Burnout trotz Traumjob: Wenn die grenzenlose Freiheit zum Gefängnis wird

Burnout trotz Traumjob
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Ich sitze im Zug auf dem Weg zu einer Produktion als mir plötzlich schwarz vor Augen wird. Mein Herz rast wie wild und ich höre nichts mehr außer ein leises Fiepen in den Ohren. Eiskalter Schweiß rinnt über meinen Rücken, die Hände zittern und ich spüre einen beklemmenden Druck auf meiner Brust. Panik steigt in mir auf. 

Als ich schweißgebadet vor dem winzigen Waschbecken in der Bordtoilette stehe, kaltes Wasser über meine Pulspunkte laufen lasse und mein bleiches Gesicht im Spiegel erblicke, rede ich mir ein, dass ich mich wieder gefangen habe.

Einige Stunden später liefere ich ab. Der Produktionsplan ist, wie immer, bis ins kleinste Detail durchgetaktet und sieht keine Zeit für Pausen vor. Ich funktioniere, lächle, arbeite, als wäre nichts gewesen. Ich bin verdammt gut darin, so zu tun, als ob alles okay ist.

15-Stunden-Arbeitstage mit acht Programmpunkten, Shootings und Interviews sind keine Seltenheit in meinem Job und obwohl ich hinter den Kulissen oft kaum noch Luft bekomme, schreiben mir Außenstehende: „Du hast es gut. Dein ganzes Leben besteht aus Urlaub.“ Halleluja! 

Der große Traum von einem freien, selbstbestimmten Leben

Wenn mich jemand fragt, warum ich mich selbstständig gemacht habe, erzähle ich von meinem großen Traum von einem freien, selbstbestimmten Leben, denn das ist nach wie vor mein größter Antrieb. Ich erzähle davon, dass ich schon immer ortsunabhängig arbeiten und mir gleichzeitig die Welt ansehen, dass ich reisen und in fremde Kulturen eintauchen und mir ein Business aufbauen wollte, das mich erfüllt. 

Ich erzähle von meinen großen Leidenschaften, dem Schreiben, dem Fotografieren und von meinem Talent, das Lebensgefühl eines Ortes auf besondere Weise einzufangen.

Ich habe mir ein Leben aufgebaut, in dem all das tatsächlich möglich ist. Ja, ich lebe meinen Traum und ich liebe meinen Job. Wer kann das schon von sich behaupten? Falls du einen meiner ersten Blogartikel von 2013 gelesen hast, weißt du wovon ich spreche. 

Und trotzdem oder genau deshalb gehe ich immer wieder über meine eigenen Grenzen hinaus und musste bereits zwei mal in meinem Leben am eigenen Leib erfahren, dass man auch ausbrennen kann, wenn man liebt, was man tut. Was sich eigentlich nach grenzenloser Freiheit anfühlen sollte, ist plötzlich zu einem Gefängnis geworden, das ich mir selbst erbaut habe.

Find your passion and let it kill you

Ganz nach dem Motto „Find your passion and let it kill you“ habe ich die letzten Jahre Vollgas gegeben und mich selbst dabei verloren. Ich arbeitete oft sieben Tage die Woche. Es gab keine Zeit für Erholung, keine freien Wochenenden, keine Feiertage und keine Urlaube. Ich funktionierte immer weiter, denn ich liebte den Erfolg von globusliebe und den damit verbundenen Lifestyle.  

Vielleicht habe ich es in Wahrheit auch einfach nie anders gelernt, denn gleich nach meinem Studium zur Media & Entertainment Managerin arbeitete ich einige Jahre lang auf den Weltmeeren. Schon mein erster Einsatz auf dem Kreuzfahrtschiff dauerte sieben Monate, in denen ich sieben Tage pro Woche ohne einen einzigen freien Tag durcharbeitete. Zu Spitzenzeiten schrieb ich 116 Wochenarbeitsstunden auf meinen Stundenzettel.

Nebenbei schrieb ich meine Bachelor Arbeit und baute mir eine Selbstständigkeit auf. Ich staune noch heute darüber, wie ich das alles geschafft habe. 

Schneller, weiter, höher, bis nichts mehr geht

Mit der Hustle Culture war ich also schon früh vertraut. Zusätzlich zur vielen Arbeit kamen in der Selbstständigkeit aber noch viel größere Herausforderungen auf mich zu, die mich über die Jahre extrem belasteten.

Der Druck in der Öffentlichkeit zu stehen, von wildfremden Menschen nach Lust und Laune kritisiert und angefeindet zu werden sowie auf sämtlichen Plattformen täglich neuen Content liefern zu müssen zehrten zunehmend an mir. Die Spielregeln im Social Media Business sind schließlich brutal: Wer nicht liefert, wird vergessen. Wer pausiert, verliert. Wer langsamer wird, verschwindet von der Bildfläche.

Dazu kam die finanzielle Verantwortung für Mitarbeiter, deren Löhne und Lohnnebenkosten bezahlt werden mussten. Ich konnte gar nicht anders, als immer mehr Aufträge anzunehmen, um all das stemmen zu können. Der Gedanke, krank zu werden oder auch nur für eine kurze Zeit auszufallen waren keine Optionen, die ich mir erlauben konnte.

