Reisen nach Corona
Alle Berichte Nachhaltigkeit

Reisen nach Corona: Alles wird sich verändern (hoffentlich)

Von
13. Mai 2020

Erinnerst du dich noch an deine allererste große Reise? Vielleicht an die erste Reise ohne Eltern? Oder an die erste Reise ganz alleine? Erinnerst du dich daran, als du zum ersten Mal das Meer gesehen und die salzige Luft auf den Lippen geschmeckt hast? Als du zum ersten Mal auf einem Berggipfel standest und in die Ferne geblickt hast? Erinnerst du dich an deinen ersten Roadtrip? An das Gefühl von endloser Freiheit? An das Kribbeln im Bauch? An die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut? An das Rauschen der Endorphine? An die Glücksgefühle, die du beim Reisen hattest?

Alles war unheimlich aufregend. Alles war neu und unbekannt. Deine Sinne waren geschärft. All die Eindrücke hast du aufgesaugt wie ein Schwamm. Dabei hast du keinen einzigen Gedanken an die Zukunft oder an die Vergangenheit verschwendet. Alles was zählte, passierte im Jetzt. In diesem einen Moment.

Das Reisen wird sich verändern

Doch wie wird das Reisen nach Corona aussehen? Werden wir uns wieder genauso unbeschwert und frei bewegen können, wie wir es all die Jahre zuvor getan haben? Werden wir Landesgrenzen wieder selbstverständlich überschreiten dürfen? Und wird das Reisen bald wieder zu etwas Alltäglichem?

Das Reisen wird sich definitiv verändern. Schon alleine deshalb, weil der Tourismus im Mittelpunkt der Virus-Ausbreitung steht. Zu schnelle Lockerungen können und werden unweigerlich zu neuen Infektionen führen. Das heißt, dass wir in den nächsten Monaten wohl oder übel immer wieder mit erneuten Reisebeschränkungen rechnen müssen.

Da das Bedürfnis nach gesundheitlicher Sicherheit auch beim Reisen steigen wird, müssen wir uns wahrscheinlich erst einmal auf unzählige Regeln und Verbote, auf soziale Distanz und ständige Überwachung einstellen. Denkbar sind zum Beispiel, dass Hotels nur noch jedes zweite Zimmer belegen dürfen und dass Strandliegen und Restauranttische mit Plexiglas voneinander getrennt werden.

Auch die Warteschlangen vor Geschäften, die extremen Hygienemaßnahmen sowie das Tragen von Mundschutz werden uns vermutlich noch sehr lange begleiten. Ob das Reisen unter diesen Umständen dann noch viel mit Freude und Unbeschwertheit zu tun hat, wage ich zu bezweifeln.

Die erste Reise nach Corona

Und doch bin ich überzeugt davon, dass das Reisen nach Corona auch positive Veränderungen mit sich bringen wird. So wird die allererste Reise nach monatelanger Isolation vermutlich sehr bewegend für uns alle sein. Egal wo sie uns hinführen wird – ob wir ein Mikroabenteuer vor der Haustür erleben oder gar Deutschland verlassen – diese erste Reise wird etwas Besonderes. Vielleicht wird sie sogar so besonders, so aufregend, so wundervoll wie beim ersten Mal?!

Ich wünsche mir jedenfalls von ganzem Herzen, dass wir die erste Reise nach Corona (und im besten Fall auch alle darauf folgenden Reisen) nicht als selbstverständlich betrachten, sondern wieder richtig wertschätzen. Ich wünsche mir, dass wir begreifen, welch ein Privileg das Reisen ist und wie glücklich wir uns schätzen können, dass wir die Welt in all ihrer Vielfalt überhaupt erleben dürfen.

Ich wünsche mir, dass das Reisen im Allgemeinen wieder zu etwas Besonderem wird. Weg vom stumpfen Abhaken von Orten und Sehenswürdigkeiten, hin zum echten Erleben, zu echten Abenteuern, zum Reisen um des Reisens Willen.

Lasst uns die Welt in Zukunft nicht einfach so konsumieren, weil der Flug mal wieder ein echtes Schnäppchen war, sondern lasst uns aus tiefstem Herzen über die Schönheit unserer Erde staunen. Lasst uns offen auf fremde Kulturen zugehen und unsere Umgebung mit Kinderaugen betrachten – neugierig und unvoreingenommen.

Ein Herzenswunsch

Außerdem wünsche ich mir, dass uns allen noch einmal mehr bewusst wird, wie schützenswert unser Planet, unser einziger Lebensraum, ist. Dass die Natur ohne den Menschen überleben kann, das haben wir in den letzten Monaten miterlebt. Während wir zuhause saßen und viele Orte wie leergefegt waren, atmete die Natur auf. Durch den Rückgang von Wirtschaft und Verkehr sanken die weltweiten CO2-Emissionen, Ökosysteme erholten sich und in Venedig, wo sich sonst Kreuzfahrtschiffe durch die Kanäle drängen, wurden nach langer Zeit wieder Delfine und Fische gesichtet.

Auch wenn mir bewusst ist, dass dieser positive Nebeneffekt nur von kurzer Dauer sein wird und die menschengemachten Schäden wieder zunehmen, sobald wir zur Normalität zurückkehren, wünsche ich mir, dass in den Köpfen ein längst überfälliges Umdenken stattfindet. Ich hoffe, dass sich das Bewusstsein für die Umwelt ändern wird und dass wir die Klimakrise in Zukunft mit der gleichen Ernsthaftigkeit behandeln, wie die Coronakrise behandelt wurde.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Reisen nachhaltiger und verantwortungsbewusster wird – und zwar von beiden Seiten – von der Tourismusindustrie sowie von den Reisenden. Ich wünsche mir, dass sich die gesamte Branche neu orientiert, dass Unterkünfte schonender mit Ressourcen umgehen, dass Veranstalter fairer agieren, dass das Nachtzugfahren erschwinglicher und somit zur echten Alternative zum Fliegen wird, dass Einwegplastik in Flugzeugen endlich verboten wird und vieles mehr.

