Flugscham Dürfen wir noch fliegen
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Dürfen wir in Zeiten der Klimakrise noch in den Urlaub fliegen?

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7. März 2020

Immer mehr Menschen setzen sich für Nachhaltigkeit ein. Wir kaufen regional und bio, vermeiden Plastik, wo immer es möglich ist, fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit, ernähren uns vegan und viele von uns gehen sogar freitags auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Doch beim Fliegen endet das Umweltbewusstsein häufig, denn auf den wohlverdienten Jahresurlaub möchte niemand verzichten. Nicht selten ernten wir für diese Entscheidung heftige Kritik.

Ist diese Kritik gerechtfertigt? Dürfen wir in Zeiten der Klimakrise überhaupt noch fliegen? Falls ja, sollten wir uns dann nicht wenigstens dafür schämen, dass wir ins Flugzeug steigen? Oder ist es völlig in Ordnung ab und zu eine „kleine“ Umweltsünde zu begehen? Und überhaupt: Wie schädlich ist das Fliegen eigentlich für unseren Planeten?

Klimakrise Dürfen wir noch fliegen

Das schlechte Gewissen fliegt mit

Nachdem ich mich Mitte 2019 dazu entschied, meine nachhaltige Lebenseinstellung auch auf das Reisen und auf meinen Job zu übertragen, legte ich eine sieben-monatige Flugpause ein. Für die meisten mag das nicht nach einer herausragenden Leistung klingen. Für mich war es jedoch einer von vielen wichtigen Schritten in die richtige Richtung. Immerhin gab es Zeiten, in denen ich 20 Mal pro Jahr im Flugzeug saß (und trotz Flugangst sogar stolz auf meinen Vielflieger-Lifestyle war). Heute schäme ich mich dafür.

Im Februar 2020 stieg ich also wieder in eine Maschine, um mit meiner Familie nach Madeira zu fliegen. Rund vier Stunden Flugzeit, 3.311 Kilometer, 712 Kilogramm CO2 pro Strecke. Das schlechte Gewissen flog mit, denn mit Hin- und Rückflug hatte ich bereits mehr als die Hälfte des klimaverträglichen CO2-Jahresbudgets eines Menschen verballert.

Flugscham nachhaltig fliegen

 

Darüber hinaus wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, wie stark der Flugverkehr in den letzten Jahren zugenommen hat. Kurz nach dem Boarding wurde der Start unserer Maschine um eine halbe Stunde verschoben. Der Flugraum über Frankreich war zu diesem Zeitpunkt so überfüllt, dass keine Startgenehmigung erteilt wurde. Später, als wir über den Wolken waren, kamen uns so viele Flugzeuge entgegen wie Autos auf der A3. Das hatte ich bisher noch nie erlebt.

Aber kein Wunder, denn seit 1990 hat sich die Zahl der Flugpassagiere vervierfacht. Bis 2040 rechnet die Branche mit 9,4 Milliarden Fluggästen. Ich frage mich, wie das in Zukunft funktionieren soll, wenn wir schon heute nicht nur auf Autobahnen, sondern auch im Himmel im Stau stehen!?

Flugscham Klima Fußabdruck

Wie schädlich ist Fliegen wirklich?

Fliegen gilt als Klimakiller Nummer eins, aber wie schädlich ist es wirklich für unsere Umwelt? Flugbefürworter argumentieren, dass der Luftverkehr für weniger als drei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist. Weitaus schlimmere Umweltsünder sind beispielsweise die Strom- und Wärmeerzeugung mit rund 42 Prozent, der Straßenverkehr mit 18 Prozent oder die Landwirtschaft mit sieben Prozent.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn oft wird verschwiegen, dass Treibhausgasemissionen in der Höhe einen weitaus schädlicheren Effekt haben als auf dem Boden. Laut Corinna Gahter, Emissionsexpertin beim Umweltbundesamt, wirken sie etwa zwei bis vier Mal so stark. Einmal freigesetzt bleibt das Kohlenstoffdioxid für mehrere hundert Jahre in der Atmosphäre und trägt nicht nur zum Treibhauseffekt und dem Anstieg des Meeresspiegels, sondern auch zum Versauern der Ozeane und zum Korallensterben bei.

