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Kolonialflair trifft DDR Charme – Meine Hanoi Highlights & Insidertipps

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7. April 2018

Enthält Werbung*| Willkommen in der asiatischen DDR! Als wir die Treppenstufen im Domestic Terminal des Flughafens in Hanoi hinabsteigen, fühlen wir uns wie an einer U-Bahnstation in Ost Berlin. Eine knappe Stunde später rollen wir im Minibus durch den zähfließenden Verkehr der Innenstadt, vorbei an hässlichen Plattenbauten, am Lenin Denkmal und an uniformierten Polizisten, die mit strenger Miene Spalier stehen. Eine mausgraue Triste, wie wir sie aus alten DDR Filmen kennen, gähnt uns entgegen.

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Sozialistischer Charme am Ho Chi Minh Mausoleum

Old Quarter

Wenig später lockert sich der erste Eindruck. Je weiter wir ins Herz der Stadt vordringen, desto französischer wirkt Hanoi. Mächtige Betonklötze weichen hübschen Kolonialbauten aus der Zeit der Franzosen. Wir befinden uns nun im Old Quarter, dem quirligen Altstadtviertel. Die DDR Triste ist verschwunden. Stattdessen werden wir von Farben, Gerüchen und tausenden von Eindrücken in den Bann gezogen.

Zu Fuß streifen wir durch das Labyrinth aus engen Gassen, die surrenden Stromkabel im asienüblichen Wirrwarr dabei immer über unseren Köpfen. Hunderte Motorroller parken auf den Gehsteigen, gleich daneben wird gekocht und gegrillt. Hier werden frittierte Teigkringel verkauft, da schneidet ein Mann munter an einem Schweinebein herum.

Frauen schieben blumenbeladene Fahrräder zwischen den kleinen Shops hindurch, andere verbrennen Geldscheine und Gegenstände aus Papier, um sie als Geschenke an ihre Verstorbenen in den Himmel aufsteigen zu lassen. Tiefer und authentischer könnte der Einblick in das Leben der Einheimischen in Hanoi wirklich nicht sein.

Mein Tipp: In den vielen Gassen des Old Quarter verirrt man sich leicht. Am besten lässt du den Stadtplan gleich in der Tasche und gehst einfach drauf los. Lass dich auf das bunte Treiben ein und beobachte die Locals. Du wirst es lieben!

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Hoan Kiem See

Eine Oase inmitten des Durcheinanders ist der Hoan Kiem See, in dessen Mitte eine winzige Insel inklusive Pagode thront. Die Rede ist vom sogenannten Schildkrötenturm, in dem einer Legende nach, eine goldene Schildkröte wohnt. Für die Vietnamesen ist sie der Schutzgeist des Sees.

Über die rote The-Huc-Brücke gelangst du zum Ngoc Son Tempel. Alternativ kannst du den See aber auch einfach nur umrunden, im Schatten der Bäume auf einer Bank rasten und den Portraitmalern bei der Arbeit zuschauen. Vermutlich wirst du am Ufer auf so manches Hochzeitspaar treffen, das sich in filmreifen Posen und Outfits von einem Fotografen ablichten lässt.

Mein Tipp: Besonders am frühen Morgen und in der Abenddämmerung spiegeln sich die Lichter der Stadt im stillen Wasser des Sees. Dies ist mit Sicherheit die beste Zeit für tolle Fotos von der malerischen The-Huc-Brücke.

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Die Bahngleise

Eine Sehenswürdigkeit in Hanoi, die du auf gar keinen Fall verpassen solltest, sind die Bahngleise, die sich quer durch die Stadt ziehen. Sie führen durch enge Wohngassen hindurch, die Häuser stehen oftmals keinen Meter von den Schienen entfernt. Die Menschen, die hier leben, haben sich längst damit arrangiert, dass mehrmals täglich Züge vorbei rauschen.

