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Kreuzfahrtschiff Q&A: Was du schon immer über das Arbeiten an Bord wissen wolltest

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25. Januar 2018

Enthält Werbung* |Da ich selbst mehrere Jahre auf hoher See gearbeitet habe, wird mein Postfach täglich mit Fragen zum Thema Leben und Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff geflutet. Vor meinem ersten Einsatz, das ist mittlerweile sechs Jahre her, hatte ich ganz genau die gleichen Fragen und stand vor den selben anfänglichen Problemen, die dich vielleicht gerade beschäftigen.

Aus diesem Grund gibt es heute mein großes Kreuzfahrtschiff Q&A mit den meist gestellten Fragen zum Thema Leben und Arbeiten an Bord und natürlich die passenden Antworten dazu.

Wie viel sehe ich von der Welt?

Wenn wir mal ehrlich sind, ist für die meisten von uns der Hauptgrund auf einem Kreuzfahrtschiff anzuheuern, das große Abenteuer, das dahinter steckt. Es ist der Ruf der Freiheit, es ist die Neugier auf die Fremde, es ist die große Welt da draußen, es ist das Reisen. Richtig?

Auch du wirst dich wahrscheinlich längst mit diesem Thema beschäftigt haben und suchst nun nach einer Möglichkeit, das Reisen mit dem Arbeiten zu verbinden. Mir ging es damals ganz genauso. Kein Wunder also, dass dies die am häufigsten gestellte Frage ist: Wie viel sehe ich tatsächlich von der Welt, wenn ich an Bord eines Kreuzfahrtschiffes arbeite?

In erster Linie geht es natürlich um den Job. Du gehst an Bord, um zu arbeiten. Wer glaubt, dass er als Crewmitglied eine kostenlose Kreuzfahrt macht, liegt eindeutig falsch. Das Reisen ist „nur“ der Zusatznutzen (wenn auch ein unglaublich wertvoller), den dein neuer Job mit sich bringt. Darüber solltest du dir im Klaren sein.

Fest steht, du verbingst deine Mittagspausen an den Orten, an denen andere Urlaub machen. Sicher ist es nicht mehr wie vor 35 Jahren, als mein Papa auf der MS Europa arbeitete und mehrere Tage am Stück frei hatte, dennoch kannst du das Schiff in deiner Freizeit verlassen und anstellen was du möchtest. Du glaubst gar nicht, wie viel man in einer dreistündigen Pause erleben kann!

Mit der Zeit entwickelst du eine Expertise darin, dir möglichst schnell einen Überblick über eine fremde Stadt zu verschaffen. Du lernst Prioritäten zu setzen (z.B. Stadtrundfahrt anstatt Mittagsschlaf zwischen zwei Schichten) und deinen eigenen Körper auszutricksen.

Der größte Vorteil ist, dass du eine Destination oft mehrfach besuchst. Ist das Kreuzfahrtschiff, auf dem du arbeitest zum Beispiel vier Monate im Orient unterwegs, wirst du mehrmals die Chance haben, in Abu Dhabi von Bord zu gehen, Ausflüge in Dubai zu unternehmen oder das Königreich Bahrain kennenzulernen.

Brauche ich Visa für all die Länder, die ich besuche?

Diese Frage ist leider nicht ganz einfach zu beantworten, denn die Regularien für die Einreise unterscheiden sich von Land zu Land. Allgemein gilt: Ein typisches Visum, wie du es vom individuellen Reisen kennst, benötigst du als Crewmitglied nicht, denn die Einreise wird in der Regel von der Reederei organisiert.

Während der Liegezeit im Hafen, darfst du als deutscher Staatsbürger das Schiff mit deinem Crew-Ausweis verlassen und dich frei bewegen. In den meisten Ländern läuft das problemlos. Für manche gelten allerdings Ausnahmen (sonst wäre es ja langweilig).