Außerdem ist es nicht nur das ausgestoßene CO2, das der Umwelt schadet. Auch Stickoxide, Wasserdampf, Feinstaub und Kondensstreifen treiben die Erderwärmung voran. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird der Flugverkehr im Jahr 2050 für fast ein Viertel aller globalen Emissionen verantwortlich sein. Das prognostiziert die Europäische Umweltagentur. 

Fliegen in Zeiten der Klimakrise

Wir können das Fliegen nicht verbieten

Zugfahren statt fliegen ist eine wunderbare Idee, die sich vor allem innerhalb Deutschlands und mit etwas mehr Zeit und Geld auch innerhalb Europas umsetzen lässt. Wären da nicht die enormen Preisunterschiede, die uns einen Kurzstreckenflug verständlicherweise immer schmackhafter machen als eine Fahrt im teuren Nachtzug.

Wären da nicht das große Fernweh und die Lust auch mal Asien, Amerika oder Afrika kennenzulernen. Wären da nicht die Partner, Freunde und Verwandten, die im Ausland leben. Wäre da nicht die unvorstellbare Masse an Arbeitsplätzen, die vom Tourismus, insbesondere vom Flugverkehr, abhängig ist. Und wären da nicht all die Güter, die per Flugzeug importiert werden, damit auch im Januar Ananas und Bananen in unseren Supermarktregalen liegen.

Bei nicht allzu großen Distanzen mag das Bahnfahren ein sehr guter Lösungsweg sein. Das Fliegen komplett durchs Zugfahren zu ersetzen oder gar zu verbieten halte ich jedoch für utopisch, denn dafür hat der Luftverkehr zu viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile. 

Dürfen wir noch fliegen

Wie kann Fliegen nachhaltiger werden?

Das Fliegen selbst können wir also nicht verbieten. Wir können und sollten es jedoch reduzieren und es muss nachhaltiger werden. Aber wie? Hier findest du einige Vorschläge, was jeder Einzelne tun kann:

Geschäftsreisen reduzieren: Müssen Businessleute wirklich morgens von München nach Berlin und abends wieder zurück fliegen, um an einem Meeting teilzunehmen? Bei all dem Fortschritt müssten Firmen doch mittlerweile dazu in der Lage sein ihre Besprechungen per Videokonferenz abzuhalten. Das wäre nicht nur besser für die Umwelt, sondern es würde auch Kosten und Zeit sparen.

➸ Kurztrips vermeiden: Mal eben übers Wochenende nach Rom, London oder Paris zu fliegen belastet die Umwelt enorm. Statt Kurzstreckenflügen tut es vielleicht auch mal ein Wochenendausflug an die Nord- oder Ostsee oder in die bayrischen Berge. Es gibt so viele wunderschöne Ziele, die du bequem per Zug, Bus oder Auto erreichen kannst. Inspiration findest du in meiner Deutschland Rubrik.

➸ Inlandsflüge ersetzen: Innerhalb Deutschlands von A nach B zu fliegen ist für mich mittlerweile ein absolutes No-Go. Früher pendelte ich regelmäßig per Billigflieger zwischen Köln und Berlin. Das kostete mich eine Stunde Fahrt zum Flughafen, ein bis zwei Stunden für Check-in und Sicherheitskontrolle, eine Stunde Flug und eine Stunde Bahnfahrt vom Flughafen zum Endziel. Heute pendele ich per Bahn, steige nur wenige Minuten von zu Hause entfernt in den Zug, bin innerhalb von fünf bis maximal sechs Stunden am Berliner Hauptbahnhof und acht Minuten später in meiner Wohnung. Wenn ich früh genug buche, ist auch der Preis vollkommen angemessen. 

➸ Direktflüge bevorzugen: Bei Langstrecken ist das Fliegen meist nicht vermeidbar. Um den Schaden möglichst gering zu halten, solltest du Direktflüge bevorzugen. So kommst du nicht nur schneller und entspannter an, sondern du sparst auch CO2, das vor allem bei Start und Landung ausgestoßen wird. Des weiteren ist die Flugstrecke mit Zwischenstopp meist viel länger.