Wie alle Vietnamesen, gehen sie ihren täglichen Geschäften vor der Haustür in aller Seelenruhe nach. Auf den Gleisen wird gekocht und gespült, Tee getrunken, gemeinsam gegessen oder ein Schwätzchen gehalten. Auch Hühner und Hunde sowie spielende Kinder laufen umher, Fahrräder und Mopeds stehen in den Hauseingängen, darüber baumelt die frisch gewaschene Wäsche.

Den Fahrplan der Züge haben die Einwohner anscheinend ganz genau im Kopf, denn kurz bevor das erste Vibrieren einsetzt und schließlich lautes Hupen den nächsten Expresszug nach Saigon ankündigt, räumen alle ihre Habseligkeiten zusammen und drücken sich solange in die Hauseingänge, bis dass der Zug vorbei gebraust ist.

Ein Spaziergang über die Bahngleise in Hanoi fühlt sich an, als betrete man einen eigenen Mikrokosmos innerhalb der Stadt, dessen Lebensrhythmus von Zugfahrplänen bestimmt wird. Es ist absolut faszinierend!

Mein Tipp: Im kleinen Railway Cafe kannst du auf einem Bänkchen direkt an den Gleisen sitzen und dir die Wartezeit auf den nächsten Zug mit einem kühlen Bia Ha Noi, dem in Hanoi gebrauten Bier, versüßen. Der Inhaber des Cafés kennt die Zeiten genau und gibt dir bescheid, wenn du deine Kamera zücken und einen Schritt zurücktreten sollst. (Adresse: 26, 10 Dien Bien Phu)

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Literaturtempel

Die wohl schönste Tempelanlage in Hanoi ist der Literaturtempel, Van Mieu, der im Jahr 1070 erbaut und zur ersten Universität von Vietnam wurde. Seit 1915 findet hier zwar kein Unterricht mehr statt und auch den Bezug zur Literatur sucht man heute vergebens, aber der Tempel selbst sowie die wunderschönen Innenhöfe und Gärten sind absolut sehenswert.

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Auf der Vespa durch Hanoi

Obwohl wir die Stadt mittlerweile ganz gut kennen, unternehmen wir am vorletzten Tag in Hanoi eine Tour mit Vespa Adventures, bei der wir Orte entdecken, die wir selbst wahrscheinlich niemals gefunden hätten. Auf dem Rücksitz einer 70 Jahre alten Vespa knattern wir durch die Straßen und schwimmen im Strom der sieben Millionen Motorroller mit. Alleine das ist ein einmaliges Erlebnis!

Wir besuchen die St. Joseph Kathedrale, eine katholische Kirche, in der erst seit den 90er Jahren wieder Messen abgehalten werden dürfen, einen einheimischen Obst- und Gemüsemarkt, bunte Tempel sowie den Huu Tiep Lake, in dem ein amerikanischer B52-Bomber liegt, den die vietnamesische Front während des Krieges vom Himmel holte. Zwischendurch halten wir immer wieder an, um kulinarische Leckerbissen am Straßenrand zu kosten.

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Long Bien Bridge

Im Norden von Hanoi erwartet uns noch ein weiteres Highlight: Die historische Long Bien Bridge, die vom Architekten Gustave Eiffel, dem Mann, der auch den Eiffelturm in Paris geplant hat, entworfen wurde.

Die Brücke rostet munter vor sich hin und hat ihre besten Jahre bereits hinter sich, aber genau das ist es, was ihren Charme ausmacht. Am besten fährst du mit dem Moped über die Brücke, auch Vespa Adventures legt hier einen Fotostopp ein. Fotografenherzen werden hier ganz sicher höher schlagen!

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Lotte Tower

Eine eher weniger bekannte Sehenswürdigkeit in Hanoi, ist der Lotte Tower, der relativ weit außerhalb des Zentrums liegt und am besten per Taxi zu erreichen ist. Im 65. Stock des Gebäudes befindet sich eine Aussichtsplattform. Betrittst du den Glasboden des Skywalks, liegt dir das Häusermeer der Stadt zu Füßen.

Mein Tipp: Früh da sein lohnt sich, denn zwischen 8.30 und 10.30 Uhr erhälst du 50% Rabatt auf den Eintrittspreis.