In vielen arabischen Ländern bekommst du beim Verlassen des Schiffes eine Einreisekarte ausgehändigt, die du bei deiner Rückkehr wieder abgeben musst. In Ägypten musst du deinen Reisepass beim Crew Purser abholen und bei den örtlichen Behörden vorlegen, für die USA benötigst du ein sogenanntes Crewmember in Transit oder auch C-1/D Visum und in Russland darfst du das Schiff nur im Rahmen eines Gruppenausfluges verlassen.

Die Bestimmungen sämtlicher Länder hier aufzulisten, würde meinen Beitrag sprengen. Wichtig für dich ist daher lediglich: Du brauchst dich in den meisten Fällen nicht um deine Visa zu kümmern. Das erledigt dein Arbeitgeber für dich. Zur Erleichterung der Einreise erhälst du außerdem ein Seemannbuchs, aber dazu später.

Bekomme ich in jedem Land einen Stempel in den Reisepass?

Nein, Stempelsammler muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen. Oft erhälst du gar keinen Stempel in deinen Reisepass, lediglich den einen am Flughafen, wenn du zu deinem ersten Einsatzort fliegst.

Deinen Reisepass gibst du beim ersten Auftstieg beim Crew Purser ab und erhälst ihn erst nach Beendigung deines Einsatzes zurück. Als Ausweisdokument während dieser Zeit gilt deine Crew-ID Karte, der Crew Ausweis.

Wie bereits erwähnt, gibt es auch hier wieder einige Ausnahmen, denn manche Länder verlangen den Reisepass (entweder nur zur Ansicht oder manchmal auch zum Stempeln). In diesen Fällen musst du ihn beim Crew Purser abholen, darfst dann von Bord gehen und musst ihn bei der Rückkehr unbedingt wieder abgeben. Eine wichtige Regel, die du bereits jetzt verinnerlichen solltest, denn das wird von Besatzungsmitgliedern oft vergessen. Die Folge: Das Kreuzfahrtschiff wird von den Behörden nicht zum Ablegen freigegeben.

Was ist ein Seemannsbuch?

Das Seemannsbuch ist eine Art Ausweis für Seefahrer und dient nicht nur zur Identifikation und Arbeitsnachweis, sondern es erleichtert auch die Einreise in vielen Ländern.

Ein weiterer großer Vorteil des Seemannsbuch ist es, dass du auf den meisten Flügen ein kostenloses zweites Gepäckstück aufgeben darfst, wenn du auf dem Weg zum Schiff oder auf der Rückreise bist.

Alle wichtigen Infos zur Beantragung deines Seemannsbuches erhälst du vor Beginn deines ersten Einsatzes. In der Regel werden hierfür lediglich zwei Passfotos sowie das Antragsformular benötigt. Den Rest regelt dein neuer Arbeitgeber für dich. Dein Seemannsbuch bekommst du dann entweder nach Hause geschickt oder an Bord ausgehändigt, je nachdem wie viel Vorlaufzeit du hast.

Brauche ich bestimmte Impfungen?

Ja, um an Bord arbeiten zu können, ist zusätzlich zu den üblichen Schutzimpfungen wie Hepatitis A und B, Polio, Diphtherie und Tetanus, seit einigen Jahren auch die Gelbfieberimpfung Pflicht für alle Crewmitglieder.

Für mich war dies damals ein kritischer Punkt, denn wenn du meinem Blog schon länger folgst, weißt du vielleicht, dass ich nicht viel von klassischer Schulmedizin halte und mich so wenig wie möglich impfen lassen möchte. (Mehr zu diesem persönlichen Thema findest du hier.)

Im Gegensatz zu den anderen Impfungen, dürfen Gelbfieberimpfungen nur in ausgewiesenen Gelbfieberimpfstellen und Tropeninstituten durchgeführt werden. Die Impfung ist zehn Jahre gültig. Deinen Impfpass musst du zum Einsatz an Bord mitbringen.