➸ Weniger Gepäck mitnehmen: Eine einfache Möglichkeit, um Kerosin einzusparen, ist die Gewichtsreduzierung des Flugzeuges. Hier sind in erster Linie zwar die Airlines gefragt, die die Flugzeuge ausstatten, aber auch du selbst kannst einen kleinen Beitrag leisten, indem du weniger Gepäck mitnimmst. Unterm Strich verbraucht jedes Kilo, das nicht transportiert wird, weniger Treibstoff.

➸ Länger bleiben: Sicher ist nicht jeder in der glücklichen Lage ein halbjähriges Sabbatical nehmen zu können. Einmal pro Jahr eine große Reise machen und ein einziges Land dabei intensiv kennenlernen anstatt vier Mal im Jahr für kurze Zeit wegzufliegen, das kann allerdings jeder.

➸ Umweltfreundlichere Airlines wählen: Wer möglichst umweltschonend fliegen möchte, sollte Airlines unterstützen, bei denen Nachhaltigkeit zumindest eine kleine Rolle spielt. Ein gutes Tool dafür ist der Airline Index von Atmosfair. Er analysiert die Klimaeffizienz von Fluggesellschaften und bewertet sie nach ihren durchschnittlichen Emissionen. Am besten schneiden zum Beispiel TUI Airways, Thomas Cook und KLM ab.

➸ Flüge kompensieren: Die große Frage beim Kompensieren von Flügen lautet: Schützen wir damit wirklich das Klima oder beruhigen wir nur unser schlechtes Gewissen? Die Meinungen dazu gehen stark auseinander. Fakt ist, dass die Emissionen, die wir beim Fliegen verursachen durch eine Ausgleichszahlung nicht weniger werden. Mit dem Geld werden lediglich Projekte unterstützt, die CO2 an anderen Stellen einsparen, zum Beispiel durch Windparks oder durch die Aufforstung von Wäldern.

Kritiker sehen Flugkompensationen deshalb oft als Greenwashing. Fest steht jedoch, dass es eine der wenigen Möglichkeiten ist, das Fliegen zumindest ein bisschen nachhaltiger zu gestalten. Ein klimafreundliches Projekt zu unterstützen ist besser als gar nichts zu tun. Leider ist das Kompensieren bisher nur eine freiwillige Option, die nur wenige Menschen nutzen. Meiner Meinung nach müsste die Ausgleichszahlung gleich im Ticketpreis enthalten sein.

➸ CO2 im Alltag minimieren: Ein nachhaltiger Lebensstil kann natürlich keine Rechtfertigung fürs Fliegen sein, kann aber dazu beitragen, dass insgesamt weniger CO2 verbraucht wird. Was du zum Beispiel tun kannst: Den Konsum tierischer Produkte minimieren, mehr mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto fahren, effizient heizen, regionale und saisonale Lebensmittel einkaufen, auf Plastik verzichten, Reinigungsmittel und Kosmetik selbst herstellen, faire Kleidung kaufen und Gebrauchsgegenstände reparieren statt neu anschaffen. 

Dürfen wir noch fliegen Umweltschutz

Was Politik und Airlines tun können

In nachhaltigere Treibstoffe investieren: Das größte Problem beim Fliegen ist der Ausstoß von klimaschädlichem Kerosin. Eine Lösung wäre es, klimaneutrale Treibstoffe zu fördern. Zum Glück ist die Forschung an dieser Stelle schon recht weit. 2019 flog bereits das erste Passagierflugzeug mit Biotreibstoff aus einer ölreichen Salzwasserpflanze von Abu Dhabi nach Amsterdam. Andere Kraftstoffe werden sogar aus Abfällen gewonnen.

➸ Steuern erheben: Ich bin ganz bestimmt keine Expertin in Sachen Politik und Steuern, verstehe aber einfach nicht, warum Kerosin nicht besteuert wird (wie alle anderen Kraftstoffe auch) und warum internationale Flugreisen von der Mehrwertsteuer befreit sind. Beides verschafft dem Flugverkehr einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Verkehrsmitteln. Würde sich das ändern, würden ganz sicher mehr Leute die Bahn vorziehen.

