Stille ist, dass ich zur Abwechslung mal nicht funktionieren muss. Ich habe jegliche Verantwortung abgegeben, mich erreichen keine Emails und keine Nachrichten. Nicht mal was in der Welt passiert bekomme ich mit und ich merke, wie unglaublich befreiend das ist.

Wenn die äußeren Ablenkungen wegfallen kommt zuweilen sogar Langeweile auf. Richtige, echte Langeweile, wie ich sie seit sehr vielen Jahren nicht mehr gespürt habe. Und anstatt sie reflexartig wegzuscrollen, sitze ich einfach da und lasse sie zu. Wie gut sich das anfühlt.

Aber natürlich kommen in der Stille auch unangenehme Gefühle und Themen hoch, die angeschaut werden möchten und so stelle ich mir Fragen, die ich im Alltag erfolgreich verdränge: Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht arbeite? Was will ich wirklich, jenseits von Erwartungen und Verpflichtungen? Was brauche ich? Und was schleppe ich seit Jahren mit mir rum, ohne es zu hinterfragen?

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Buchtipps

Du sehnst dich nach Stille? Meine liebsten Bücher zu diesem Thema sind Stille: Ein Wegweiser*, Stille finden in einer hektischen Welt* und Raum für Stille*. Ich habe alle drei Bücher seit vielen Jahren und schaue immer wieder gerne rein.

8. Zurück in die laute Welt

Am letzten Morgen des Stille Retreats brechen wir das Schweigen. Doch anstatt es direkt aus mir heraussprudelt wie ein Wasserfall, möchte ich den schützenden Mantel der Stille noch gar nicht so richtig ablegen. Als die Kursleiterin uns bittet ein erstes Wort zu sprechen, ist meines "Danke".

Ich fühle eine tiefe Dankbarkeit für das, was ich in Bad Antogast erleben durfte. Für die innere und äußere Stille, für die herzlichen Menschen, die mich in dieser Zeit wortlos begleitet haben, für das grandiose ayurvedische Essen und für diesen Ort, der mir gezeigt hat, wie viel Kraft entsteht, wenn der Geist zur Ruhe kommt.

Auf der Heimreise im Zug sitze ich wieder inmitten einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse zwischen 35 fremden Menschen, die alle auf ihr Smartphone glotzen. Ich bin die einzige im gesamten Abteil, die aus dem Fenster schaut und wünsche mir in diesem Moment nichts sehnlicher als Stille. Verrückte Welt! 

Mein Fazit zum Stille Retreat in Bad Antogast

Das Stille Retreat im Schwarzwald hat mich geerdet. Ich habe viel geschlafen, eigene Gedanken zugelassen und gelernt, dass der Atem das mächtigste Werkzeug ist, das ich habe, um mich aus Gedankenspiralen zu lösen und ins Jetzt zurückzufinden.

Es war eine der besten Entscheidungen seit langem, weil ich wieder einmal erleben durfte, wie viel Kraft in der Stille liegt und wie viel Verbindung entsteht, wenn mal nichts gesagt wird. Zurück bleibt ein Gefühl von Frieden, tiefer Dankbarkeit und die Erkenntnis, dass Stille der wahre Luxus unserer heutigen Zeit ist.

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Infos und Fragen zum Stille Retreat in Bad Antogast

Für wen eignet sich das Stille Retreat in Bad Antogast?

Das Stille Retreat in Bad Antogast eignet sich meiner Meinung nach für alle, denen der Lärm im hektischen Alltag öfters mal zu viel wird, die mal nicht funktionieren und stattdessen ein paar Tage wirklich abschalten wollen. Ohne Worte, ohne Ablenkung und ohne Kontakt zur Außenwelt gelingt es, den Geist zur Ruhe zu bringen und wieder bei sich selbst anzukommen.

Ich empfehle es vor allem Menschen, die häufig gestresst sind, zu viel Zeit am Smartphone verbringen und sich von früh bis spät berieseln lassen. Außerdem eignet sich das Stille Retreat auch für diejenigen, die schon lange mit dem Gedanken spielen zu meditieren, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen, denn die Techniken, die du in Bad Antogast lernst, lassen sich wunderbar im Alltag weiterführen.

Info & Buchung des Retreats: Art of Living


Kann man als Anfänger an einem Stille Retreat teilnehmen?

Ja, das Stille Retreat im Art of Living Zentrum in Bad Antogast ist ausdrücklich auch für Einsteiger geeignet. Die erfahrenen Kursleiter und Kursleiterinnen begleiten die Gruppe durch alle Übungen und es werden keine Vorkenntnisse vorausgesetzt.


Wie viel kostet das Stille Retreat in Bad Antogast?

Der Preis für das Stille Retreat richtet sich nach der gewünschten Zimmerkategorie und enthält sowohl die Kursgebühr, die Unterbringung für fünf Nächte und eine unglaubliche leckere vegetarische Vollverpflegung.

  • 890 € Einzelzimmer mit Bad
  • 840 € Doppelzimmer mit Bad
  • 790 € Einzelzimmer mit Bad auf dem Flur
  • 720 € Doppelzimmer mit Bad auf dem Flur

Wie lange dauert das Stille Retreat in Bad Antogast?

Das Retreat dauert insgesamt sechs Tage und ging bei mir von Montag bis Samstag. Das Schweigen beginnt ab dem zweiten Abend und dauert dann drei volle Tage.


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