Schläft die Crew eigentlich auch an Bord?

Du wirst nicht glauben, wie oft ich schon gefragt wurde, ob die Crew eigentlich auch an Bord schläft. Zwar wird die Frage in der Regel von Passagieren und nicht von angehenden Crewmitgliedern gestellt, aber sie wird gestellt und um sie ein für alle Mal zu beantworten: Ja, die Crew schläft tatsächlich auch an Bord des Schiffes und wird nicht jeden Morgen mit dem Helikopter angeflogen.

Wie sind die Kabinen der Crew?

Dass du als Besatzungsmitglied keine luxuriöse Außenkabine mit Balkon hast, ist dir wahrscheinlich längst bewusst. Stattdessen wohnst du in einer sehr kompakten Crewkabine unterhalb der Wasseroberfläche. Fenster gibt es keine.

Auf älteren Kreuzfahrtschiffen teilst du dir eine Kabine mit ein oder mehreren Personen, oft aus der gleichen Abteilung. Neuere Schiffe bieten sogenannte Single-Shared Cabins, bei der du in einer Einzelkabine lebst, dir das Bad aber mit einer weiteren Person teilen musst.

Bettwäsche und Handtücher werden kostenlos an Bord gestellt. Alle Kabinen sind zudem mit Telefon und Fernseher ausgestattet, manche haben sogar einen eigenen Kühlschrank. Gereinigt wird deine Kabine nicht. Für die Sauberkeit bist also selbst verantwortlich.

Gibt es Internet und Telefon an Bord?

Ja, Internet und Telefon gibt es an Bord, ABER es ist nicht immer ganz einfach. Da sich der Handyempfang spätestens 15 Minuten nach dem Ablegen verabschiedet und du das Internet über dein privates Datenvolumen unterwegs nicht nutzen kannst, musst du auf das jeweilige Angebot des Kreuzfahrtschiffes zurückgreifen.

Das Telefon in deiner Kabine funktioniert über eine Satellitenverbindung und ist dementsprechend teuer. Für Notfalltelefonate und kurze Gespräche mit den Liebsten zu Hause reicht es aus, vorausgesetzt die Verbindung spielt mit. Das ist je nach Position des Schiffes nicht immer der Fall.

Crew-WLAN empfängst du über deine eigenen Geräte in den Crew-Bereichen des Schiffes und mit etwas Glück auch auf deiner Kabine. Üblicherweise bekommst du deine eigenen Zugangsdaten, mit denen du dich an- und abmelden kannst. Die Kosten werden pro Minute abgerechnet und sind extrem teuer. Ich habe jedoch große Hoffnungen, dass sich dies im Laufe der Zeit und mit voranschreitender Technik noch stark zu Gunsten der Crew verbessern wird.

In vielen Hafenterminals auf dieser Welt wird zum Glück kostenfreies WLAN für die Crew angeboten. Ansonsten gilt es, an Land die Cafés mit Wifi aufzuspüren und seine Mittagspause dort zu verbringen.

Kann ich Post an Bord empfangen?

Ja, grundsätzlich ist es möglich, Post an Bord zu empfangen. Allerdings gilt das nicht für jeden angefahrenen Hafen. Meistens gibt es in einem Fahrgebiet eine spezielle Adresse, an die du deine Post schicken lassen kannst. Diese ändert sich natürlich alle paar Wochen, je nachdem wo das Schiff unterwegs ist.

Für das Empfangen von wichtiger Post, Rechnungen etc ist dieses System nicht geeignet, sondern eher für Briefe von der Familie. Die jeweils aktuelle Adresse erhälst du beim Crew Purser an Bord.

Wo kann ich meine Wäsche waschen?

Während der Arbeitszeit trägt jedes Crewmitglied eine einheitliche Uniform, von der du gleich mehrere Ausstattungen erhälst. Deine Uniform gibst du zum Waschen und Bügeln kostenlos in der Crew Laundry ab.