Eine über 12 Monate andauernde Steuerprüfung mit äußerst fragwürdigen Unterstellungen von Seiten des Finanzamtes sowie zwei Rechtsstreits, die nur mit der Hilfe eines Anwaltes zu regeln waren, zogen mir dann endgültig den Boden unter den Füßen weg

Meine betriebliche Rechtsschutzversicherung, in die ich jahrelang eingezahlt hatte, ließ mich zu allem Überfluss im Regen stehen und argumentierte damit, dass die Hauptsäulen meines Unternehmens nicht versichert seien. Wäre die Situation nicht existenziell so bedrohlich gewesen, hätte ich über diesen Irrsinn sogar lachen können.

Alle drei Fälle forderten so viel Aufmerksamkeit, Arbeitszeit und Nerven, dass ich nachts nicht mehr schlafen und tagsüber kaum noch atmen konnte. Das alles passierte neben dem ganz normalen Tagesgeschäft, das nach außen weiterhin perfekt funktionierte. 

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Buchtipps

Dein Nervensystem steckt auch im Überlebensmodus und du hast vergessen, wie sich Entspannung überhaupt anfühlt? Folgende Bücher könnten dir helfen: Wenn das Leben zu viel verlangt*, Depression und Burnout loswerden* und Entspannt statt ausgebrannt*.

Wer keine Zeit für echte Erholung hat, wird später viel Zeit für seine Krankheiten brauchen

Der Lärm in meinem Kopf wurde immer lauter und das Gedankenkarussell war nicht mehr anzuhalten. Viele Monate lang lag ich schlaflos im Bett und grübelte. Wenn ich dann in den frühen Morgenstunden vor Erschöpfung endlich eingeschlafen war, wachte ich nach wenigen Stunden schweißgebadet wieder auf, weil meine Sorgen und Ängste mich bis in die Träume verfolgten. Ich setzte mich dann meist an den Bildschirm und arbeitete zur Ablenkung Dinge ab, die liegengeblieben und noch zu erledigen waren.

Mein Oura Ring* zeigte in dieser Zeit dauerhaft zu viel Stress, zu wenig Schlaf und schlechte Vitalwerte an. Ich legte ihn ab. Schwindel, Herzrasen, Ohrensausen, Kopf- und Kieferschmerzen wurden zu meinen ständigen Begleitern. Selbst als mein Körper mit Panikattacken reagierte, ignorierte ich die Warnsignale, denn ich musste ja weiter funktionieren. 

Rückblickend hätte ich mir damals schon längst Hilfe holen sollen, aber wenn man tief in dieser Spirale steckt und sich jeden Tag einredet, dass es nach dieser einen Sache, nach diesem einen Auftrag, nach diesem einen Monat endlich besser wird, dann macht man immer weiter, egal wie. 

Burnout trotz Traumjob
Burnout Oura Ring

Stress ist das größte Gift unserer Zeit 

In der Vorweihnachtszeit 2025 hatte sich der Stress bereits so tief in alle meine Lebensbereiche gefressen, dass mein komplettes Nervensystem seit Monaten im Überlebensmodus steckte. Ich war ständig gereizt, ernährte mich ungesund, bewegte mich zu wenig, konnte mich nicht mehr konzentrieren und schlief kaum noch. 

Während einer der letzten Produktionen des Jahres brachte mich bereits die kleinste Stresssituation an den Rand der Verzweiflung. Mein Nervenkostüm war so dünn, dass ich meine Kamera samt Objektiv zu Boden fallen ließ. Das Glas zersplitterte und ich brach in Tränen aus. Ich fühlte mich plötzlich zu absolut nichts mehr imstande und spürte nur noch eine ganz tiefe innere Leere.

Kurz danach holte ich mir endlich Hilfe. 

Wenn die große Leidenschaft im Burnout endet

Es folgten Besuche beim Hausarzt, um Blutwerte und Herz checken zu lassen, bei meinem Heilpraktiker, um mich auf ganzheitlicher Ebene behandeln zu lassen und ein aufschlussreiches Gespräch mit einer Psychotherapeutin. Erst nachdem mir alle drei unabhängig voneinander dieselbe Diagnose stellten, gestand ich mir endlich ein, dass es allerhöchste Zeit war, die Reißleine zu ziehen.

Ich wurde krankgeschrieben und obwohl das für meine Selbstständigkeit rein finanziell nichts änderte, denn ich erhielt keinen einzigen Cent von der Krankenkasse, betrachtete ich das Stück Papier als offizielle Erlaubnis, endlich loslassen zu dürfen. 

Erst jetzt merkte ich, wie erschöpft ich von den letzten zwei Jahren war und mein Körper holte sich zurück, was ihm gefehlt hatte. Ich schlief viel, oft zehn Stunden am Stück. Pflanzliche Arzneimittel halfen mir dabei, meine Stresssymptome zu lindern und mich nach dieser extremen Belastungsphase langsam wieder zu erholen. 