Vielleicht kann die Coronakrise ja ein Anstoß dafür sein, dass wir alle in Zukunft bewusster und nachhaltiger reisen und unsere Heimat dadurch schützen.

Weitere Artikel zum Thema Nachhaltigkeit

➸ Nachhaltig reisen: 18 Tipps, wie du die Umwelt im Urlaub schützen kannst

➸ There is no planet b: Das Klima retten und trotzdem reisen?

➸ Zero Waste auf Reisen: Nachhaltige Ideen für deinen Kosmetikbeutel

➸ Klimafreundlich reisen per Nachtzug: Meine Erfahrungen & Tipps 

➸ Dürfen wir in Zeiten der Klimakrise noch in den Urlaub fliegen?

  


*Dieser Beitrag enthält Werbelinks. Bestellst du über einen meiner Links, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten.

TAGS
8 Kommentare
  1. Antworten

    Oli

    13. Mai 2020

    Das sind alles schöne Wünsche. Aber ich glaube, dass sich gar nichts ändern und schon gar nicht verbessern wird. Vertmutlich wird Reisen zunächst einfach mühsamer, weil mehr sinnlose Sicherheitsregeln eingeführt werden. Dass war ja schon 2001 so. Aber nachhaltiger wird es nicht werden, weil die Leute künftig weniger Geld haben und sich nachhaltigere Reiseformen noch weniger leisten können.

    • Antworten

      Julia

      14. Mai 2020

      Schade, dass du so pessimistisch bist.

  2. Antworten

    Mona

    14. Mai 2020

    Oder er ist aber einfach nur realistisch?

  3. Antworten

    Tabea

    14. Mai 2020

    Liebe Julia,

    dein Text ist wunderschön und ich teile jeden einzelnen deiner Wünsche. Am meisten hoffe ich darauf, dass es ein langfristiges Umdenken gibt und Natur und Planet in jeglicher Hinsicht geschätzt werden. Wenn wir auf Reisen sind, sind wir mit unserem eigenen Fahrzeug unterwegs und bereisen so oft abgelegene Orte. Leider werden solche Orte immer mehr überflutet, da die Touristenindustrie schöne Parkplätze anlegt, Wanderwege ausbaut und Shuttleservices anbietet, sodass nicht mal mehr ein Funken Mühe aufgebracht werden muss, um einen Gipfel zu erklimmen. Ich finde das Reisen darf ruhig ein bisschen Mühe kosten, damit man mehr als ein tolles Fotos mit nach Hause nehmen kann. Ganz liebe Grüße aus der Eifel in die Eifel <3 Tabea

  4. Antworten

    Sabrina

    14. Mai 2020

    Ich muss mich da leider an Oli anschließen – Ich glaube nicht dass sich so viel verändern wird. Es wird halt alles bisschen teurer werden, aber dass der Zug zb mal auf das Preisniveau vom Flieger steigt, glaube ich nicht. Die Abstände werden vorerst bleiben, auch die Masken, aber ich merke dass das aktuell inzwischen schon nachlasst – manche Leute wollen es halt nicht akzeptieren und etwas ändern.
    Aber ich bin mir sicher, dass ich ein paar Freudentränen vergießen werde, wenn wir wieder bisschen Gewissheit haben. Weil aktuell fühlt sich alles wie ein böser Traum an. Für mich hat halt das Reisen zum Leben dazu gehört, dennoch habe ich jede Sekunde genossen :) Es war halt ein etwas teureres Hobby, das mich aber mit total viel Freude erfüllt.

  5. Antworten

    Kerstin

    19. Mai 2020

    Vielleicht ändert sich nicht viel oder nicht bei jedem etwas, aber jeder Einzelne, der sich ändert oder mehr nachdenkt ist doch schon ein Fortschritt. Hoffen darf man immer!

    Für mich gehört Reisen auch zum Leben und ist für mich immer das, was mich durchhalten läßt, wenn es mal nicht so gut läuft. Es war nie selbstverständlich für mich, aber eben „normal“. Ich werde sicher noch viel dankbarer sein als vorher, wenn es endlich wieder möglich ist.

  6. Antworten

    Janette

    3. Juni 2020

    Ich glaube, dass alles sehr schnell wieder in den alten Rhythmus kommt, sobald das Corona-Thema aus den Medien verschwunden ist. Jedenfalls plane ich bereits die nächsten Reisen. Was ich hoffe ist, dass die Billigstflieger etwas zurückgedrängt werden. Fliegen soll wieder Teil der Reise werden und nicht nur lästig.

Schreibe einen Kommentar

WILLKOMMEN ♡

Hey, ich bin Julia,

Reisebloggerin, Fotografin und Autorin der Bücher »Fernweh« und »Wie uns Reisen glücklich macht«. Auf globusliebe findest du wertvolle Reisetipps, die nicht in jedem Reiseführer stehen – sei es für Deutschland oder die Ferne. Da mein Herz nicht nur fürs Reisen, sondern auch für die Erhaltung unseres wundervollen Planeten schlägt, bekommen nachhaltige Themen hier einen immer größeren Fokus.

MerkenMerken

WAS SUCHST DU?
BEKANNT AUS
Meine Fotoausrüstung
DIE KREDITKARTE ZUM REISEN

Mein Geschenk an dich
Klimafreundlich unterwegs
Meine Bücher