Deine private Wäsche kannst du in den dafür vorgesehenen Waschmaschinen selber waschen. Das kann manchmal zu einem echten Kampf werden, denn aus meinen Erfahrungen gibt es circa fünf Maschinen für 800 Crewmitglieder. Die besten Zeiten zum Waschen sind daher nachts. Waschmittel musst du selbst mitbringen.

Kann ich die Beziehung mit meinem Partner aufrecht erhalten?

Jetzt geht es ans Eingemachte. Das Thema Partner und Beziehungen ist heikel, doch da ich häufig darauf angesprochen werde, nehme ich die Frage vorsichtig in mein Kreuzfahrtschiff Q&A auf.

Wer einen Partner zu Hause hat und während seines Schiffseinsatzes zurücklässt, muss sich auf eine harte Probe einstellen. Bereite dich auf eine Fernbeziehung der besonderen Art vor, denn in der Regel siehst du deinen Partner erst nach sechs Monaten wieder.

Kontakt zu halten gestaltet sich schwieriger, als wenn du „nur“ auf Reisen bist, denn wie zuvor erwähnt, hast du auf dem Schiff nicht selbstverständlich Internet. Sich gegenseitig, wie vielleicht von zu Hause gewohnt, im 30-Minuten Takt kleine Nachrichten über Whatsapp zu schicken, fällt also flach und selbst allabendliche Gute-Nacht-Mails werden auf die Dauer teuer.

Zum seltenen Kontakt kommt oftmals Zeitverschiebung, Stress und Unverständnis hinzu. Sei dir darüber im Klaren, dass du an Bord ein völlig neues Leben führen wirst. Du bist 24 Stunden am Tag von deinen Kollegen umgeben, lernst neue Leute kennen, schließt Freundschafen, verliebst dich vielleicht sogar an Bord. Dein Partner zu Hause wird wenig Verständnis für deine neue Situation haben, denn schließlich weiß er oder sie nicht, was du erlebst.

Ich habe schon etliche Beziehungen auf diese Weise zerbrechen sehen, was allerdings nicht heißen soll, dass es nicht funktioniert. Letzten Endes hat jeder sein Glück selbst in der Hand. Nichts ist unmöglich!

Ähnliches gilt übrigens für Freundschaften. Aus eigenen Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, sie aufrecht zu erhalten, wenn man viel unterwegs ist. Das ist beim Reisen ja nicht anders. Um das auf Dauer richtig gut hinzubekommen, sind eine große Portion Organisationstalent und sehr verständnisvolle Freunde wichtig.

Sind Beziehungen an Bord erlaubt?

Beziehungen an Bord sind auf jeden Fall erlaubt, wenn auch nicht immer ganz einfach. Die erste große Hürde, die dir in den Weg gelegt wird, ist der Mangel an Privatsphäre. Ganz offen gesagt, gibt es kaum Rückzugsorte, an denen du mit deinem Partner alleine sein kannst.

Oft teilst du dir eine Kabine mit einem gleichgeschlechtlichen Kollegen aus deiner Abteilung (es sei denn du lebst in einer Single-Shared Cabin). Das heißt im Klartext: Die Sache mit der Zweisamkeit bedarf sehr guter Absprachen und Verständnis zwischen Kollegen.

Gemeinsam mit deinem Partner in einer Kabine zu wohnen, ist bei den meisten Reederein nur dann erlaubt, wenn ihr verheiratet seid und gemeinsam auf dem Schiff arbeitet. Grund dafür ist zum einen die Kabinenaufteilung nach Geschlechtern sowie zum anderen der imense Aufwand, den es wohlmöglich erfordern würde, wenn sich Paare neu finden, dann wieder trennen und ständig umziehen wollen.

Kann ich mir ein Schiff bzw. ein Fahrgebiet aussuchen?

