Liebeserklärung Reisen
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Eine Liebeserklärung ans Reisen

Von
5. November 2014

Ich stehe alleine auf dem Gipfel eines Berges. Vor mir liegt die Welt. Stille. Einsamkeit. Schon seit Stunden ist mir keine Menschenseele begegnet. Ich atme die kalte, frische Morgenluft ganz tief ein, schalte meine Gedanken aus und versuche die unglaublichen Eindrücke aufzusaugen, den Moment für immer einzufrieren.

Am liebsten möchte ich die Zeit anhalten, um das Gefühl, das in mir aufsteigt, niemals zu verlieren. Es ist das Gefühl von unendlicher Freiheit. Das Gefühl, das ich beim Reisen am meisten liebe. Ich bin süchtig danach. Süchtig nach der Freiheit, jeden Tag so zu gestalten wie ich möchte, für den Moment zu leben und mich selbst weiterzuentwickeln.

Auf Reisen bin ich frei und glücklich. Ich spüre das pulsierende Leben in meinen Adern, bin neugierig und gespannt, bin offen für die Welt und genieße jede einzelne Sekunde.

Das Privileg des Reisens

Dabei betrachte ich das Reisen nicht als eine Selbstverständlichkeit, sondern als Privileg. Ich betrachte es als ein Geschenk, das ich sehr zu schätzen weiß und für das ich unendlich dankbar bin.

Mir ist bewusst, dass ich das große Glück habe, einen deutschen Reisepass zu besitzen, denn mit diesem Dokument steht mir die Welt offen. Immerhin darf ich mit meinem Pass visumfrei in 145 Länder einreisen (oder erhalte mein Visum bei der Ankunft). Lange nicht alle Menschen auf unserer Welt genießen dieses Privileg. Die Einwohner Myanmars dürfen beispielsweise nur in 28 Länder einreisen. Fair finde ich das nicht.

Reisen

Was mich immer wieder in die weite Welt hinaus treibt, sind meine nicht zu heilende Fernsucht und der große Reiz nach dem Unbekannten. Ich möchte jedes Land der Erde erleben, riechen, schmecken, fühlen und sehen.

In 47 Ländern bin ich bereits gewesen. Manche davon habe ich monatelang intensiv bereist, andere nur auf einem kurzen Stopp kennengelernt. Egal wie lange ich unterwegs war, für mich steht fest:

In der großen, weiten Welt habe ich mehr über das Leben gelernt als die Schule mir je hätte beibringen können.

Ich habe gelernt, dass Erfahrungen und Erlebnisse mir weitaus mehr bedeuten als materieller Besitz und Geld. Das Reisen lehrte mich Dinge wertzuschätzen, die ich früher als selbstverständlich betrachtet habe, wie zum Beispiel eine saubere Dusche mit warmem Wasser, ein großes Bett, frisch gewaschene Wäsche oder deutsches Brot.

Beim Reisen wird mir immer wieder bewusst, wie wenig ich eigentlich zum Leben und zum Glücklichsein brauche, denn weit weg von zu Hause komme ich plötzlich mit dem Allernötigsten aus und kann auf jeglichen Schnickschnack verzichten.

Bei einem Roadtrip durch Australien musste ich mir zeitweise sogar mehrere Tage lang das Duschen abgewöhnen und war trotzdem überglücklich.

„Der Sinn des Reisens besteht darin, die Vorstellungen mit der Wirklichkeit auszugleichen, und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten, sie so zu sehen, wie sie sind“ (Samuel Johnson)

Reisen

Reisen ist nicht immer nur Zuckerschlecken

Viele meiner Freunde und Bekannten beneiden mich um die Abenteuer, die ich bereits erlebt und um die Länder, die ich bereits bereist habe. Doch Langzeitreisen bedeutet nicht immer nur zuckerschleckend auf rosa Wolken von einem paradiesischen Ort zum nächsten zu hüpfen.

Reisen ist kein Dauerurlaub unter Palmen, sondern oftmals eine echte Herausforderung, eine Zumutung und Überwindung. Monatelang unterwegs zu sein bedeutet ständiger Ortswechel, bei dem viel Organisation, aber auch Flexibilität dazugehören. Reisen erfordert den Mut seine eigene Komfortzone zu verlassen und ins Ungewohnte aufzubrechen.

Es erfordert die Offenheit auf andere Menschen zuzugehen und sich durchzuschlagen, auch wenn es mal nicht so läuft wie man es sich vorgestellt hat.

Ich bin auf meinen Reisen schon sehr oft an meine eigenen Grenzen gestoßen, bin gescheitert, habe Entscheidungen bereut und hätte am liebsten völlig verzweifelt alles hingeschmissen.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass das Reisen immer nur toll und wunderschön ist, denn es gab auch schon Momente, in denen ich mich unendlich einsam und unzugehörig gefühlt habe oder in bestimmten Situationen nicht mehr weiter wusste.

Einmal habe ich mich in Neuseeland mitten in den Bergen so dermaßen verlaufen, dass ich völlig aufgeschmissen war. Den kompletten Tag lang begegnete mir keine einzige Menschenseele, ich hatte weder eine Wanderkarte dabei noch Handyempfang. (Ich weiß, das war ganz schön dämlich!) Ich irrte acht Stunden lang durch die Natur und geriet in Panik. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kam ich endlich auf eine asphaltierte Straße und heulte vor Glück los. (Den vollständigen Bericht über meine Horror Wanderung in Neuseeland kannst du hier nachlesen).