➸ Plastikmüll reduzieren: Nach jedem Langstreckenflug bleibt ein ganzer Sack an Plastikmüll zurück und das von nur einem einzigen Passagier. Das Essen ist in Plastik verpackt, das Besteck besteht aus Plastik, die Kaffeesahne, die Plastikzahnbürste sowie die in Plastik verpackten Plastikeinwegkopfhörer. Ganz zu schweigen von den Unmengen an Plastikbechern, die tagtäglich weggeworfen werden. Wieso wird dieser Wahnsinn nicht verboten?

➸ Nachhaltiges Essen anbieten: Unabhängig davon, ob man sich sonst vegetarisch oder vegan ernährt oder Fleisch isst, bin ich davon überzeugt, dass jeder Passagier zumindest für die eine Mahlzeit an Bord auf Fleisch verzichten kann. Alleine durch diese eine fleischlose Mahlzeit könnte so viel Tierleid vermieden, die Massentierhaltung eingedämmt und somit Tonnen an CO2 eingespart werden.

Fliegen Klimakrise

Dürfen wir nun fliegen oder nicht?

Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage: Dürfen wir nun noch in den Urlaub fliegen oder etwa nicht? Ganz ehrlich: Für den Planeten wäre es besser, wenn wir komplett aufs Fliegen verzichten würden. Realistisch gesehen ist ein Flugverbot jedoch ebenso unmöglich wie ein Leben ganz ohne CO2 Ausstoß.

Meiner Meinung nach geht es auch gar nicht darum, sich zu Hause einzuschließen und auf jegliche Transportmittel zu verzichten. Ein grundsätzliches Verbot von Flugreisen hat im Übrigen niemand gefordert, selbst Klimaaktivisten und die Grünen nicht.

Was wir stattdessen dringend brauchen sind ein Handeln von Seiten der Politik sowie ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Fliegen. Fliegen muss nachhaltiger werden! Außerdem müssen wir alle unser Reiseverhalten hinterfragen, müssen uns einschränken, müssen verzichten und reduzieren.

Es wird hier auf globusliebe immer ums Reisen gehen. Deshalb lautet meine Message nach wie vor: Reist. Schaut euch die Welt an. Lernt andere Kulturen kennen. Genießt das Leben!

Aber bitte tut es mit Vernunft. Verhaltet euch nicht rücksichtslos. Zerstört nicht diesen wundervollen Planeten und stellt euch viel öfter mal die Frage, wie oft ihr wirklich mit dem Flugzeug unterwegs sein müsst. Reicht es vielleicht auch aus, einmal im Jahr zu fliegen und die restlichen Urlaube im eigenen Land zu verbringen oder per Zug und Bus durch Europa zu reisen? 

Niemand muss sich dafür schämen in den Urlaub zu fliegen. Es geht lediglich ums Maßhalten. Doch das begreifen die meisten Menschen leider nicht. Ich wünsche mir deshalb, dass wir uns die Sache mit dem Fliegen zu Herzen nehmen und dass wir wieder schätzen lernen, welch ein Luxus das Fliegen doch eigentlich ist. Anstatt es komplett zu verteufeln und andere Menschen zu verurteilen, wenn sie ins Flugzeug steigen, sollte das Reisen wieder zu etwas Besonderem und der Flug in den Urlaub wieder zum Erlebnis werden. 

Hinterlasst mir gerne eure Meinung zu diesem Thema in den Kommentaren.

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10 Kommentare
  1. Antworten

    Udo

    7. März 2020

    Oops, als REISEBLOGGERIN!!! sich diesem Thema zu nähern ist mutig…. Und heuchlerisch!
    So gut wie alle in dieser Zunft versuchen mit geschönten, gestellten Fotos und oberflächlichen Stories billig Reisen – nach Möglichkeit – Luxusreisen von der Tourismusindustrie abzugreifen. Gleichzeitig wird allen vorgegaukelt wie toll doch so ein ungezwungenes Reiseleben ist. Erfolgreiche Blogger die Reisen ernst nehmen, sich für Land, Menschen, Gesellschaft, Politik und Historie aber auch den Problemen des Reiselandes auseinandersetzen und kritisch reisen sind sehr sehr rar, leider. Und dieser Blog gehört wohl eher nicht zu letzteren.
    Und nebenbei werden auch noch die schützenswertesten und schönsten Ecken der Erde den reisewütigen Instagram-Junkies zur Nachahmung/Nachstellung der „tollen“ Fotos angepriesen.
    Echtes, nachhaltiges Reisen geht anders.
    Leider wird so ein „unschöner“ Kommentar immer entfernt, passt ja nicht in die heile Welt der Hochglanzillusion.