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Die sozialistisch geprägte Seite von Hanoi

Vietnam ist ein Land im Aufbruch. Das haben wir während unserer 3-wöchigen Reise oft gemerkt. Doch trotz aller Modernität, westlichem Lifestyle und Kapitalismus, ist das Land nach wie vor kommunistisch geprägt. Sozialistische Republik Vietnam lautet der offizielle Name, auch wenn die kommunistische Regierung nicht mehr viel mit der Planwirtschaft zu tun haben will.

An repräsentativen Orten zeigt sich die Hauptstadt dennoch geordnet, kantig, grau, sozialistisch, so wie ich mir die ehemalige DDR vorstelle. Erleben kannst du das zum Beispiel am Lenin Denkmal, wo angehende Polizisten auf und ab marschieren. Oder auch am geschichtsträchtigen Ba-Dinh-Platz, wo der Revolutionsführer Ho Chi Minh im Jahre 1945 die Unabhängigkeit verkündete. Heute steht hier ein prächtiges Mausoleum mit seinem konservierten Leichnam, das strengstens bewacht wird.

Mein Tipp: Montags und freitags ist das Mausoleum geschlossen. An allen anderen Tagen hat es ab 9 Uhr geöffnet. Um extrem langes Anstehen zu vermeiden, solltest du früh dort sein. Von Oktober bis November wird der Leichnam neu konserviert und das Mausoleum bleibt geschlossen.

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Übungsmarsch vor dem Lenin Denkmal

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Onkel Ho ist in Hanoi allgegenwärtig

Kulinarische Tipps für Hanoi

Rein essenstechnisch gesehen, ist Hanoi für mich die schrecklichste Destination unserer gesamten Vietnam Reise. Das liegt zum einen daran, dass es für Vegetarier relativ wenig Auswahl gibt und zum anderen, dass im Zentrum lieblose und völlig überteuerte Touristenrestaurants dominieren, die geschmackloses Essen (meistens Pizza, Burger und Pommes) servieren.

Ein paar gute Läden habe ich trotzdem gefunden. Hier kommen meine persönlichen Tipps:

  • CONG CAPHE: Die vietnamesische Variante von Starbucks ist beinahe an jeder Straßenecke zu finden und immer gut besucht. Die Cafés sind sehr stylisch eingerichtet und der Kaffee schmeckt.
  • THE NOTE COFFEE: Vom Boden bis zur Decke sind die Wände mit bunten Post-its beklebt. Reisende aus aller Welt hinterlassen hier kleine Nachrichten. Wenn du dir zwischen all dem Trubel der Altstadt mal eine kleine Pause gönnen möchtest, solltest du im Note Coffee Milchshakes und Kuchen bestellen, die Atmosphäre genießen und natürlich selbst einen Zettel beschriften.
  • KHONG GIAM XANH: Hier gibt es die beste vegane Nudelsuppe, die ich in Vietnam finden konnte. Außerdem vegetarische Reisnudeln, Gemüse, Frühlingsrollen und frische Säfte für wenige Cents. Ich liebe diesen Laden!
  • GREEN FARM: Eher touristisch und auch nicht ganz billig, aber immerhin gibt es ein paar fleischlose vietnamesische Gerichte auf der Karte.

➸ Lies hier meinen Vietnam Food Guide für Vegetarier und Veganer!

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Zuckersüße Deko im Note Coffee

Mein Fazit zu Hanoi

Hanoi ist völlig chaotisch, laut und manchmal auch skurril. Gleichzeitig ist die Stadt absolut liebenswert und faszinierend. Sie ist bunt, schnell und vor allem extrem abwechslungsreich. Was mir am besten gefällt, sind die krassen Gegensätze: Sozialistischer DDR Charme vermischt sich mit buntem Kolonialstil, graue Plattenbauten stehen neben verschnörkelten französischen Villen und nicht weit vom Lenin Denkmal entfernt, gibt es schrille Kunstgalerien und Hipster Cafés.