Als ich das Arbeitspensum deutlich runterschraubte und die Anspannung endlich nachließ, flossen viele Tränen. Schweren Herzens sagte ich sämtliche Produktionen für die nächsten Monate ab und nahm mir eine Auszeit. 

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Kaffee ausgeben

Zum ersten Mal seit Jahren stand ich auf meiner eigenen Liste ganz oben

Ich begann meinen Morgen endlich wieder mit einer Tasse Kaffee und einem Buch in der Sonne, statt um 7.30 Uhr vor dem Bildschirm zu sitzen. Statt Sachbüchern las ich endlich wieder schöne Romane wie Der Wind und die Wellen und wir*. Ich unternahm lange Waldspaziergänge, buchte mir Rückenmassagen, um meine Muskelverspannungen zu lösen, nahm mir endlich wieder Zeit für Sport und kochte gesunde Mahlzeiten, um meinen Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. 

Ich verbrachte kaum noch Zeit am Handy, lag nachts nur noch selten grübelnd im Bett und auch das Herzrasen, das mich monatelang begleitet hatte, beruhigte sich langsam. Das Buch Raus aus dem Funktionsmodus* hat mir in dieser Phase übrigens sehr geholfen. 

Eine der besten Entscheidungen war auch das Stille Retreat im Schwarzwald, bei dem ich täglich Yoga und Meditation praktizierte und zum ersten Mal seit Jahren einfach nur bei mir war.

Lebe ich für die Arbeit oder arbeite ich für mein Leben?

Während dieser Monate dachte ich viel darüber nach, wer ich eigentlich bin, wenn ich nicht arbeite und worauf ich später einmal zurückblicken möchte. Darauf, dass ich ein Leben lang funktioniert habe und ständig über meine eigenen Grenzen gegangen bin, um erfolgreich zu sein? Oder darauf, dass ich ein freies, glückliches und gesundes Leben mit meinen Lieblingsmenschen verbracht habe? 

Die Antwort ist offensichtlich, aber zwischen Erkenntnis und Umsetzung liegt eben manchmal eine ganze Welt. Veränderungen müssen her und zwar große. Mir wurde mit der Zeit klar, dass ich zwar weiterhin selbstständig sein, aber in Zukunft weder Mitarbeiter führen noch finanzielle Verantwortung für andere übernehmen möchte. 

Ich will wieder kreativ statt administrativ arbeiten, mich weniger von den sozialen Medien und fremden Menschen stressen lassen, aus der Überholspur aussteigen und das Leben wieder mehr genießen. Dazu braucht es neue Strukturen, sowohl in meinem Privatleben als auch in meinem Unternehmen. 

Noch lange kein Happy End, sondern ein Anfang

Meine Geschichte klingt vermutlich so, als wäre ich mit Massagen und Meditation geheilt, aber dem ist logischerweise nicht so. Es ist ein langer, mühsamer Weg aus dem Stress raus und ich stehe noch ganz am Anfang. Ein Burnout lässt sich eben nicht über Nacht mit einem Schaumbad heilen. 

Ich bin gerade dabei, mein Leben neu zu sortieren und suche nach Möglichkeiten, um eine gesunde Balance zu schaffen, denn ich habe kapiert: Wenn ich mir keine Zeit für echte Erholung nehme, werde ich in Zukunft sehr viel Zeit für meine Krankheiten brauchen. 

Die kräftezehrende Steuerprüfung ist nun endlich abgeschlossen und die Rechtsstreits wurden glücklicherweise auch ohne die nutzlose Rechtsschutzversicherung zu meinen Gunsten entschieden. Das alleine löste bereits einen gewaltigen Felsbrocken, der jahrelang auf meinen Schultern lastete und mich fast zerquetscht hätte

In wenigen Tagen starte ich mit der ersten Produktion nach meiner Auszeit und ich freue mich wirklich darauf, wieder kreativ werden zu dürfen und zwar auf eine Art, die sich nach mir anfühlt und nicht nach Überlebenskampf. Dieses Jahr werde ich außerdem alleine auf dem Jakobsweg wandern, ein Festival besuchen und ich habe privaten Urlaub mit meinen Lieblingsmenschen geplant. 

Hinter jedem glänzenden Feed steckt auch ein Mensch 

Ich teile das alles öffentlich, weil ich auf die Themen mentale Gesundheit, Hustle Culture und Burnout aufmerksam machen möchte, weil Tabus gebrochen werden müssen und weil ich hoffe, damit ein realistischeres Bild von einem Job zu zeichnen, den viele von außen für einen einzigen langen Urlaub halten.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die Erschöpfung als Normalzustand akzeptiert hat und echte Erholung als Luxus betrachtet, den man sich erst verdienen muss. Das müssen wir ändern und zwar nicht erst dann, wenn der Körper streikt.

Vor allem aber teile ich das, damit du weißt, dass du nicht allein bist, falls du dich gerade ähnlich ausgebrannt, müde, erschöpft oder überfordert fühlst. Sich Hilfe zu holen ist keine Schwäche, sondern Stärke und manchmal auch die einzige Möglichkeit, um sich selbst nicht vollständig zu verlieren.


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