Das Schiff, auf dem du arbeitest sowie das Fahrgebiet, in dem das Schiff unterwegs ist, kannst du dir nicht aussuchen. Zwar gibt es die Möglichkeit, Wünsche zu äußern und je länger du dabei bist, desto eher kommt dir dein Arbeitgeber mal entgegen, aber in der Regel wirst du nach Vakanzen zugeteilt.

Das heißt, du wirst dort eingesetzt, wo gerade eine Stelle frei ist, egal ob das Schiff zur Zeit durch die Antarktis schippert oder in der Karibik unterwegs ist.

Wie sind die Arbeitszeiten?

Deine Arbeitszeiten an Bord eines Kreuzfahrtschiffes richten sich nach der jeweiligen Position und Abteilung, in der du arbeitest und differieren teilweise stark. Als Barkeeper kommt es häufig vor, dass du die Spätschicht hast und die halbe Nacht in der Disco schuftest. Ein paar Tage später übernimmst du vielleicht die Frühschicht und servierst den Gästen ihren Frühstückskaffee am Pooldeck.

Auch in anderen Abteilungen gibt es unterschiedliche Dienstzeiten. Die Rezeption ist beispielsweise rund um die Uhr besetzt. Hier wird im Team routiert. Vergleichen kannst du das in etwa mit den Arbeitszeiten in einem Hotelbetrieb an Land. Als Richtwert an Bord gilt jedoch eine 7-Tage Woche sowie eine durchschnittliche Arbeitszeit von 10 Stunden am Tag.

Wie wird mein Gehalt ausbezahlt?

Dein Gehalt wird in Euro ausbezahlt und monatlich auf dein Konto überwiesen. Wenn du Bargeld benötigst, gibt es die Möglichkeit, dir einen gewissen Betrag des Gehaltes in bar auszahlen zu lassen.

Das überwiesene Gehalt ist außerdem in verschiedene Positionen aufgeteilt, die sich Basic und Vacation Pay nennen. Der Betrag des Vacation Pay wird vorerst einbehalten und erst am Ende deines Einsatzes ausbezahlt.

Bin in an Bord und im Ausland versichert?

Ja, solange du einen Arbeitsvertrag hast und an Bord beschäftigt bist, bist du über sea chefs kranken- und unfallversichert. Diese Versicherung gilt auch während deiner An- und Abreise zum Einsatzort sowie wenn du das Schiff in der Freizeit auf eigene Faust verlässt.

Sobald dein Vertrag endet und du nach Hause zurückkehrst (oder weiter um die Welt reist), bist du nicht mehr versichert, auch dann nicht, wenn du ein paar Wochen später wieder an Bord arbeitest. Für diese Zeit musst du dich selbst um eine freiwillige Pflichtversicherung bei der Krankenkasse kümmern und dich ggf. in Deutschland arbeitslos melden.

Wo steige ich auf und wie komme ich dorthin?

An welchem Ort du aufs Schiff aufsteigst, hängt davon ab, wann dein Einsatz beginnt und wo sich das Schiff in dem Moment befindet. Das kann zum Beispiel in Hamburg sein, dem Heimathafen vieler Kreuzfahrtschiffe, oder aber auch in Dubai oder Singapur.

Da jede Woche neue Crewmitglieder kommen und andere gehen, findet ein ständiger Wechsel statt. Deine Anreise wird von sea chefs organisiert und bezahlt. Gleiches gilt nach Vertragsende für deine Heimreise, Voraussetzung hierfür ist ein ordnungsgemäß beendeter Einsatz.

Wie lange ist die Pause zwischen zwei Einsätzen?

Für die Pause zwischen zwei Einsätzen gibt es keine festen Bestimmungen. Meistens wird dein sogenannter Urlaub (obwohl es ja im eigentlichen Sinne kein Urlaub ist) individuell festgelegt. In Engpässen kann es vorkommen, dass du nur zwei Wochen frei hast und schon geht es weiter. Das war bei mir schon der Fall.