Das Überqueren der Straße ist nicht ganz so easy wie in Ho Chi Minh City, wo ich dir erzählt habe, dass du einfach nur loslaufen musst und alle um dich herum fahren. Essenstechnisch ist Hanoi, wie bereits erwähnt, mein absoluter Flop, aber das ist meine ganz persönliche Meinung. Alles in allem ist Hanoi eine geniale Stadt, für die du auf deiner Vietnam Reise mindestens zwei bis drei volle Tage einplanen solltest.

Tipps für deine Reise nach Hanoi

  • Laut Klimatabelle, die auch wir uns vor der Reise angeschaut haben, liegt die beste Reisezeit für Hanoi in der Trockensaison zwischen November und Mai, wobei Dezember und Januar meistens rausgenommen werden, weil sie als kalte „Wintermonate“ gelten. Der Sommer hingegen ist extrem heiß, feucht und regnerisch und nicht unbedingt für einen Städtetrip zu empfehlen. Wir waren im Januar in Hanoi. Es war zwar deutlich kühler als zur gleichen Zeit im heißen Saigon, aber um die Stadt zu Fuß zu erkunden, war das Wetter optimal.
  • Da Hanoi im Norden liegt, bietet sich die Stadt als perfekter Start- oder Endpunkt einer Reise durch Vietnam an. Wir sind zum Beispiel von Frankfurt nach Ho Chi Minh geflogen und von Hanoi zurück nach Frankfurt. Direktflüge gibt es bei Vietnam Airlines für insgesamt 597 Euro (inklusive Gabelflug). Preisvergleiche findest du bei Skyscanner.
  • Unterkünfte gibt es in Hanoi für jeden Geschmack und Geldbeutel. Ein tolles 3-Sterne Hotel in guter Lage ist das Dragon Pearl. Wer eine wirklich elegante und luxuriöse Variante sucht, der wird im Sofitel Legend Metropole garantiert fündig. Auch wunderschöne Airbnb Apartments sind in Hanoi zu Haufe vertreten. Mit meinem Code erhälst du 30 Euro Rabatt auf deine erste Buchung. Probiers mal aus!
  • Falls du eine Reise nach Vietnam planst, solltest du dich vorab um dein Visum kümmern. Welches du benötigst, wie du es beantragst sowie alle nötigen Infos dazu, findest du in meinem Artikel Vietnam Visum.
  • Als Reisebegleiter hatten wir den Stefan Loose Vietnam dabei, der uns unterwegs mit brauchbaren Insidertipps versorgt hat. Wer eine englische Variante bevorzugt, dem kann ich den Lonely Planet ans Herz legen.

 

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Hast du weitere Tipps für Hanoi? Ich freue mich auf deinen Kommentar!


*Offenlegung: Ich wurde von Vespa Adventures zur Vespa Tour durch Hanoi eingeladen. Alle weiteren Kosten unserer Vietnam Reise sind aus eigener Tasche finanziert. Dieser Beitrag enthält Werbe-/Partnerlinks. Buchst oder bestellst du über einen dieser Links, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten. 

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3 Kommentare
  1. Antworten

    Step

    7. April 2018

    Viele schimpfen über Hanoi, mir gefiel es dort aber ausgezeichnet. Es war damals mein erster Ort, den ich in Vietnam besucht habe, und du beschreibst es eh schon sehr gut. Dieses liebenswerte Chaos, die bunten Farben, die quirlige Altstadt, die vielen Straßenverkäufer mit ihren bunten Waren und Kegelhüten – sehr besonders irgendwie. Ich fand Hanoi sogar wesentlich autenthischer als Saigon, weniger verwestlicht. Ich war damals auch im Jänner dort, und es war grau und viel Nieselregen, trotzdem war Hanoi toll. Ich mochte auch das Essen, bin allerdings kein Vegetarier…..

  2. Antworten

    Sabine von Ferngeweht

    7. April 2018

    Coole Tipps für Hanoi! Die Bahnschienen habe ich damals irgendwie verpasst, sieht sehr spannend aus. Und die Vespa-Tour hätte ich auch gern mitgemacht – allein schon für das Feeling, sich mitten in diesem Chaos-Verkehr zu bewegen :-)

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Julia Lassner globusliebe

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