    • Antworten

      Julia

      7. März 2020

      Hallo Udo Junak,
      negative Kritik ist selbstverständlich erlaubt und wird nicht gelöscht. Bevor du virtuell um dich schießt und andere Menschen öffentlich angreifst, solltest du dich jedoch besser informieren und keine Lügen verbreiten. Den Artikel hast du wohl nicht gelesen und auch keinen einzigen weiteren auf diesem Blog :)
      LG Julia

  2. Antworten

    Titus von Unhold

    7. März 2020

    Kann man die Fliegerei wirklich nicht verbieten? Ich sehe da absolut kein Problem, sofern man das „Arbeitsplatzargument“ einfach mal nicht beachtet. Denn egal um welche Maßnahmen es geht, holt irgend eine Lobby immer die Arbeitsplätze aus der Tasche. Ob es 1664 war, als man im frühindustrialisierten England Kinderarbeit auf 16 Stunden begrenzt hat, in den 1970er Jahren der jungen BRD als man die 5-Tge-Woche einführte oder krüzlich beim Mindestlohn.

    Das Argument dahinter ist aber ein anderes: Es geht um Quantität statt Qualität. Bis in die 1990er Jahre waren die Preise für die Flüge staatlich reguliert und – oh Wunder – niemand hat vom roten Reiter des Kommunismus gesprochen. Nein, es war einfach normal. Diesen Zustand könnte man binnen Stunden wieder erreichen, in dem man einfach die Start- und Landegebühren erhöht und die Slots beschränkt. Das geht sogar ohne Gesetz, denn die Großen Verkehrsflughäfen in Europa gehöen nahezu alle den Staaten und sind Eigenbetriebe.

  3. Antworten

    Nani

    7. März 2020

    Haha, das wollte ich auch fragen – ob Udo den Artikel überhaupt gelesen hat?
    Ich finde es gut, dass Du Dich inzwischen so selbstkritisch mit dem Thema auseinandersetzt. Als Du noch von Deiner letzten Kreuzfahrt und dem kurzen Trip nach St. Lucia geschrieben hast, habe ich mich gewundert – aber nobody‘s perfect und ich selbst ganz sicher auch nicht und mittlerweile zeigst Du echt viele Alternativen innerhalb von Europa auf – finde ich toll! Mach weiter so, ich lese Deine Artikel immer sehr gern!

  4. Antworten

    Oli

    8. März 2020

    Hi Julia,

    Ich bin zwar kein Experte, aber ich glaube, dir ist bei den Zahlen in Fehler unterlaufen. Die oft genannten 2 bis 3 Prozent sind meines Wissens Kohlenstoffäquivalente. Da ist dann der Effekt von den Kondenzstreifen schon miteinberechnet. So wie du rechnest, zählst du die Sekundärschäden doppelt.

    Was Fluggesellschaften auch noch tun könnten, wäre andere Routen zu fliegen. Oft reicht es 1000 Meter tiefer zu fliegen, um Kondenzstreifen gänzlich zu vermeiden, was die Klimaeffekte verringern würde.

    Gruss,
    Oli

    PS: Der Kommentar von Udo ist erbärmlich.