Ein anderes Mal hatte sechs Monate Pause zwischen zwei Einsätzen und bin in dieser Zeit durch Neuseeland und Australien gereist. Im Grunde genommen hängt die Länge deiner Pause davon ab, welche Stellen wann besetzt werden müssen und ob dringend jemand gebraucht wird. Zum Glück werden aber auch die eigenen Wünsche berücksichtigt. Willst du so schnell wie möglich wieder an Bord arbeiten, ist das nach einer kurzen Erholungsphase sicherlich machbar.

Wo isst die Crew?

Viele Gäste denken, dass die Crew sich am gleichen Schlemmerbuffet bedienen darf, wie sie selbst. Das ist natürlich nicht der Fall. Als Crewmitgled isst du, gemeinsam mit deinen Kollegen, in der Crew Mess, einer riesigen Kantine, wie du sie wahrscheinlich aus großen Unternehmen kennst.

In der Crew Mess gibt es zum Frühstück, Mittag- und Abendessen eine große Auswahl an internationalen Gerichten. Das Essen wird von einem Extra-Küchenteam zubereitet, das sich eigens um das leibliche Wohl der Besatzung kümmert. Während deiner Vertragslaufzeit sind Kost und Logis an Bord kostenfrei.

Kann ich an Bord Sport treiben?

Je neuer ein Kreuzfahrtschiff ist, desto besser stehen die Chancen auf ein modernes Fitnessstudio für die Crew. Aber auch an Bord älterer Schiffe gibt es immer einen kleinen Fitnessraum mit Kraft- und Ausdauergeräten, an denen du dich in deiner Freizeit auspowern kannst. Die Fitnesseinrichtungen der Gäste, meistens mit tollem Blick aufs Meer, sind für Crewmitglieder leider tabu.

Welche Freizeitmöglichkeiten gibt es an Bord?

Neben dem Sportbereich gibt es natürlich auch andere Freizeitmöglichkeiten und Rückzugsbereiche für die Crew. Tagsüber steht dir zum Beispiel das Crewdeck zur Verfügung, auf dem du frische Luft schnappen, dich sonnen oder das Auslaufen aus dem Hafen genießen kannst. Auf manchen Schiffen gibt es sogar einen Pool für die Besatzung.

Wenn du deinen Feierabend ruhig angehen möchtest, kannst du dir Bücher und Filme an Bord ausleihen, dich auf deine Kabine zurückziehen oder dich mit Kollegen treffen. Am Abend hat auch die Crewbar geöffnet, in der du zu lauter Musik abfeiern kannst. Hier wird meistens viel getanzt, geflirtet, getrunken und gelacht.

Was passiert, wenn ich krank werde?

Auf jedem Schiff gibt es einen Arzt, der zwar in erster Linie für die Gäste da ist, aber auch Sprechzeiten für die Crew anbietet. Bei kleineren Wehwehchen, einer Grippe oder bei Übelkeit wegen Seekrankheit wirst du ärztlich versorgt. Bist du ernsthafter oder dauerhaft außer Gefecht gesetzt (zum Beispiel Arm gebrochen) und kannst nicht mehr arbeiten, musst du deinen Einsatz abbrechen und das Schiff verlassen.

Soll ich meine Wohnung kündigen, mein Auto verkaufen etc?

Schaffst du es, deine monatlichen Fixkosten auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, kannst du während deiner Zeit auf dem Kreuzfahrtschiff viel Geld sparen. Ich hatte vier Jahre lang keinen festen Wohnsitz, musste dementsprechend keine Miete und keine Nebenkosten zahlen, ich hatte kein Auto und auch alle Verträge (Handy, Internet etc) hatte ich für meine Zeit auf dem Kreuzfahrtschiff gekündigt.