Und trotz negativen Ereignissen und schlechten Erfahrungen (oder gerade deshalb) bin ich süchtig nach dem Reisen, der Ferne, dem Unbekannten, dem Abenteuer, denn solche Erfahrungen lassen mich spüren, dass ich lebe.

Reisen

Ich liebe das Eintauchen in fremde Kulturen, denn es bedeutet andere Lebensweisen kennenzulernen und sie mit allen Sinnen aufzusaugen. Dabei riskiere ich natürlich auch mal auf die Schnauze zu fallen oder mir den Magen zu verderben. Aber nur so kann ich Vorurteile über Bord werfen und faszinierende Sitten und Gebräuche entdecken. Ich stehe eben auf Kulturschock!

Reisen ist für mich die Sehnsucht nach dem Leben.

Mit offenen Augen und wachem Verstand reise ich durch die Welt. Ich bin neugierig und liebe die Tatsache nicht zu wissen, was der Tag bringt, mich treiben und überraschen zu lassen. Das ist für mich echte Freiheit!

Auf Reisen folge ich meinem Herzen und lebe für den Moment. Ich bin dankbar für die vielen tollen Momente, die ich bereits erleben durfte, die interessanten Menschen, die ich auf meinen Reisen kennengelernt habe und für die vielen Lektionen, die mich das Reisen gelehrt hat.

Diese Bücher haben mich bei meinen Reisen unglaublich inspiriert:

    

Was macht für dich das Reisen aus? Was inspiriert dich? Was treibt dich immer wieder in die große weite Welt hinaus?

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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15 Kommentare
  1. Antworten

    Sophia

    28. April 2015

    Ein sehr toller Post, mit vielen wahren Worten! Das „Grosse Los“ von Meike Winnemuth (by the way: eine so geniale Frau, habe sie vor kurzem in Hamburg in einem Vortrag erlebt) habe ich auch gelesen – die anderen Bücher kenne ich aber noch nicht. Die werde ich mir gleich mal genauer ansehen :)
    Vielen Dank für deine ehrlichen und ergreifenden Worte
    Sophia

    • Antworten

      julialassner

      28. April 2015

      Ich danke dir Sophia!
      Meike Winnemuth würde ich auch gerne mal persönlich treffen.
      Ist bestimmt eine tolle Frau.
      Ganz liebe Grüße, Julia

  2. Antworten

    Laura

    12. Mai 2015

    Ein sehr toller Artikel mit so vielen wahren Worten.

    Es gibt so viele Menschen die es nicht verstehen was wahrer Reichtum ist, nämlich die Erlebnisse die man auf Reisen hat und die Abenteuer die man erlebt und eben nicht der LED Fernseher der zu Hause steht.

    Ich finde deinen Blog sehr toll geschrieben und wahnsinnig inspirierend!!

    • Antworten

      julialassner

      13. Mai 2015

      Hallo Laura,

      ich danke dir für deine lieben Worte und freue mich sehr, dass ich dich inspirieren kann.
      Und ich gebe dir zu 100% recht: Für mich ist wahrer Reichtum ebenfalls ein erfülltes Leben,
      viele Reisen und tolle Momente und kein materieller Besitz.

      Alles Liebe,
      Julia

  3. Antworten

    Daniel

    5. August 2015

    Hi,

    neben dem Privileg das wir haben kommt ja auch noch das es so unglaublich einfach heutzutage ist. Viel einfacher als noch vor 30 Jahren. Heute kann ich wenigen Minuten hunderte von Flügen vergleichen oder von zu Hause aus mit Google Street View checken wie meine Unterkunft aussieht. Ich kann mich mit Google Maps in JEDER Stadt zurecht finden und mit dem Roller ohne große Sorgen durch die Gegend düsen und finde wieder nach Hause.

    Vor 30 Jahren war das noch ein richtiges Abenteuer. Die Welt ist so klein geworden und zu Hause kriegt das keiner mit, weil alle nur auf die „schlimmen“ Nachrichten hören und sich keinen Schritt vor die Tür wagen. Komische Welt in der wir leben…

    • Antworten

      julialassner

      7. August 2015

      Hey Daniel,
      es ist schon ziemlich verrückt wie fortschrittlich die Welt ist,
      in der wir heute leben, welche Distanzen wir in kürzester Zeit
      ohne Probleme zurücklegen können und wie einfach wir es haben.

      Vielen Dank übrigens fürs Teilen meines Artikels :)
      Alles Liebe,
      Julia

  4. Antworten

    Isa

    4. September 2015

    Eine wunderschöne Liebeserklärung ans Reisen. Du findest einfach immer die richtigen Worte und ich sitze da und nicke und denke mir „ja, genau so empfinde ich auch“. Einfach schön.
    Liebe Grüße aus St. Leonhard im Passeiertal

    • Antworten

      julialassner

      5. September 2015

      Vielen Dank liebe Isa und ganz herzliche Grüße
      aus den White Mountains in Amerika!
      Julia

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Julia Lassner globusliebe

Hi, ich bin Julia,

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