  5. Antworten

    Insa

    9. März 2020

    Ich habe lange überlegt, wie man mit dieser Frage umgehen soll. Ich selbst bin jemand, der höchstens einmal im Jahr in den Urlaub fliegt (ich glaube es ist erst einmal vorgekommen, dass ich tatsächlich zwei Mal in den Urlaub geflogen bin). Ich habe einen Vollzeitjob und 30 Tage Urlaub im Jahr, die ich dann für Urlaub nutzen kann. Dann ist es verständlich, dass ich lieber fliege, statt mit dem Zug ins Ausland zu fahren, damit ich auch etwas vom Ziel sehen kann und nicht nur unterwegs bin. Zudem fliege ich wahnsinnig gern und es ist jedes Mal (!) etwas besonderes für mich. Vor einiger Zeit habe ich Dienstreisen für Beschäftigte einer deutschen Behörde gebucht und war erschrocken darüber, wie viele Flugreisen alleine in meinem Bereich durchgeführt wurden! Ich finde es mittlerweile unverantwortlich, dass teilweise die Maschinen auf innerdeutschen Flügen fast nur noch aus Geschäftsleuten bestehen! Gerade im Zeitalter der modernen Technik, wo so viel schon durch Videokonferenzen erledigt werden kann.
    Und warum muss man vier-fünf Mal im Jahr für ein verlängertes Wochenende zum Ballermann fliegen, warum zu Shoppen nach London oder zum Christmas Shopping nach New York?
    Ich selbst verbiete mir das Fliegen nicht und finde deinen Artikel sehr gut. Man sollte mit Verstand an die Sache rangehen. Damit fängt Nachhaltigkeit schon an.

  6. Antworten

    Toby & Anna

    11. März 2020

    Interessante Frage, die wir uns auch seit Jahren immer wieder stellen. Wir versuchen so gut es geht aufs Fliegen zu verzichten und sind so von Deutschland bis Australien gereist, ohne einmal in den Flieger zu steigen. Es ist möglich, aber man braucht Zeit! Und in der Regel haben Menschen diese nicht. Ich glaube wir sollten auch unsere Ansicht auf das Reisen verändern, denn die Reise an sich, also der Weg an einen Ort zu kommen wird häufig mit Stress und Unbequemlichkeit verbunden. Oft zu Recht, aber genau hier liegen ja meistens die spannenden, lehrreichen authentischen Momente verborgen! Und muss man wirklich für 2 Wochen nach Asien fliegen? Schöne Strände und interessante Kultur lässt sich auch in Europa selbst finden. Ich finde deine Tipps extrem gut und es kann gute Gründe geben sich für das Fliegen zu entscheiden, nur leider machen sich immer noch viel zu wenig Menschen wirklich darüber Gedanken, ob ein Flug notwendig ist oder ob es nicht auch andere Wege oder alternative Reiseziele gibt die ohne Flugzeug erreicht werden können. Vor allem auch wir Reiseblogger, die sich häufig für Nachhaltigkeit einsetzen wollen, machen beim Fliegen oft beide Augen zu. Niemand ist perfekt und ich plädiere auf jeden Fall auch dafür, dass Menschen reisen: Es hilft Vorurteile abzubauen, sich selbst und die Welt ein bisschen besser zu verstehen und hilft dabei, sein Verhalten und Lebensstil zu überdenken. Schon alleine dafür möchten auch wir das Reisen propagieren. Nur die Art zu reisen, darüber sollte sich mehr Gedanken gemacht werden. Das Fliegen komplett zu verbieten halte ich auch für Fragwürdig und jedem der sich für einen Flug entscheidet fertig zu machen, ist absoluter Schwachsinn. Aber bewusste Entscheidungen zu treffen, das fällt scheinbar vielen Menschen extrem schwer. Politisch gesehen sollten Flüge definitiv teurer werden. Wenn es in Deutschland günstiger ist zu Fliegen, als mit der Bahn zu fahren, dann läuft einfach etwas schief. Danke für deinen Artikel, viele gute Gedanken und Denkanstöße!

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Hey, ich bin Julia,

Reisebloggerin, Fotografin und Autorin der Bücher »Fernweh« und »Wie uns Reisen glücklich macht«. Auf globusliebe findest du wertvolle Reisetipps, die nicht in jedem Reiseführer stehen – sei es für Deutschland oder die Ferne. Da mein Herz nicht nur fürs Reisen, sondern auch für die Erhaltung unseres wundervollen Planeten schlägt, bekommen nachhaltige Themen hier einen immer größeren Fokus.

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