So konnte ich das maximale meines Gehaltes beiseite legen, um es auf Reisen wieder auf den Kopf zu hauen. Deine Wohnung zu kündigen und in der Heimat alles aufzugeben, empfehle ich allerdings nur, wenn du eh schon an einen nomadischen Lebensstil gewöhnt bist. Gehst du zum ersten Mal aufs Schiff, solltest du nichts überstürzen. Gehe die Sache lieber langsam an, um rauszufinden, ob dir ein solches Leben überhaupt gefällt.

Vielleicht liegt dir die Arbeit auf hoher See nicht und du bist schneller wieder zurück in deinem alten Leben, als dir lieb ist. Auch das kommt vor. Die ideale Lösung für Schiffsneulinge ist es daher, die Wohnung unterzuvermieten, das Auto erst mal nur abzumelden und sämtliche Verträge zu pausieren.

Darf ich an Bord Alkohol trinken?

Ja, selbstverständlich darfst du nach Feierabend Alkohol trinken, jedoch gibt es eine Promillegrenze von 0,05%, die strikt eingehalten werden muss. Offiziell ist also schon nach zwei Bieren Schluss! Das liegt nicht daran, dass dein Arbeitgeber dir irgendwas vermiesen möchte, sondern daran, dass jedes Crewmitglied im Notfall reagieren muss. Liegst du bei einem Schiffsbrand besoffen im Bett, anstatt deinen zugeteilten Aufgaben nachzugehen, kann das so manche Menschenleben kosten.

Der Alkoholkonsum wird zwar nicht ständig überwacht, aber stichprobenartig kontrolliert. Schießt du über das Limit, sitzt du am nächsten Tag mit deiner Kündigung  im Flieger und das auf eigene Kosten. Habe ich schon mehrfach erlebt.

Was passiert im Notfall?

Gerät das Schiff in einen Notfall, weiß jedes Crewmitglied sofort was zu tun ist, denn Sicherheit ist das wichtigste Gebot an Bord. Gleich nach deinem Aufstieg erhälst du umfangreiche Schulungen und Trainings.

Hier lernst du die Fluchtwege kennen, übst mit einem Feuerlöscher umzugehen und bekommst eine ganz bestimmte Aufgabe zugeteilt, die du im Notfall ausführen musst. Damit du dies auch so richtig verinnerlichst, gibt es jede Woche mehrmals Pflichtübungen, bei denen ein Notfall simuliert wird.

Gibt es an Bord einen Ansprechpartner?

An Bord eines jeden Schiffes gibt es die Human Resources Abteilung, eine eigene Personalabteilung für die gesamte Crew. Hier findest du immer einen Ansprechpartner, der sich um deine persönlichen Anliegen kümmert. Als Neuling nimmst du außerdem an einer Willkommensveranstaltung teil, bei der du alles Wichtige für den Einstieg an Bord erklärt bekommst.

Was sind die Voraussetzungen für einen Job an Bord?

Um an Bord eines Kreuzfahrtschiffes arbeiten zu können, solltest du eine abgeschlossene Berufsausbildung in deinem gewünschten Bereich mitbringen. Du solltest mindestens 20 Jahre alt sein, sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse vorweisen können und du musst für etwa sechs Monate verfügbar sein.

Außerdem solltest du dazu bereit sein, sieben Tage die Woche etwa zehn Stunden pro Tag zu arbeiten. Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit sind an Bord enorm wichtig. Des weiteren benötigst du einen gültigen Reisepass, eine ärztliche Bescheinigung deiner Seediensttauglichkeit sowie weitere Dokumente, die dir vorab zugesendet werden.

Wo kann ich mich bewerben?

Als einer der weltweit führenden Partner von Reedereien ist sea chefs deine erste Anlaufstelle. Das Schweizer Unternehmen beschäftigt rund 8.000 Mitarbeiter an Bord zahlreicher Fluss- und Kreuzfahrtschiffe von TUI Cruises, Hapag Lloyd, Phoenix und anderen Reedereien.

Unter www.seachefs.com findest du jede Menge Stellenangebote. Ist deine Wunschposition nicht dabei? Dann schreibe doch einfach eine Initiativbewerbung!

Hast du weitere Fragen?

Konnte ich deine Fragen zum Thema Leben und Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff beantworten oder brennt dir noch immer etwas auf der Seele, was du gerne wissen möchtest?

Hinterlasse gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag oder schreibe mir eine persönliche Nachricht. Ich freue mich, wenn ich dir weiterhelfen kann und werde mein Kreuzfahrtschiff Q&A nach und nach mit neu auftauchenden Fragen und den dazu passenden Antworten ergänzen.

 


*Dieser Beitrag enthält bezahlte Werbung für sea chefs. Meine Meinung beruht auf eigenen Erfahrungen aus meiner Zeit and Bord und wurde nicht beeinflusst. Alle Angaben zu Richtlinien oder Gesetzen wurden gründlich recherchiert, bleiben jedoch ohne Gewähr. Der Beitrag enthält außerdem Produktlinks von Amazon. Bestellst du über einen meiner Links, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten.

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6 Kommentare
  1. Antworten

    Roman Jasiek

    29. Januar 2018

    Ahoi,

    danke für diesen sehr informativen Eindruck von „hinter den Kulissen“. Eine Frage habe ich schon noch: wie sieht es denn aus mit Seekrankheit bzw. was ist, wenn das Wetter mal wirklich ungemütlich wird? Gab es so was während Deiner Zeit an Bord? Und wie wird an Bord damit umgegangen, wenn man aufgrund der Schaukelei das – mit Verlaub – große Brechen bekommt?

    • Antworten

      Julia

      31. Januar 2018

      Hallo Roman,
      seekrank war ich in der Tat mehrmals, allerdings nicht so richtig schlimm, dass ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Auf einem großen Kreuzfahrtschiff kann es schon mal wackeln, aber jeder Mensch verträgt das anders. Ich habe einen kompletten Artikel über Seekrankheit auf dem Schiff geschrieben. Schau mal rein: https://globusliebe.com/tipps-gegen-seekrankheit/
      Und wenn du weitere Fragen hast, melde dich gerne!
      Alles Liebe, Julia

  2. Antworten

    Florian

    18. April 2018

    Hallo Julia,

    ich habe morgen eine Veranstaltung für einen Job auf der AIDA in München (Offshorebereich), leider finde ich im Internet keine genauen Aufgabenfelder für diesen Job und was mich genau erwarten wird. Ich würde auf alle Fälle gerne an dem Abenteuer arbeiten auf hoher See teilnehmen und denke durch die Tatsache dass ich länger in England gelebt habe bin ich sprachlich auch dafür geeignet.

    Weisst du wie groß die Chance ist einen Job zu bekommen wenn man zum persönlichen Interview und der Infoveranstaltung eingeladen wird?

    Danke für deine Antwort.

    • Antworten

      Julia

      2. Mai 2018

      Hallo Florian,
      zur AIDA Flotte kann ich dir leider nichts sagen. Da fehlen mir die Erfahrungen. Ich habe mehrere Jahre bei sea chefs gearbeitet. Dazu gehören die Reedereien TUI Cruises, Hapag Llyod, Phoenix etc. Wenn ich dir dazu eine Frage beantworten kann, lass es mich gerne wissen.
      Viele liebe Grüße, Julia

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Julia Lassner globusliebe

Hi, ich bin Julia,

Freigeist, Weltreisende und Abenteurerin mit Leib und Seele. Auf globusliebe findest du Once-in-a-lifetime Erlebnisse, Outdoor Abenteuer und einzigartige Unterkünfte, die vielleicht schon bald auf deiner eigenen Bucket List stehen?! Lass dich von meinen Reiseberichten aus aller Welt inspirieren! ➸ Weiterlesen

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